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Die Erkrankung verstehen: Gallensteine

Die Galle ist „nur“ ein Gefäß

Definition

Das steckt dahinter

Sie fängt die von der Leber gebildete Gallenflüssigkeit auf, welche aus Mineralien, Gallensäuren, Gallenfarbstoffen (Bilirubin) und Fetten (Cholesterin und Vorstufen) besteht. Ist die Zusammensetzung nicht ausgewogen, bilden sich Gallensteine.

Galle wird nach dem Essen in den Darm abgegeben, dort macht es Fette und fettige Vitamine löslich, so dass die Stoffe verdaut, aufgenommen oder transportiert werden können. Besonders in früheren Zeiten war die Speicherung des Gallensaftes wichtig, denn nicht immer war Nahrung verfügbar und wenn, dann gab es für kurze Zeit sehr viel zu essen. So lagerte die Galle den wertvollen Saft für alle Fälle.

Wie kommt der Stein in die Galle?

Natürlich kam der Stein nicht von außen in die Galle. Vielmehr bilden sich Gallensteine durch chemische Vorgänge in der Galle selbst: Zunächst ist es nur feiner Gries, der nach und nach zu Gallensteinen heranwächst, im Extremfall ist die gesamte Gallenblase ausgefüllt oder der Gallengang komplett verlegt. Zu erheblichen Problemen kommt es, wenn die Steine die Gänge verstopfen oder zu wandern beginnen. Beschwerden verursachen daher weniger die großen Steine in der Galle, denn die sind im Organ gefangen, schlimmer sind die kleinen Gallensteine, die beim Wandern die Gänge dehnen oder verletzen oder einen Rückstau von Galle verursachen.

Heftigste Beschwerden führen zum Arzt

Gallenkoliken zählen zu den schlimmsten Schmerzen, die man kennt: Die Muskulatur versucht sich des Gallensteins zu entledigen, dabei kommt es zu krampfhaften Kontraktionen und wehenförmig an- und abschwellenden Schmerzen. Entkrampfende Schmerzmittel können die Beschwerden lindern. Man kann dann nur hoffen, dass der Gallenstein selbst den Weg in den Darm findet, ansonsten greift man operativ ein. Auflösen und Zertrümmern des Steins funktioniert leider nur begrenzt. Je nach Steingröße und -beschaffenheit sind Komplikationen bei Gallensteinen nicht selten.

Häufigkeit

Gallensteine sind in Industrienationen sehr häufig, zwischen 5-20 % der westlichen Bevölkerung haben sie. Frauen sind dreimal so oft betroffen. Nach Sodbrennen sind Gallensteine die häufigste Erkrankung der Verdauungsorgane.

Die meisten Patienten bekommen jedoch niemals Probleme mit ihren Gallensteinen, etwa 75 % der Betroffenen sind lebenslang beschwerdefrei. Heute wird daher nicht mehr routinemäßig operiert.

Ursachen

Ursache für Gallensteine ist ein entgleister Stoffwechsel. Das Risiko für Gallensteine ist in bestimmten Situationen erhöht, etwas salopp auch als 6 F bezeichnet:

Female, Fair, Fat, Forty, Fertil, Family.

Die Schlagwörter stehen für weiblich, weißhäutig, übergewichtig und hohe Fettaufnahme, höheres Alter, Schwangerschaften/Kontrazeptiva und familiäre Veranlagung.

Daneben sind Patienten mit Lebererkrankungen, Mukoviszidose, entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn) und Colitis ulcerosa von Steinen bedroht, ebenso wie Menschen, bei denen Teile des Darms entfernt werden mussten. Häufig sind Gallensteine auch bei Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Hypercholesterinämie und fettreicher Ernährung.

Prävention

Bei entsprechenden Risikofaktoren sollte die Erkrankung durch Prävention vermieden werden.

Hier eignet sich die Naturheilkunde besonders gut: Ein angepasstes Verhalten verlangsamt Wachsen und Vermehrung der Steine. Im optimalen Fall kann sogar durch Bewegung, fettarme Ernährung und Gewichtsreduktion eine Verkleinerung der Steine erreicht werden. Zur Überwachung sind nur gelegentliche Ultraschalluntersuchungen nötig.

Übrigens: auch nach einer Operation kann die naturheilkundliche Therapie zur Vorbeugung eines Rückfalls eingesetzt werden.

Verlauf und Komplikationen

Verlauf

Gallensteine sind meist stumm, pro Jahr werden nur 3-5 % der Steinträger symptomatisch, das Spektrum reicht von Übelkeit, Druckgefühl bis zu Erbrechen und stärksten Schmerzen. Nach einem Steinabgang erfolgt wieder eine beschwerdefreie Zeit, allerdings erleiden 50 % der Kolikpatienten eine erneute Attacke.

Bei einigen bringt ein operativer Eingriff eine entscheidende Wendung, bei jedem dritten oder vierten Patienten kommt es auch danach zu Bauchbeschwerden.

Komplikationen

Bei einem Steinleiden drohen eine Reihe von Komplikationen.

  • Durch den Stein und den Rückstau von Gallenflüssigkeit kann zusätzlich eine Entzündung der Gallenwege entstehen. Dann spricht Ihr Arzt von einer Cholezystitis (Gallenblasenentzündung) oder Cholangitis (Gallengangsentzündung).
  • Der Stein behindert den Abfluss der Galle und reizt beständig die Wand. So können Bakterien dort siedeln, die aus dem Darm aufsteigen. Wird der Patient beim Fortschreiten der Krankheit gleichzeitig desorientiert, besteht Verdacht auf eine Blutvergiftung (Sepsis). Die chronische Gallenblasenentzündung kann außerdem zu einem Durchbruch führen (Gallenblasenperforation).
  • Der Inhalt der Gallenblase und Eiter in der Bauchhöhle können eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) auslösen.
  • Entzündliche Fisteln können ausgehend von der Galle zu anderen Organen durchbrechen, etwa zur Leber, zum Magen und Darm.
  • Gallensteine erhöhen das Risiko einer Krebserkrankung etwas. Entzündungen über längere Zeiträume sind manchmal an der Entstehung von Gallenblasenkrebs beteiligt.
  • Präventiv eingegriffen wird aber nur bei einer „Porzellangallenblase“, dann ist die Wand des chronisch entzündeten Organs mit Calcium verkalkt und so verhärtet. Operiert wird auch bei Hinweisen auf eine beginnende Krebserkrankung und bei gleichzeitig vorliegenden Gallenblasenpolypen, wenn diese eine beständige Wachstumstendenz aufweisen.
  • Bei manchen Menschen kann es auch zu einem Rückstau des Sekrets ins Bauchspeicheldrüsen-System kommen, weil der gemeinsame Ausführungsgang der Galle und der Bauchspeicheldrüse an der Einmündung zum Zwölffingerdarm verschlossen ist. Dann staut sich nicht nur Gallenflüssigkeit, sondern auch das Sekret der Bauchspeicheldrüse, was dann unter Umständen zu einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) mit „Selbstverdauung“ führt. Im schlimmsten Fall droht eine Zerstörung der Bauchspeicheldrüse (Pankreasnekrose).

Formen

Man unterscheidet zwischen stummem und symptomatischem Krankheitsverlauf.

Die Steine können durch unterschiedliche Stoffe entstehen. Cholesterinsteine deuten auf eine Beteiligung des Fettstoffwechsels, Bilirubinsteine zeigen ein Blutleiden an, häufig chronische Blutungen, oder ein Leberleiden.

Cholesterinsteine

In der Regel sorgen die Gallensäuren für eine gute Lösung von Cholesterin. Wenn aber dieses Gleichgewicht entgleist bilden sich Steine - dann ist zu viel Cholesterin in der Galle oder zu wenig Gallensäure. Die meisten Gallensteine (80 %) sind Cholesterinsteine. Gehäuft treten diese bei Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus, Hypertriglyzeridämie und durch verstärkten Verzehr von raffiniertem Zucker (Saccharose) auf. Auch durch Verlust oder verminderte Bildung von Gallensäuren und verminderte Resorption im Darm (z. B. bei Morbus Crohn) können Gallensteine entstehen.

Pigmentsteine

Bei hämatologischen Erkrankungen (wie Blutungen, Sichelzellanämie, Thalassämien, chronische Blutauflösung = Hämolysen) oder Verletzungen (Verbrennungen) besteht ein gesteigerter Anfall des Hämoglobinabbauprodukts Bilirubin und es bilden sich braune bis schwarze Steine. Da die Leber für den Abbau des Stoffes zuständig ist, kann auch eine Leberschädigung zu diesem Kankheitsbild führen.

Kalziumsteine

Das Element Kalzium bildet mit vielen Substanzen unlösliche Komplexe zum Beispiel mit Bilirubin. Ist durch eine Erkrankungen zu viel Kalzium in der Galle (z. B. Schilddrüsenüberfunktion), fallen auch häufig Steine an.

Infektionen

Durch bakterielle oder parasitäre Infektionen der Gallen wird Bilirubin teilweise abgebaut, wodurch unlösliche Produkte entstehen, die sich zu braunen Gallensteinen formieren. Abgestorbene Bakterien, Pigmente und Parasitenreste bilden einen Schlamm, der Steine im gesamten Gangsystem bilden kann, eine Entzündung von Galle und Leber (Cholangiohepatitis) nimmt ihren Lauf. Bakterielle Entzündungen der Gallenwege kommen meist nur bei Parasitenbefall im Orient vor.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen

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