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Gicht

Bei Gicht können sich Harnsäure-Ablagerungen unter der Haut bilden.

Heftige Schmerzattacken im Gelenk

Gicht ist eine Krankheit des Stoffwechsels. Das Problem besteht in einem erhöhten Harnsäurespiegel im Blut. In der Folge lagern sich Harnsäurekristalle in der Gelenkhaut ab, was zu schmerzhaften Entzündungen in den Gelenken führt. Als Therapie hat die Ernährungsumstellung oberste Priorität. Was Sie sonst noch tun können, erfahren Sie jetzt.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Gicht kompakt: Die wichtigsten Fakten

Früher galt Gicht als eine Krankheit der Reichen, nur sie waren mit Nahrungsmitteln wie Bier, Fleisch und Fisch üppig versorgt. Heute hungert niemand mehr und Gicht kann jeden treffen, der dazu veranlagt ist. Zwar gibt es eine klare genetische Komponente, aber der Lebensstil hat einen hohen Anteil, sagt die Forschung. Eine Studie an Zwillingen zeigte, dass das Verhalten an der Ausprägung der Gicht zur Hälfte beteiligt ist.

Gicht ist also kein unabwendbares Schicksal, sondern entsteht aus der Kombination von Veranlagung und Lebenswandel.

Größte Risikofaktoren beim Lebensstil sind:

  • übermäßiger Alkoholgenuss
  • Übergewicht, verbunden mit dem Verzehr von vielen Fleischprodukten, insbesondere Innereien und Wurst.

Wer ist betroffen?

Rund 5 Prozent aller Deutschen leiden an Gicht – dabei sind 80 Prozent der Gichtpatienten männlich.

Was ist Gicht?

Gicht ist eine Stoffwechselstörung. Es kommt zu einem erhöhten Harnsäurespiegel (Fachwort Hyperurikämie) im Blut. Wenn die Nieren aufgrund einer genetischen Erkrankung zu wenig Harnsäure ausscheiden oder es zu einer Überproduktion von Harnsäure kommt, dann zirkuliert zu viel Harnsäure im Blut. Der normale Harnsäurewert im Blut liegt bei gesunden Menschen zwischen 3,0 und 6,0 Milligramm pro 100 Milliliter. Der Grenzwert von Harnsäure liegt bei 6,5 Milligramm.

Gicht entwickelt sich schleichend

Auch wenn die Harnsäure über Jahre erhöht ist und sich in der Folge Harnsäurekristalle in der Gelenkhaut ablagern, kommt es nicht sofort zu Gelenkschmerzen. Auslöser ist häufig ein üppiges Mahl mit viel Bierkonsum. Ein erster, akuter Gichtanfall kommt dann meist völlig überraschend. Zu 60 Prozent kommt es als erstes im großen Zeh zu Gichtschmerzen. Das betroffene Gelenk ist stark entzündet, angeschwollen und reagiert äußerst empfindlich auf Berührung.

Behandlung: Oberste Priorität hat die Ernährungsumstellung

Ziel der Schulmedizin ist die Verkürzung des akuten Gichtanfalls. Auch die Schmerzen sind linderbar. Auf lange Sicht muss die Harnsäuremenge im Körper kontrolliert werden. Das bedeutet schlichtweg die Ernährung auf purinarme Lebensmittel umzustellen.

Leben mit Gicht bedeutet konsequente Lebensführung

Auch in beschwerdefreien Zeiten zwischen den Gichtanfällen zahlt sich ein diszipliniertes Leben aus. Harnsäurekristalle im Gelenk sind eine Zeitbombe, führen sie doch zu vorzeitiger Gelenkzerstörung (Verlauf). Nur ein konsequentes Verhalten löst das Problem dauerhaft, im wahrsten Sinne des Wortes: Die Gichtablagerungen lösen sich langsam wieder auf, wenn der Blutspiegel stimmt. Die Naturheilkunde unterstützt dabei den aktiven Stoffwechsel und hat auch so manches lindernde Verfahren auf Lager. Bei richtigem Herangehen ist Gicht heilbar, die Neigung allerdings bleibt ein Leben lang bestehen.

Ursachen für Gicht

Ursache für die Gichtschmerzen ist die Anreicherung von Harnsäure-Kristallen, vor allem in den Gelenken. Harnsäure ist ein „normales“ Stoffwechselprodukt. Problematisch wird es nur, wenn die Werte zu hoch steigen (über > 6,5 mg/dl). Die Harnsäure ist nämlich schwer löslich und fällt ab einer gewissen Konzentration als Kristall aus. Die Anreicherung von Harnsäure im Organismus kann verschiedene Ursachen haben.

Primäre Gicht: Wenn das interne Recycling gestört ist

Entweder wird Harnsäure über absterbende Zellen im Körper vermehrt hergestellt, was eher selten ist, oder die Niere scheidet die Harnsäure nicht ausreichend aus. Dies ist die häufigste Ursache und trifft in 75-80 Prozent der Fälle zu. Schuld sind die Gene. Man spricht dann von primärer oder erblicher Gicht. Für den Körper sind Purine nicht nur Abfallstoffe. Er kann sie wiederverwerten. Bei einigen genetischen Defekten ist dieses Recycling gestört, mit problematischen Folgen für das Gichtrisiko.

Auslöser für einen akuten Gichtanfall

Das Verhalten und die Lebensführung spielen bei der Auslösung eines Gichtanfalls trotz genetischer Neigung eine entscheidende Rolle:

Wichtige Auslöser sind:

Gicht: Symptome

Gichtklassiker: Schmerzen an der großen Zehe

Gefährdet für Gicht sind Gelenke an den Extremitäten. Sie kühlen leicht aus und das steigert die Kristallbildung. Am häufigsten befallen ist das Grundgelenk der großen Zehe, dahinter rangieren Sprung-, das Fußwurzel- und Fingergelenke. Bei wiederholten Gichtanfällen können nacheinander verschiedene Gelenke befallen werden: Die Gicht springt von Gelenk zu Gelenk. Charakteristisch für Gicht ist der Befall einzelner Gelenke. Die Krankheit ist im Gegensatz zu Rheuma selten symmetrisch.

Gicht: Entzündung im Gelenk

Ein Gichtanfall ist dem Gelenk schon äußerlich anzusehen: Um das Gelenk bildet sich eine "teigige" Schwellung sowie eine Rötung. Die Schmerzen sind extrem, oft so stark, dass der Druck von Kleidung oder einer Decke nicht auszuhalten ist. Typischerweise treten die Schmerzen bei einem Gichtanfall vermehrt nachts oder früh morgens auf. Der Zustand entwickelt sich sehr schnell, innerhalb von zwölf Stunden. 

Gicht kann auch zusammen mit mäßigem Fieber, Frösteln oder Kopfschmerzen auftreten. Die Anfälle entwickeln sich spontan und klingen ebenso wieder ab.

Weichteil-Gicht mit Gichtknoten

Bei einem chronischen Verlauf erfolgen Harnsäure-Ablagerungen auch an anderen Stellen. Deutlich sichtbar sind Gichtknoten unter der Haut, am Ohrknorpel und oberhalb von Gelenken. Diese Gelenktophi sind oft schmerzlos, können aber unter Umständen die Gelenkfunktion beeinträchtigen.

Vier Krankheitsstadien und die Symptome im Überblick:

Falls eine genetische Neigung besteht, beginnen die ersten Anzeichen beim Mann zwischen der Pubertät und dem 30. Lebensjahr, bei der Frau in der Menopause. Die hohe Harnsäurekonzentration im Körper führt allmählich zur Bildung von Kristallen in den Gelenken. Die Ursache kann aber jahrzehntelang bestehen, ohne dass es zu einem Gichtanfall kommt. Ein aktueller Auslöser – wie Überanstrengung, ein Ernährungsfehler oder Alkoholexcess – bringt dann den Stein ins Rollen.

Man unterscheidet vier Stadien der Gicht:

  • Stadium I: Anfangs findet man erhöhte Harnsäurewerte ohne krankhafte Beschwerden (kann Jahrzehnte bestehen).
  • Stadium II: Irgendwann ereignet sich darauf ein akuter Gichtanfall. Er dauert unbehandelt wenige Tage bis drei Wochen.
  • Stadium III, interkritische Gicht: Ein symptomloses Intervall kann Jahre anhalten.
  • Stadium IV: Bei einer chronischen Gicht sind sowohl die Gelenke als auch die Weichteile wie die Nieren oder Haut zunehmend geschädigt. Oft kommt es auch zu Knötchen in der Haut. Sie treten am Ohrläppchen, an Händen, Ellenbogen, außerhalb der Kniegelenke und den Füßen auf. Beim wiederholten Auftreten ist der Gichtanfall hinsichtlich der Folgen schwerer, das heißt, mehrere Gelenke werden in Mitleidenschaft gezogen und die Anfälle dauern länger.

Wann zum Arzt

Ein Gichtanfall verschwindet zwar nach Tagen bis Wochen von selbst, dennoch: Mit geröteten und hochschmerzhaften Gelenken sollte man immer zum Arzt gehen, denn diese Zustände sind nicht nur gefährlich für das Gelenk, nach und nach werden auch die noch gesunden Gelenke befallen. Gichtanfälle dauern zunehmend länger und die Abstände dazwischen werden kürzer. Wenn Gicht nicht behandelt wird und auch sonst keine weiteren Maßnahmen stattfinden, entwickelt sich eine chronische Gicht. Auch andere Erkrankungen, die sich mit hoch entzündlichen Gelenken äußern (wie Rheuma und Infektionen) müssen ärztlich behandelt werden.

Diagnose: Was Sie vom Arzt erwarten können

Zur Bestätigung der Diagnose bei den genannten Symptomen wird im Blut die Harnsäurekonzentration bestimmt. Sie darf höchstens 6,5 mg/dl betragen. Bei einem Gichtanfall steigt die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sowie die Blutsenkungsgeschwindigkeit an. Bei Verdacht auf Gicht sollten auch die Fettwerte, der Urin und die Niere untersucht werden.

Eventuell punktiert der Arzt die Gelenke oder das Gewebe um die Gelenk-Flüssigkeit unter dem Mikroskop auf Kristalle zu untersuchen. Auch die weißen Blutzellen aus dem Gelenk enthalten eingelagerte Harnsäurekristalle.

Sprechen die Beschwerden außerdem auf Kolchizin aus der Herbstzeitlose an, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit Gicht vor.

Bildgebung bei Gicht

Bildgebenden Verfahren wie Röntgen oder Sonographie sind nur zur Beurteilung des Fortschreitens sinnvoll. Bei frühen Formen ohne Knorpel- oder Knochenschaden erkennt man das Problem im Röntgenbild nicht: Die Kristalle sind im Röntgenbild nicht zu sehen.

Schulmedizin

Langzeittherapie: Täter Harnsäure bekämpfen

Allgemeines Ziel der Schulmedizin ist es bei Gicht den Harnsäurespiegel langsam unter 6,0 mg/dl zu senken. Zunächst arbeitet man mit Diät sowie Maßnahmen zur Lebensführung.

Handeln nach dem Gichtanfall

Erst bei chronischer Hyperurikämie und aufgetretenen Gichtschäden setzt man so genannte Urikostatika ein. Allopurinol ist der Standard, Febuxostat wird wegen des hohen Preises selten verwendet. Die Präparate sollen die Herstellung der Harnsäure hemmen.

Daneben gäbe es noch Urikosurika (Benzbromaron und Probenecid). Sie kurbeln die Ausscheidung über die Niere an. Aber der Einsatz ist selten: Es besteht nämlich die Gefahr von Nierensteinen.

Achtung: Ein geringer Harnsäurespiegel führt zwar zu einer Auflösung der Ablagerungen. Das wiederum lässt manchmal die Blutwerte der Harnsäure stark ansteigen, wodurch sich das Risiko für einen weiteren Gichtanfall erhöht. Die Medikamente werden nur langsam hochdosiert, um keinen akuten Gichtanfall auszulösen. Bei Gefahr für weitere Gichtanfälle verschreibt der Arzt zusätzlich Naproxen und Kolchizin. Dieses Gift der Herbstzeitlose hemmt die Bewegung, Teilung und Fressleistung der Leukozyten. Seine Wirkung ist am schnellsten und stärksten, es hat aber auch die meisten Nebenwirkungen.


Akutmaßnahmen gegen Gichtanfälle

Akute Gicht wird erfolgreich mit Entzündungshemmern behandelt, meist nichtsteroidale Antiphlogistika wie Naproxen und Diclofenac. In schweren Fällen greift man auch zu Glucocorticoide (Prednisolon).

Ernährung bei Gicht

Wesentlich für die Therapie ist die richtige Ernährung. Nur wenn die Ernährungsumstellung nicht greift, sollten schulmedizinische Medikamente eingenommen werden. Auch die Naturheilkunde kann die Beschwerden lindern.

Fastenverbot

Bei Übergewicht ist zwar Abnehmen wünschenswert, dies kann aber nicht über radikale Fastenkuren erreicht werden, denn hierbei steigt das Risiko für einen Anfall. Ein schneller Fettabbau reduziert die Fähigkeit der Niere die anfallende Harnsäure auszuscheiden. Fasten ist für Gichtpatienten daher nur mit ärztlicher Anleitung sinnvoll. Eine gezielte Fastenunterstützung sind dann Harnsäure-senkende Medikamente und hohe Trinkmengen.

Gesunde Alternative: Übergewicht langsam reduzieren

Weniger kritisch ist eine langsame Gewichtsreduktion (das heißt nicht mehr als 1 Kilogramm in 2 Wochen) über eine gesunde und ballaststoffreiche Ernährung. Eine pflanzliche Kost erzeugt einen alkalischen Harn, was auch zu einer verbesserten Löslichkeit der Harnsäure führt. Beginnen Sie also nicht mit striktem Fasten, sondern erhöhen Sie systematisch den Anteil von Gemüse und nicht so süßem Obst.

Ernährungstherapie bei Gicht: Tendenz vegetarisch

  • Reduziert werden sollte übermäßiger Genuss von Fleischprodukten, insbesondere Innereien und Wurst.
  • Etwas Fisch gehört ein – bis zweimal die Woche – zu einer gesunden Ernährung, aber auch hier muss die Menge im Rahmen liegen. Das gilt besonders für Fische wie Makrelen und Sardinen, sowie Fischhaut aber auch für Meeresfrüchte (Hummer).
  • Ausdrücklich erwähnt sei bei der Gichternährung die Säure-Basen-Regulation. Ein basisches Klima im Körper und ein basischer Harn verbessert die Löslichkeit der Harnsäure und packt das Problem an der Wurzel.
  • Achtung Falle: Vegetarische Hefepasten werden zwar als gesunde Lebensmittel angeboten, sie enthalten höchste Werte an Purinen. Für Gichtpatienten ist Hefe also nicht geeignet. Das gleiche gilt für Bier.
  • Problematisch ist auch Fleischextrakt. Auch mit Kräutern kann man schmackhaft würzen, es müssen nicht immer Brühwürfel sein.

Schmackhafte Alternativen

Fettreiche Milchprodukte verhalten sich bezüglich des Gichtrisikos neutral, bei fettarmen zeigen verschiedene Studien sogar eine senkende Gichtrate! Wer Milch verträgt kann also 250 ml pro Tag genießen. Auch Käse, Joghurt, Quark und Eier enthalten Eiweiß und sind praktisch purinfrei. Dabei muss man nur die Kalorien beachten. Übrigens wird eine vegane Kost bei Gicht nicht befürwortet: In Studien fielen Veganer durch hohe Harnsäurewerte auf.

Achtung neu:

  • Früher standen Hülsenfrüchte (wie Erbsen, Bohnen, Linsen, Erdnüsse) und purinreiche Gemüse (Spargel, Spinat) auf der Verbotsliste. Untersuchungen haben aber keine Gichtgefahr durch Gemüse ergeben können. Diesen Punkt sieht man heute also viel entspannter. Jegliches Gemüse ist bei Gicht erlaubt konstatiert die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR).
  • Einzig und allein vor großen Mengen zuckerreicher Früchte (wie Äpfel, Birnen, Weintrauben oder Orangen) und fruktosereichen Fruchtsäften muss man sich hüten. Säuerliche Beerenfrüchte (wie Erd-, Johannis- oder Himbeeren, Zitrone und Melone) sind weniger bedenklich.
  • Auch beim Brot sieht man heute keine Gefahr mehr.
Mit diesem Purinrechner können Sie für alle Lebensmittel den Harnsäuregehalt berechnen.

Trinken gegen Gicht

Durch das Trinken fördert man die Ausschwemmung der Harnsäure und verhindert eine Steinbildung durch die Harnsäure in der Niere und den Geweben. Bei der Menge muss man aber die 2 Liter-Marke überschreiten.

Dabei sollte man aber nicht wahllos zum nächsten Getränk greifen.

  • Alkohol lässt man besser weg. Er kurbelt in der Leber die Harnsäureproduktion an und vermindert die Ausscheidung. Dabei gilt absolutes Bierverbot, ein Glas Wein ist jedoch genehmigt.
  • Warnung gilt auch für gezuckerte Getränke. Beim Abbau von Fruktose fällt im Stoffwechsel Harnsäure an. Neben den Softdrinks und Limonaden stehen Smoothies und Fruchtsäfte auf der Verbotsliste. Light-Getränke ohne Zucker erhöhen das Gichtrisiko dagegen nicht. Positiv bewertet man auch Gemüsesäfte. Selleriesaft fördert auch die Entwässerung, bei der hohen Trinkmenge eine echte Erleichterung.
  • Kaffee und Grüner Tee sind ausdrücklich erlaubt. Früher war man demgegenüber zögerlich, heute weiß man aber, dass die dort enthaltenen Purine (Coffein und Xanthin) nicht zu Harnsäure abgebaut werden.
  • Gänzlich unbedenklich sind Mineralwasser und Kräutertees. Sie bekommen sogar ein doppeltes Plus, denn hier kann man entwässernde und antientzündliche Wirkstoffe unterbringen. Auch carbonathaltiges Mineralwasser sorgt für alkalischen Harn.

Zubereitung von Fleisch und Fisch

Kochen in Wasser ist in Hinsicht auf Gicht die beste Zubereitungsart. Dabei gehen die Purine in das Wasser über, es kann also nicht verwertet werden. Braten sollte man vermeiden, auch Frittieren. Viel Fett in der Nahrung schmälert die Ausscheidungskapazität der Niere für Harnsäure.

Heilpflanzen

Früher verwendete man die Herbstzeitlose zur Behandlung der Gicht. Heute wird sie nur noch im Ausnahmefall in der Therapie eingesetzt. Man sollte nur Medikamente verwenden, die exakt auf den Wirkstoff eingestellt sind (Extrakte aus Herbstzeitlosensamen/Knollen/Blüten). Übrigens: Der reine Inhaltsstoff – das Kolchizin – wird exakt dosiert immer noch in der Schulmedizin verwendet. Zwar sprechen die Gichtsymptome gut an, Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sind allerdings häufig.

Daneben gibt es in der Medizin hunderte von Pflanzen, denen eine Wirkung gegen Gicht nachgesagt wird. Studien, die die Wirkung belegen, sind leider nicht vorhanden:

In der traditionellen Heilkunde gelten Birke und Schwarzpappel als Gichtmittel. In der Tat zeigen Forschungsdaten, dass die Extrakte der Pflanzen die Herstellung von Harnsäure nach einem ähnlichen Prinzip hemmt wie der schulmedizinische Wirkstoff Allopurinol.

Damit das Wasser bei der Durchspültherapie gegen Gicht auch ausreichend zügig ausgeschieden wird, sollen entwässernde Heilpflanzen die Niere unterstützen (Birken- und Brennnesselblätter). Objektiv überprüft ist der Sachverhalt bei Gicht allerdings nicht.

Medizin mit Kirschgeschmack

Eine neue Studie belegt einen interessanten Nebeneffekt von Sauerkirschen: Sie reduzierten das Anfallsrisiko drastisch: das Risiko einer Gichtattacke sank, wenn an den beiden vorangehenden Tagen Kirschen genossen wurden. Aber auch hier kommt es auf die kleine Menge an: Es reichen bereits ein bis 2 Portionen Kirschen mit 10 bis 12 Früchten. Kirschsaft lies das Risiko um 35 % purzeln und Kirschextrakt gar um 45 %. Die zusätzliche Kombination mit dem Gichtmedikament Allopurinol erreicht den Spitzenwert von 75 %. Verantwortlich für diesen eindrücklichen Effekt sind vermutlich die Antioxidantien, hauptsächlich die rote Farbe der Kirschen. Diese Anthocyane wirken antientzündlich und hemmen vermutlich auch die Produktion von Harnsäure.

Lebensführung & richtiges Verhalten nach einem Gichtanfall

Was Sie selbst tun können

  • Ruhe: Das schmerzende Gelenk hält man automatisch ruhig, medizinisch ist das durchaus richtig. Danach muss man aber darauf achten, dass man wieder in die Gänge kommt, sonst folgen Haltungsschäden. Auch die Beweglichkeit leidet.
  • Auf die Ernährung achten: Purinarme Lebensmittel sind das A und O der vorbeugenden Gichttherapie. Auf Dauer schützt auch eine schlanke Linie vor den Schmerzattacken. Auch die Gelenke werden spürbar entlastet.
  • Kühlung: Manchmal ist der Druck der Bettdecke oder eines kühlen Lappens auf dem Gichtgelenk bereits schmerzhaft. Dann lässt man kaltes Wasser darüber laufen oder macht ein Tauchbad in einer Schüssel oder einem Eimer.
  • Generell warm: Außerhalb eines Gichtanfalls sollte man den Körper warm halten, denn je kälter es ist, desto mehr Harnsäurekristalle bilden sich. Gicht befällt daher Gelenke, die leicht auskühlen. Aus diesem Grund muss man bei hohen Harnsäurewerten vor allem im Winter Finger und Füße gut einpacken.
  • Viel trinken: Zum Ausspülen der Harnsäure über die Niere erhöht man den Flüssigkeitsdurchsatz. Da heißt es: mehr als 2 Liter trinken.
  • Vermeiden Sie Verausgabung: Stress und extreme körperliche Verausgabung sind Auslöser von Gichtanfällen. Achten Sie auf Schlaf und psychische Entspannung.

Nahrungsergänzung

Verschiedene Studien konnten zeigen, dass Vitamin C die Harnsäure im Blut sinken ließ. Man vermutet eine gesteigerte Ausscheidung der Harnsäure durch die Niere als Mechanismus. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e. V. empfiehlt eine Dosis von 500 mg/Tag für 1-2 Monate. Eine Wirkung auf Schmerz und Häufigkeit der Gichtanfälle ist unsicher. Wegen des Risikos von Nierensteinen durch Vitamin C nennen andere Quellen einen deutlich geringeren Vitamin C-Wert (von 100 mg/Tag).

Überraschend zeigte sich, dass verschiedene Milchbestandteile die Gichtrate sinken lassen. Man untersucht derzeit Supplemente mit fettarmen Milchpulvern, die mit bestimmten Milchbestandteilen angereichert sind (Glycomacropeptid (GMP) und G600 Milch-Fett-Extrakt).

Übrigens: Resveratrol aus roten Weintrauben dürfte ähnlich wie Kirschen wirken. Hier aber hat die Forschung das Stadium des Tierversuchs noch nicht verlassen.

Homöopathische Mittel

Die Liste der in der Homöopathie verwendeten Pflanzen ist lang, im Grunde aber fehlen Wirkungsnachweise. Bei entzündlichen Gelenkerkrankungen kommen homöopathisch verdünnte Lösungen verschiedener natürlicher Gifte zum Einsatz. Hier nur einige Beispiele für Gicht:

  • Bienengift (Apis mellifica): Starke, brennende Schmerzen und Berührungsempfindlichkeit, Gelenk geschwollen und blass rot entzündet, Kälte bessert Beschwerden.
  • Tollkirsche (Belladonna): Akute Gichtentzündung, plötzlich aufgetreten, mit klopfenden Schmerzen. Kälte verschlechtert Beschwerden.
  • Zaunrübe (Bryonia alba): heiße, geschwollene Gelenke, Schmerz bei kleinster Bewegung, Schwächegefühl und Gelenksteife. Ärgerliche Stimmung.
  • Sumpfporst (Ledum): Gichtschmerzen an kleinen Gelenken. Kälte bessert die Beschwerden trotz Frostigkeit. Bettwärme und Bewegung verschlechtern die Gelenkschmerzen.

Empfehlenswert sind auch Komplexmittel mit Birkenrinde in Kombination mit Alraunenwurzel und Mädesüß.

Das geeignete Mittel gegen Gicht muss ein erfahrener Homöopath anhand der Symptome auswählen.

Schüßler-Salze bei Gichtsymptomen

  • Nr. 9 Natrium phosphoricum D6
  • Nr. 11 Silicea D12 (Kieselsäure)

Die Wirkung von Homöopathie oder Schüßler-Salzen auf die Gichtsymptome sind nicht wissenschaftlich belegt.

Heilpflanzen und Vitalstoffe, die bei Gicht helfen können

Gicht: Krankheitsverlauf und Komplikationen

Falls eine genetische Neigung besteht, beginnen die ersten Anzeichen beim Mann zwischen der Pubertät und dem 30. Lebensjahr, bei der Frau in der Menopause. Die hohe Harnsäurekonzentration im Körper führt allmählich zur Bildung von Kristallen in den Gelenken. Die Ursache kann aber jahrzehntelang bestehen, ohne dass es zu einem Gichtanfall kommt. Ein aktueller Auslöser – wie Überanstrengung, ein Ernährungsfehler oder Alkoholexcess – bringt dann den Stein ins Rollen.

Man unterscheidet vier Stadien der Gicht:

  • Stadium I: Anfangs findet man erhöhte Harnsäurewerte ohne krankhafte Beschwerden (kann Jahrzehnte bestehen).
  • Stadium II: Irgendwann ereignet sich darauf ein akuter Gichtanfall. Er dauert unbehandelt wenige Tage bis drei Wochen.
  • interkritische Gicht: Ein symptomloses Intervall kann Jahre anhalten.
  • Stadium III: Bei einer chronischen Gicht sind sowohl die Gelenke als auch die Weichteile wie die Niere oder Haut zunehmend geschädigt. Oft kommt es auch zu Knötchen in der Haut. Sie treten am Ohrläppchen, an Händen, Ellenbogen, außerhalb der Kniegelenke und den Füßen auf. Beim wiederholten Auftreten ist der Gichtanfall hinsichtlich der Folgen schwerer, das heißt, mehrere Gelenke werden in Mitleidenschaft gezogen und die Anfälle dauern länger.

Komplikationen

Im Prinzip fördert zu viel Harnsäure entzündliche Vorgänge im Körper und schädigt die Gefäße. Gichtpatienten haben daher ein um 25 % höheres Risiko zu versterben.

Die Entzündung des Gelenks kann auf andere Strukturen, wie etwa die Sehnen und Schleimbeutel, übergreifen. In chronischen Fällen wird nach und nach der Knorpel sowie das Gelenk zerstört. Gichttophi brechen mitunter nach außen auf und es bilden sich Gichtgeschwüre.

Sogar innere Organe wie das Herz oder die Niere werden durch die Ablagerungen geschädigt: Typisch ist eine Gichtniere mit Harnsäuresteinen. Die chronische Nierenentzündung bedroht die Nierenfunktion. Nach und nach geht die Nierenfunktion verloren, auch das Risiko einer Nierenbeckenentzündung steigt. Arteriosklerose ist eine häufige Begleiterkrankung von Gicht. Sehr wahrscheinlich erhöht Harnsäure den Blutdruck und die Sterblichkeit an Herz-Kreislauferkrankungen. Gicht ist bei Männern häufig mit Potenzproblemen verbunden.