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Die Erkrankung verstehen: Kopfschmerzen

Wie mit einem Presslufthammer

Außenstehende können es oft schwer nachvollziehen, was ein Schmerzkranker auszuhalten hat. Nicht selten beschreiben die Betroffenen die Schmerzen „wie mit einem Presslufthammer“ oder „als ob der Kopf bersten würde“. Jeder Reiz wie Licht oder Lärm verschlimmert den Zustand. Da bleibt nicht nur die Arbeit liegen, dringende Termine fallen aus, Kinder oder Familie müssen warten. Kopfschmerzen gehören wie Ohren- und Zahnschmerzen, überhaupt allen Schmerzen im Kopfbereich, zu den besonders unangenehmen Schmerzformen.

Definition

Das steckt dahinter

Das Gehirn selber ist nicht schmerzempfindlich! Schmerzen gehen aber von den Blutgefäßen oder den Hirnhäuten aus. Den genauen Grund kennt man noch nicht. Man nimmt an, dass entzündliche Reaktionen in Hirnhaut und Gefäßen die Schmerzen auslösen. Im Gespräch sind außerdem eine gestörte Schmerzkontrolle, entgleiste Botenstoffe oder zu heftige Nervenaktivität. Zu weite Gefäße können gleichermaßen zum Problem beitragen wie verengte. All diesen Prozessen ist eines gemein: Die natürliche Regulation ist außer Betrieb. Ein kleiner Auslöser reicht aus, um die krankmachende Wirkung in Gang zu setzen.

Häufigkeit

Kopfschmerzen gehören neben Rückenschmerzen zu den häufigsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen: Etwa 4 bis 5 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden täglich unter Kopfschmerzen, rund 70 Prozent der Bevölkerung kennen Kopfschmerzen als sporadische Erscheinung.

Kopfschmerzformen

Über 90 % der Kopfschmerzerkrankungen entfallen auf die Kopfschmerzformen Migräne und Spannungskopfschmerzen. Seltener ist der Clusterkopfschmerz (Horton-Syndrom) und der medikamentenassoziierte Kopfschmerz (meist durch zu häufiges Einnehmen von Schmerzmitteln). Alle anderen – teils sehr gefährlichen Ursachen – sind zum Glück sehr selten.

Ursachen

Übrigens empfiehlt sich Vorsicht, wenn sich bei chronischen Beschwerden der Schmerzcharakter ändert. Auch bei Kindern sollte man die Situation eher ärztlich abklären lassen. Eine Schwangerschaft ist ein Sonderfall und eine ärztliche Beratung vor jeder Eigenbehandlung mit Medikamenten Pflicht.

Glück gehabt, keine Ursache gefunden?

Primäre Kopfschmerzen haben meist keine eindeutige Ursache. Für den schmerzgeplagten Patienten ist das unbefriedigend, weil das bedeutet, dass es keinen Grund für die für ihn sehr realen Schmerzen gibt. Die gute Seite daran ist, dass eine fatale Ursache mit schweren Komplikationen ausgeschlossen wurde.

Menschen, die eine Neigung zu Kopfschmerzen haben, berichten über zahlreiche Auslöser im Alltag. Einzelne Faktoren allein lösen zwar nicht immer das Symptom aus, begünstigen den Ausbruch aber, vor allem, wenn sich verschiedene Faktoren häufen oder wenn man angeschlagen ist.

Häufige Auslöser:

  • Nikotin- u. Alkoholmissbrauch (sicher)
  • ausgelassene Mahlzeiten, Fasten (niedriger Blutzucker)
  • Schlafentzug und Schichtarbeit
  • zu lange geschlafen oder gelegen
  • Stress, Depression, Angst, Schock und andere psychische Belastungen (sicher)
  • plötzliche Lebensänderungen, Reisen, Umzüge…
  • Verspannung der Nackenmuskulatur
  • hormonelle Änderungen, Menstruation, prämenstruelles Syndrom (sicher)
  • Verhütungsmittel mit Hormonen bei Frauen: „Pille“, (sicher)
  • Umwelteinflüsse wie Lärm, Lösungsmitteldämpfe und Rauch (möglich)
  • Klimaeinflüsse wie Wetterwechsel, Föhn (möglich), Kälte (sicher), Hitze, Sauna (möglich)
  • gewisse Nahrungs- und Genussmittel (z.B. Rotwein, Käse, histamin- und serotonin-haltige Nahrungsmittel, künstliche Süßstoffe)
  • Nebenwirkungen von Arzneimittel, z.B. organische Nitrate (bei entsprechender Veranlagung möglich)
  • stundenlange, monotone Tätigkeiten (wie Bildschirmarbeit, Videospiele oder angestrengtes Lernen) in schlecht gelüfteten Räumen
  • zu häufiger Gebrauch von Kopfschmerzmittel (sicher)
  • grelles flackerndes Licht
  • tragen schwerer Lasten, große Anstrengung, starker Husten, Orgasmus
  • Kaugummikauen und Süßstoffe (sehr wahrscheinlich)
  • Drogenentzug, auch Koffeinentzug (sicher)
  • Hitzschlag (Überhitzung bei Flüssigkeitsmangel, sicher)

Handfeste Krankheiten – sekundäre Kopfschmerzen

Von harmlosen „primären“ Kopfschmerzen unterscheidet man die Kategorie der Kopfschmerzpatienten, deren Schmerzsymptome durch eine Grunderkrankung ausgelöst werden. Sekundäre Kopfschmerzen sind wesentlich seltener, aber gefährlicher. Man beobachtet sie gut und behandelt und beseitigt die Ursachen:

  • Diabetes mit Unterzuckerung
  • Bluthochdruckniedriger Blutdruck
  • Erkrankungen im Mund-Kieferbereich (Zahnschmerz, Probleme der Kiefergelenke), auch eine Fehlstellung der Zähne oder Zähneknirschen
  • Unfall: Schädel-Hirntrauma, Gehirnblutungen
  • Bandscheibenvorfall in Halsbereich, Schäden an der Wirbelsäule
  • Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen, Nebenhöhlenentzündung, Mittelohrentzündung
  • epileptischer Krampfanfall
  • geplatztes Gefäß, Hirnblutung, schwache Gefäßwand (Aneurysma)
  • Augenerkrankungen wie dem Grünen Star (Glaukomanfall), Infektionskrankheiten (z.B. Enzephalitis, Meningitis, Hirnabszess)
  • Sauerstoffmangel bei Lungenkrankheiten oder bei Schlafapnoe
  • Schlaganfall, oder Thrombose in den großen Gehirngefäßen (Sinusvenenthrombose)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hypothyreose)
  • Entzündung der Schlagadern im Kopfbereich (Riesenzellarteriitis) Schmerzstörung am Gesichtsnerv (Trigeminusneuralgie)

Prävention

Die Kopfschmerzstrategie

Mit strategischen Maßnahmen und etwas Disziplin lässt sich gut vorbeugen:

  1. Auslöser vermeiden: Mit der Zeit lernen viele Menschen, was bei ihnen individuell mit dem Kopfschmerz verbunden ist. Ein Ursachen.
  2. Schmerzbereitschaft hemmen: Chronische Migräne ist nicht heilbar, man kann aber mit Heilpflanzen, Ernährung und Naturheilkunde, teilweise erst mit einer Änderung der Lebensführung die Häufigkeit und Schwere der Attacken beeinflussen.
  3. Schnell reagieren: Wenn Sie erste Vorboten wahrnehmen, sollten Sie schon reagieren, das kann die Schmerzintensität kappen.
  4. Strenge Kontrolle: Schmerzmittel (Triptane und Schmerzmittel) lösen nach einer Weile selbst Schmerz aus. Sie sollten nur an 2 Tagen in der Woche eingenommen werden, insgesamt nicht mehr als an 10 Tagen im Monat.
  5. Ausfall planen: Für alle Beteiligten läuft ein Anfall stressfreier ab, wenn geplant ist, wer anfallende Aufgaben übernehmen kann.
  6. Feste Regeln (Ordnungstherapie): Kopfschmerzpatienten profitieren von einem geregelten Tagesablauf mit festen Mahlzeiten und Entspannungsmöglichkeiten.

Wenn es trotz Vorbeugung zu einem akuten Anfall kommen sollte, ist es durchaus angemessen, zu Schmerzmitteln zu greifen! In der Regel lässt sich durch konsequente Vorbeugung die Anfallshäufigkeit vermindern.

Ordnung kann heilen

Sie müssen aktiv dafür sorgen, dass Sie sich regelmäßig richtig verhalten. Das kann auch bedeuten, dass sie Ihren Alltag neu planen müssen.

Das sind die Eckpunkte:

  • Sport und Bewegung: Von leichtem Ausdauersport profitieren Psyche und Stoffwechsel (Gehen oder Wandern, Radfahren, Schwimmen jeweils mindestens dreimal pro Woche über 30 Minuten).
  • Entspannungstechniken regelmäßig praktizieren: Klingt trocken, fühlt sich aber gut an.
  • Ausreichend Schlafen: Damit starten sie gut gelaunt in jeden Tag.
  • Viel Trinken: So werden Gifte ausgeschieden.

Mit Medikamenten vorbeugen

Neben den natürlichen Verfahren gibt es Medikamente (Schulmedizin), die über längere Zeit vorbeugend verschrieben werden (wie Antiepileptika oder Beta-Blocker). Auch pflanzliche Mittel wie WeidenrindenextraktTeufelskralleGinkgo und Pestwurz entfalten sich besser, wenn sie über längere Phasen eingenommen werden. Das ermöglicht später auch die Reduktion von pharmakologischen Wirkstoffen.

Bei medikamenten-induziertem Kopfschmerz sprechen Sie mit Ihrem Arzt über einen kontrollierten Entzug. Er bespricht mit Ihnen, ob ein ambulantes oder stationäres Angebot in Frage kommt.

Speziell bei Kindern – Verhalten schulen

Eine Kopfschmerzschulung und eine psychotherapeutischen Unterstützung machen bei Kleinen großen Sinn. Die Studienlage beweist, dass gerade für die Kleinen Schmerzpatienten nicht-medikamentöse Maßnahmen nachhaltiger als die medikamentösen Verfahren sind!

Verlauf und Komplikationen

Kopfschmerzen beginnen vor dem Anfall mit einer Vorbotenphase (Stunden bis Tage) und enden mit der Abklingphase.

Vorbotenphase – Achtung handeln

Von besonderer Bedeutung für die Behandlung ist die Vorbotenphase, da man hier noch effektiv eingreifen kann. Beispiele für Vorboten sind etwa Müdigkeit oder Nackenschmerzen oder Heißhungeranfälle. Bei Migräne kündigen mitunter Sehstörungen oder Taubheitsgefühle den Anfall an.

Anfall – Rückzug angesagt

In der Anfallsphase leiden manche Patienten neben den Schmerzen an einer Begleitsymptomatik. Typisch sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit.

Abklingphase – Erholung tut gut

In der Rückbildungsphase klingen die Symptome langsam ab. Neben der Erleichterung bleiben dennoch manchmal Anspannung und große Müdigkeit zurück.

Komplikationen

In den meisten Fällen sind Kopfschmerzen harmlos, da sie folgenlos abklingen. Schlimm für den Betroffenen wird es, wenn er zu oft heimgesucht wird.

Kopfschmerz ist häufig eine chronische Erkrankung

Schmerzen haben Auswirkungen auf die sozialen Bindungen und die Einsatzfähigkeit am Arbeitsplatz. Kein Wunder, dass Kopfschmerzen mit einer erhöhten Rate an psychischen Erkrankungen verbunden sind.

Komplikationen sehr fallspezifisch

Bei allen Kopfschmerzformen mit einer konkreten organischen Ursache drohen Komplikationen der Grunderkrankung, die zwar sehr selten sind, aber mitunter das Leben bedrohen.

Formen

Die Einteilung der Kopfschmerzen erfolgt nach den Ursachen.

  • In der Regel findet man keine organische Ursache für die Schmerzen (primäre Kopfschmerzen). Dann ist die Erscheinung lästig, aber harmlos.
  • Schlimmer sind die „sekundären Kopfschmerzen“. In diesem Fall liegt eine konkrete organische Erkrankung hinter dem Symptom zugrunde. In diesem Fall muss der Arzt aktiv werden, unerkannt nehmen sie sonst mitunter einen fatalen Ausgang.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen

Literatur

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