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Acker-Schachtelhalm

Nahansicht von sterilen Sprossen des Acker-Schachtelhalms.

Schachtelhalm zur Durchspültherapie

Der Schachtelhalm ist harntreibend, das bedeutet, er fördert die Harnbildung. Daher wird er bei Entzündungen der ableitenden Harnwege und Nierengrieß genutzt.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Acker-Schachtelhalm kompakt: Die wichtigsten Fakten

Anwendung: Wie gut hilft Acker-Schachtelhalm?

Der Acker-Schachtelhalm wird hauptsächlich traditionell angewendet. Klinische Studien gibt es bislang keine und daher auch kaum gesicherte Beobachtungen von Nebenwirkungen. Auf Grund der Inhaltsstoffe (Flavonoide, Kieselsäure und Kaliumsalze) ist die harntreibende Aktivität plausibel. Weitere Einsatzgebiete des Schachtelhalms sind schlecht heilende Wunden. So soll er durch den Reichtum an Mineralien den Aufbau des Bindegewebes unterstützen. Mineralien fördern ebenso das Haar- und Nagelwachstum.

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit
  • bakterielle und entzündliche Erkrankungen der ableitenden Harnwege (Blasenentzündung): Durchspültherapie
  • Nierengrieß (innere Anwendung)
  • posttraumatisches und statisches Ödem, Phlebödem (innere Anwendung)
Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
  • schlecht heilende Wunden (äußere Wundbehandlung)
Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial

Aussehen und Verbreitung

Der Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) gehört zu der Pflanzenfamilie der Equisetaceae. Schachtelhalmgewächse haben im System der Pflanzen ein ganz besondere Bedeutung: Es waren die ersten Landpflanzen, die während der Evolution entstanden sind. Sie sind bereits im Karbon, also vor rund 350 Mio. Jahren, nachweisbar. 

Dementsprechend einfach ist auch die Ausstattung. Der Acker-Schachtelhalm hat wie seine Vorfahren weder Blüten noch Samen. Die Vermehrung findet über Sporen statt. Daraus bilden sich kleine, unförmige Pflänzchen. Sie erzeugen schwimmende männliche und weibliche Zellen. Nach deren Verschmelzung im Wassertropfen kann wieder eine sporenbildende Pflanze entstehen. Die Fortpflanzung des Acker-Schachtelhalms ist also bis heute vom Wasser abhängig.

Geschachtelte Elemente

Der Acker-Schachtelhalm bildet im zeitigen Frühjahr unverzweigte hellbraune bis rötliche Sprosse, mit einem endständigen, braunen Sporenbehälter (Sporangium). Die Sprosse im Sommer sind steril. Der Acker-Schachtelhalm wird etwa 50 cm hoch und ist in Stockwerke gegliedert. Jede Stufe besteht aus einem Quirl von Seitenästen. 

Der dazugehörige Stängel steckt in einer Blattscheide. Deswegen auch der Name „Schachtel“- Halm: Jedes Stockwerk und jeder Astabschnitt trägt den jeweils nächsten in einer Blattscheide. Da die Äste mit jedem höheren Stockwerk kürzer werden, sieht der Ackerschachtelhalm im Umriss dreieckig wie ein kleiner Tannenbaum aus.

Neben dem Acker-Schachtelhalm verwendet man auch den Winter-Schachtelhalm (E. hyemale L.) und den Teich-Schachtelhalm (E. fluviatile L.). Aber Achtung: Der Sumpf-Schachtelhalm (E. palustre L.) ist für Pferde und Kühe giftig, wenn sie über längere Zeiträume davon fressen.

Treuer Geselle

Acker-Schachtelhalm hat sehr tiefgehende Wurzeln und Ausläufer, die bis zu 6m lang werden können. Hat er erst einmal Fuß gefasst, wird man ihn nicht mehr los. Das hat den Vorteil, dass man ihn jedes Jahr vom selben Standort sammeln kann. Der Acker-Schachtelhalm gehört, insbesondere auf lehmhaltigen Sandböden, zur klassischen „Ruderalflora“ (Wegränder und Schuttplätze).

Vorsicht Verwechslungsgefahr!

Nur wer den Acker-Schachtelhalm genau kennt, sollte die Pflanze selbst sammeln. So besteht an feuchten Standorten Verwechslungsgefahr mit dem Sumpf-Schachtelhalm. Dieser enthält ein schädliches Enzym, die Thiaminase. Es baut Thiamin (= Vitamin B1) ab. Wenn Weidetiere die Pflanze über längere Zeit fressen, leiden sie unter Vitamin-B1-Mangel und können daran versterben. Auch für den Menschen ist Vitamin-B1-Mangel unter Umständen lebensbedrohlich.

Sanftes Scheuermittel

Und noch eine Besonderheit hat der Acker-Schachtelhalm: Er nutzt als Festigungselement nicht verholzende Strukturen sondern Kieselsäure. Früher hatte man eine ganz praktische Anwendung für den Kieselsäure-reichen Schachtelhalm: man putzte Zinngeschirr mit ihm, woran heut noch sein Zweitname „Zinnkraut“ erinnert.

Kalte Heimat

Acker-Schachtelhalm findet man auf der gesamten nördlichen Hemisphäre (Nordamerika, Europa und Asien). Man sammelt die sterilen Sprosse (Equiseti herba). In der Regel kommt der Acker-Schachtelhalm für pharmakologische Zwecke aus Osteuropa.

Gewinnung

Die sterilen Sommertriebe werden gesammelt und im Schatten getrocknet.

Heilwirkung von Acker-Schachtelhalm

Der Schachtelhalm fördert nachweislich die Harnbildung [1]. Er kann daher immer dann eingesetzt werden, wenn die Wasserausscheidung gefördert werden soll.

Ödeme

In bestimmten Situationen bildet der Körper unerwünschte Wasseransammlungen (Ödeme), zum Beispiel nach Verletzungen, Störungen der Durchblutung oder in Verbindung mit dem prämenstruellen Syndrom. Der Schachtelhalm sorgt für eine verbesserte Entwässerung. Das Wasser wird dann als Harn ausgeschieden.

Durchspültherapie bei Nieren-/Blasenentzündung und Gicht

Bei Infektionen der ableitenden Harnwege muss die Trinkmenge erhöht werden (mindestens 2 Liter pro Tag), um das Ausspülen von Erregern und Reizstoffen zu fördern („Durchspültherapie“). Die natürliche Wasserausscheidung lässt sich bei dieser Therapie mit harntreibenden Mitteln (sog. Aquaretika) unterstützen.

Übrigens empfiehlt die Tradition die Heilpflanze auch bei Gicht und zur Förderung der allgemeinen Entgiftung. So wird Schachtelhalm in Rheumatees und Präparaten zur Blutreinigung verarbeitet. Während die Entwässerung nachgewiesen werden kann, fehlen Daten zu weiteren Zusatzeffekten. In Laborversuchen zumindest hat Schachtelhalm eine antioxidative [2] und antientzündliche [3] Wirkung.

Nierengrieß

Einige Menschen haben die Veranlagung zur Bildung von Nieren-/Blasensteinen. Im Urin gehen dann häufig kleine Steine als Nierengries ab.

Menschen, die dazu veranlagt sind, werden dazu angehalten viel zu trinken (mindestens 2 Liter pro Tag). Damit werden die Steine ausgeschwemmt so lange sie noch klein sind und außerdem die Steinbildung verlangsamt. Damit die Trinkmenge schnell ausgeschieden wird, können Aquaretika unterstützend zum Einsatz kommen.

Acker-Schachtelhalm zur Wundbehandlung

Wundbehandlung äußerlich

Äußerlich verwendet man Schachtelhalm traditionell bei schlecht heilenden Wunden der Haut und anderen Hautleiden. Immerhin gibt es in neuerer Zeit Laborversuche zu dem Thema. Man fand in der Pflanze eine antibakterielle, antimykotische Aktivität sowie eine antientzündliche Eigenschaft [3-8]. Zusätzlich hat die Heilpflanze antioxidative Wirkungen, die ebenfalls auf das oxidativ-schädigende Wundklima günstig wirken könnten [2]. Wie gut das bei der Wundbehandlung in der Praxis hilft, muss noch untersucht werden.

Die Kommission E hat diese Indikation offiziell anerkannt, obwohl es keine klinischen Studien zum Nachweis gibt.

Achtung: Bei größeren offenen Wunden ist die Gefahr einer Wundinfektion zu beachten, selbst wenn der Sud abgekocht wird. Es gibt Bedenken, dass Schachtelhalmextrakt auch auf die Gewebezellen schädigend wirken könnte [7], vor allem in höherer Konzentration [9].

Wundbehandlung innerlich

Wegen des Reichtums an Mineralien – insbesondere Kieselsäure – setzt die Tradition Schachtelhalmtee zusätzlich innerlich zur Stärkung des Bindegewebes, der Knorpel, Fingernägel und Haare ein. Auch für die Gewebsheilung (insbesondere der Knochen und Haut) könnten Mineralien (wie Silizium) nützlich sein, glaubt man. So kam der Schachtelhalm sogar bei Knochenbrüchen zum Einsatz.

Immerhin lassen sich in Zellkulturen die knochenaufbauenden Zellen („Osteoblasten“) stimulieren [9]. Gleichzeitig wird die Bildung der knochenabbauenden Zellen vermindert [10]. In der klinischen Praxis ist diese Wirksamkeit nicht getestet.

Blutstillend

Die Tradition schreibt dem Schachtelhalm auch eine blutstillende Eigenschaft zu. Man setzte ihn bei diversen Blutungen ein (Nasen-, Lungen- und Magenblutung, Monatsblutung). Die Wirkung ist hier allerdings nicht wissenschaftlich belegt.

Biologische Landwirtschaft

Extrakte und Aufgüsse finden als Schutz- und Vorbeugemittel gegen Pilzerkrankungen (Mehltau) und Algenwachstum Anwendung.

Dazu weicht man die frischen Pflanzen in Wasser über Nacht ein und kocht sie anschließend für zwei Stunden. Mit dem Sud werden dann die Pflanzen besprüht. Erste Versuche bestätigen antimykotische Effekte [4], die auch bei der Verminderung von Pilzgiften (Mycotoxinen) in Nahrungsmitteln hilfreich sein könnten [4, 11].

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Wenn bei Herz- und Nierenschwäche Diuretika eingenommen werden, sollte nicht zusätzlich Acker-Schachtelhalm eingesetzt werden.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

In der Regel wird Acker-Schachtelhalm als getrocknetes Kraut in Kombinationen mit anderen Heilpflanzen angeboten. Es sind auch Flüssigextrakte erhältlich oder Kapseln mit pulverisiertem Kraut oder Trockenextrakten.

Aufbewahrung:

Dunkel und in einem fest schließenden Behältnis aufbewahren.

Innerliche Anwendung:

Tee zur Entwässerung und Entgiftung: Tagesdosis etwa 6 g, pro Portion 2-4 g Droge als Tee: das Ackerschachtelhalmkraut in etwa 150 ml siedendem Wasser für 5 bis 10 min kochen, dann ziehen lassen und nach etwa 15 min abseihen. Wenn nicht anders verordnet, mehrmals täglich eine Tasse frisch bereiteten Tee zwischen den Mahlzeiten trinken.

Flüssigextrakt (1:1 in 25%igem Alkohol): 3-mal täglich 1 bis 4 ml Extrakt

Trockenextrakte werden zu Nahrungsergänzungsmitteln speziell für Sportler oder die Indikation „Haut und Haare“ verarbeitet. Die Dosierung richtet sich nach dem jeweiligen Produkt.

Presssaft (1:1,6-2): Im Rahmen einer Durchspültherapie nimmt man 3-mal täglich 20 ml Press-Saft mit reichlich Flüssigkeit ein.

Äußerliche Anwendung:

Umschläge bei Hauterkrankungen: 10 g getrocknetes Kraut in einem Liter Wasser 30 Minuten kochen.

Achtung: Größere Wunden sollte man wegen der Infektionsgefahr nicht mit einem selbst hergestellten Sud behandeln. In diesem Fall empfehlen sich sterile Fertigprodukte. Aber auch fetthaltige Salben dürfen nicht auf offene Wunden, sondern nur auf die Wundränder aufgetragen werden.

In Frage kommt der Sud (für Umschläge und Waschungen) nur bei oberflächlichen und leichteren Abschürfungen, Juckreiz und sonstigen Hautreizungen. Die angegebenen Konzentrationen dürfen nicht überschritten werden, da höhere Mengen Schachtelhalmextrakt das Gewebe schädigen könnten.

Schachtelhalm-Bad: 2 g pro Liter Wasser, Kraut mit heißem Wasser circa eine Stunde kochen und dem Bad zusetzen. Verfügbar sind auch fertige Badezusätze mit dem Schachtelhalmextrakt.

Wirkstoffe

  • Silikate: 5–8% Kieselsäure
  • Salze: 1,5% Kalium- und Aluminiumsalze, Mangan
  • Flavonoide: Quercetin und Kämpferol (als Glykoside und Ester)
  • Säuren: Equisetolsäure; Phenolische Säuren: Zimtsäure, Kaffeesäure, Caffeoylshikimisäure und Dicaffeoyl-meso-Weinsäure
  • Alkaloide: Nicotin, 3-Methoxypyridin: Spuren
  • Ätherische Öle: Hexahydrofarnesyl-Aceton, cis-Geranyl-Sceton, Thymol und Trans-phytol

Der Schachtelhalm enthält sehr viele Mineralien, etwa 10% der Trockenmasse sind Mineralien (75% davon Silizium).

Quellen/Weitere Informationen

Quellen: