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Baldrian

Die blassrosa Blüten des Baldrians begleiten Bachläufe.
© C. Heyer/PhytoDoc

Baldrian: Das natürliche Schlafmittel

Der Vorteil gegenüber synthetischen Präparaten liegt darin, dass Baldrian weder abhängig macht noch zu Tagesmüdigkeit führt.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Von: PhytoDoc Redaktionsteam

Dieser Artikel ist eine Gemeinschaftsarbeit des dreiköpfigen Redaktionsteams. Er wurde sorgfältig auf Basis der aktuellen, phytotherapeutischen Fachliteratur erstellt. Dabei obliegt die fachliche Endprüfung dem Heilpflanzen-Experten Prof. Dr. Michael Wink.

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Baldrian: Das Wichtigste im Überblick

Klassische Heilpflanze bei Einschlafstörungen und Nervosität

Baldrian (Valeriana officinalis) war schon in der Antike als Heilpflanze bekannt und erfreut sich auch im 21. Jahrhundert einer stetigen Nachfrage. Der zwischen 50 und 180 cm hohe Baldrian kommt in Europa und in gemäßigten Zonen Asiens vor. Mit seinen blasslila Blüten macht er an Bachläufen im Juli auf sich aufmerksam. Für den medizinischen Gebrauch werden die Wurzeln des Heilkrauts verarbeitet („Valerianae radix“).

In erster Linie ist Baldrian für seine beruhigende und krampflösende Wirkung bekannt. Häufig wird er bei Stress, Schlafstörungen, Prüfungsangst oder Nervosität eingesetzt. 

Baldrianpräparate gibt es in Form von Dragees, Tropfen, Tinkturen, Tees und Badezusätzen. Baldrian gilt als sehr verträglich und macht nicht benommen. Folgende Nebenwirkungen sind daher sehr selten.

Anwendung: Wie gut hilft Baldrian?

Baldrian-Präparate sind klassische, natürliche Schlafmittel. Ihr Wirkschwerpunkt liegt auf Einschlafstörungen, weniger auf Durchschlafstörungen. Die Wirkung von Baldrianpräparaten bei Einschlafstörungen ist durch zahlreiche Versuche und klinische Studien verbürgt.

Die Baldrianextrakte können daneben bei inneren Unruhezuständen, Angst oder Wechseljahresbeschwerden eingesetzt werden. Baldrian unterstützt auch die Entspannung der Muskulatur. Er hilft daher sehr wahrscheinlich auch bei Magen-Darmkrämpfen, Menstruationsbeschwerden und Reizblase.

Der Vorteil gegenüber synthetischen Schlafmitteln liegt darin, dass Baldrian weder abhängig macht noch zu Tagesmüdigkeit führt. Außerdem bleibt die natürliche Abfolge der Schlafphasen erhalten und man spürt keine Benommenheit beim Aufwachen. Allerdings wirkt er nicht sofort, sondern muss länger (2 Wochen) in ausreichender Dosierung eingenommen werden.

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit
Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial
  • Bettnässen, symptomlindernd
  • Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis), Magenkrämpfe
  • Koliken, Gebärmutterkrämpfe
  • Muskel-, Kopf- und Nervenschmerzen, z.B. bei RheumaArthritis und Neuralgien
  • Raucherentwöhnung

Baldrian: Aussehen und Herkunft

Baldrian (Valeriana officinalis L.) stammt aus Europa und den gemäßigten Zonen Asiens. Die Pflanze bevorzugt feuchte Standorte wie Flussufer und Wassergräben.

Baldrian wird 0,4 - 2,3 m hoch und hat einen aufrechten, gefurchten Stängel. Die Blätter wirken mit ihrer unpaarigen Fiederung sehr grazil. Ende Mai bis Anfang Juni leuchten die rosa-, lilafarbenen bis weißen Blüten-Trugdolden aus dem dichten grünen Uferbewuchs. Die Krone der Einzelblüten besteht aus vorwiegend 5 miteinander verwachsenen Kronblättern. Aus den 5 Zipfeln des Blütenkelchs bildet sich beim Reifen des Samens ein Haarkranz.

Illustration des Baldrians
© Biolib - Kräuterbuch (1914)

Unter Baldrian fasst man mehrere Ökotypen, geografische Rassen und Varianten zusammen, die sich in der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe unterscheiden. Die eiförmig bis zylindrischen Verdickungen der Wurzel (5 cm lang und 2 bis 3 cm dick) werden zur pharmakologischen Verarbeitung in der Zeit von Mai bis September geerntet. Aus dem Wurzelstock bereitet man den Extrakt.

Das Hexenkraut

Erste Zeugnisse der Verwendung von Baldrian gehen auf das 1. Jh. n. Chr. zurück. Seit dem Altertum wurde Baldrian gegen Schmerzen in der Brust, für die Sehschärfe, zur Verdauung, als menstruationsförderndes und harntreibendes Mittel eingesetzt. Der Name Hexenkraut rührt aus der Verwendung im Mittelalter als Zauberpflanze gegen böse Magie und den Teufel. Die Wirkung von Baldrian gegen Unruhezustände und Schlafstörungen ist seit dem 15. Jahrhundert belegt.

Gewinnung

Die Wurzel von Valeriana officinalis wird gewaschen, grob zerkleinert und entweder zu Presssaft verarbeitet oder unterhalb von 40°C unter Luftumwälzung getrocknet. Anschließend wird das getrocknete Material zu Pulver verarbeitet. Man presst es zu Tabletten oder extrahiert es. Dazu wird das Pulver mit einem Lösungsmittel (Alkohol oder Wasser) versetzt und gefiltert. Nach der Verdampfung des Lösungsmittels wird der Rückstand mit technischen Hilfsstoffen zu Tabletten verarbeitet.

Heilwirkung von Baldrian

Alle Pflanzen enthalten im Gegensatz zu synthetischen Schlafmitteln einen Mix an Inhalts- und Wirkstoffen. In Baldrian-Präparaten lassen sich etwa 150 verschiedene Bestandteile isolieren. Trotz intensiver Bemühungen, die Wirksamkeit auf Einzelsubstanzen zu reduzieren, zeigte sich, dass Baldrian vor allem als Gesamtextrakt wirkt.

Schlaffördernde Wirkung

Nach 14-tägiger Einnahme von 400 - 600 mg/Tag Baldrian-Extrakt wurde die Tiefschlafphase signifikant verlängert. Nach subjektiver Beurteilung nahm die Schlafqualität zu. Dabei waren die Effekte bei Personen mit schlechtem Schlaf größer als bei Personen, die sich selbst als “gute Schläfer„ charakterisierten. Die Einnahme von Baldrian hatte keinen Einfluss auf die Müdigkeit nach dem Aufstehen und die Fähigkeit, sich an Träume zu erinnern.

Baldrian ist ebenbürtig zu Schlafmitteln

Eine Studie verglich Baldrian (600 mg/Tag) mit dem chemischen Schlafmittel Oxazepam an 202 Patienten mit nicht organisch bedingter Schlaflosigkeit. Dabei wirkte Baldrian ebenso gut wie das synthetische Schlafmittel (Oxazepam; 10 mg/Tag).

Zentral dämpfende Wirkung

Im Tierversuch hemmten bestimmte Bestandteile des Extraktes (Valepotriate) und deren Abbauprodukte (50 mg/kg) sowie der Baldrian-Extrakt (50 mg/kg) den Zuckerumsatz in nahezu allen Bereichen des Gehirns. Dies ist ein Hinweis für eine dämpfende Wirkung von Baldrian.

Wirkung auf Schlaf-Rezeptoren

Aus Baldrian-Extrakten wurde eine Substanz isoliert (Deoxysaccharosyl-Olivil), die im Gehirn an einen „Schlaf-Rezeptor“ bindet (Adenosin-1-Rezeptor). Wie der natürliche Botenstoff (Adenosin) führt Baldrian zu Ermüdung.

Baldrian hebt Coffeinwirkung auf

An den genannten Rezeptor bindet auch das Koffein, jedoch mit einer gegensätzlichen Wirkung: Man wird wach. Das Olivil aus der Baldrianwurzel bindet aber fester an den Rezeptor, so dass das Koffein verdrängt wird. Somit ist auch dessen Wirkung aufgehoben und die Müdigkeit setzt ein.

Krampflösende und Muskel-entspannende Wirkung

Baldrian (insbesondere die Verbindungen der Valerensäure) wirkt im Tierversuch auf die so genannte glatte Muskulatur, die nicht der bewussten Steuerung unterliegt. Man findet sie z.B. im Magen-Darmtrakt und der Gebärmutter. Baldrian entspannt und vermindert Koliken der Eingeweide. Er wird auch gegen Reizmagen sowie Reizblase eingenommen.

Auch die steuerbare (sog. quergestreifte) Muskulatur kann auf eine Behandlung mit Baldrian-Extrakt ansprechen. An Mäusen wurde mit 100 mg/kg Baldrian-Extrakt ein Krampf in den Beinen vollständig unterdrückt.

Um die Jahrhundertwende setzte man Baldrian mitunter auch zur Behandlung von epileptischen Krampfanfällen und Hysterie ein.

Angstlösende Wirkung

Zu den angstlösenden Eigenschaften gibt es weit weniger Untersuchungen, als zu der schlaffördernden Wirkung, aber es gibt eindeutige Hinweise auf diese Aktivität.

GABA (γ-Aminobuttersäure) gilt als bedeutender Botenstoff, der eine Schlüsselrolle bei Stress und Angstreaktionen einnimmt, aber auch krampflösend wirken kann. Baldrian-Extrakte (vor allem die Valerensäuren) verursachen über verschiedene Mechanismen eine Anreicherung von GABA. Außerdem binden Bestandteile des wässrigen Baldrian-Extrakts am GABA-Rezeptor an dieselbe Stelle wie bestimmte Beruhigungsmittel (Barbiturate und Benzodiazepine). Baldrian wirkt wie diese synthetischen Beruhigungsmittel entspannend, allerdings weniger intensiv. Bei Entzugserscheinungen nach einer Behandlung mit Benzodiazepinen konnten Baldrian-Extrakte das subjektive Empfinden und die Schlafqualität verbessern (100 mg, 3 x täglich). Die Symptome können jedoch nicht ganz aufgehoben werden.

Gesunde Testpersonen wurden einer künstlich erzeugten Stress-Situation ausgesetzt. Die Einnahme von Baldrian-Extrakt (50 mg 3 x täglich für 4 Wochen, bzw. 600 mg 1 x täglich für 7 Tage) wirkte sich positiv auf die Angstgefühle und das subjektive Empfinden aus. In einer Studie sanken außerdem Blutdruck und Herzfrequenz der Testpersonen.

Die angstlösende Wirkung von Baldrian reicht bei weitem nicht an die von Kava-Kava-Wurzelstock heran. Leider wurde diese Heilpflanze vom Markt genommen. Darum ist Baldrian die beste verfügbare Alternative gegen nervöse Unruhe und nervöse Angstzustände.

Antiulzerogene (= gegen Geschwüre gerichtet) Eigenschaften:

Versuchstiere mit chemisch vorgeschädigtem Magen reagieren bei Stress mit der Bildung von Magengeschwüren. In einer Dosis von 100 mg/kg führte Valeranon (ein Bestandteil des Baldrian-Extraktes) zu 51 % weniger Ulkus-Symptomen, bei einer Dosierung 320 mg/kg wurden Hemmeffekte bis etwa 80 % erreicht.

Zu beachten ist, dass die Ursache der meisten Magengeschwüre beim Menschen eine Infektion mit dem BakteriumHelicobacter pylori“ ist. Stress verstärkt die Symptome von Magenerkrankungen. Wenn Helicobacter pylori nachgewiesen wurde, sollte man mit einem Antibiotikum und säuredämpfenden Mitteln (so genannten Protonenpumpenhemmern) behandeln.

Die Wirkung von Baldrian bei nervösen Magenbeschwerden am Menschen ist bisher nicht durch klinische Studien belegt.

Multikomponenten Wirkung auf die Schlafbereitschaft

Schlaf ist eine komplexe, durch Nerven gesteuerte Reaktion. Mehrere Aspekte des Schlafverhaltens werden durch Baldrian-Extrakte beeinflusst:

Wirkung auf die Bewegungsneigung

Im Schlaf wird die Aktivität von motorischen Nervenzellen gehemmt. Das führt dazu, dass sich der Mensch während des Schlafes nur sehr wenig bewegt.

In vielen Versuchen konnte man zeigen, dass Baldrian-Extrakte (250 mg/kg) oder einzelne Inhaltsstoffe (Valeranon und Valtrat, 16 mg/kg) die spontane Bewegung von Mäusen reduzierte. Baldrian verringert so die körperliche Aktivität und stimmt auf das Schlafen ein.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Baldrian hat sich als sehr verträglich erwiesen. Nebenwirkungen sind sehr selten. Gelegentlich wurden Kopfschmerzen, Magenunverträglichkeit, Magendruck, Verstimmung im Magen-Darm-Trakt und Juckreiz mit Ausschlag beobachtet.

Am häufigsten wird hier der starke und häufig als unangenehm empfundene Geruch bemängelt. Man schmeckt ihn, wenn die Kapsel auf der Zunge liegt oder wenn man nach dem Schlucken aufstoßen muss.

Problematische Inhaltsstoffe: Sicherheit gewährleistet

Valepotriate und dessen Abbauprodukte sind sehr reaktiv und daher instabil. Sie wirken im Reagenzglas giftig und gelten als krebsauslösend. Allerdings zersetzten sich diese Stoffe in den Präparaten während der Herstellung. Da die Valepotriate nicht wasserlöslich, sondern fettlöslich sind, gehen sie in Teeauszügen nicht in die Lösung.

Zusätzlich hat man die Extrakte an besonders empfindlichen Versuchstieren (trächtigen und neugeborenen Ratten) getestet. Dabei wurden keinerlei negative Wirkungen beobachtet. Damit gelten die Präparate als ausreichend sicher. In Deutschland werden zusätzlich nur noch Valepotriat-arme Baldrianarten eingesetzt.

Mutter und Kind

Aus der verbreiteten Anwendung von Baldrianwurzel als Arzneimittel haben sich bisher keine Anhaltspunkte für Risiken in der Schwangerschaft und der Stillzeit ergeben. Ergebnisse aus experimentellen Untersuchungen liegen jedoch nicht vor.

Zur Anwendung des Arzneimittels bei Kindern liegen nur Anwendungsbeobachtungen, aber keine ausreichenden Untersuchungen vor. Es sollte daher von Kindern unter 6 Jahren nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden.

Keine Benommenheit oder Abhängigkeit zu erwarten

Baldrian macht nicht abhängig und führt nicht zu einer Gewöhnungswirkung. Außerdem verursacht er bei Verwendung als Schlafmittel keine Benommenheit und Müdigkeit beim Aufwachen (bei einer Dosis < 900 mg).

In klinischen Versuchen wurde keine Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit und Fahrtüchtigkeit gefunden. Einige Arzneimittelhersteller empfehlen jedoch, dass bis zu 2 Stunden nach Einnahme keine Maschinen bedient oder Kraftfahrzeuge gefahren werden sollten.

Während der Anwendung von Baldrian-Extrakt sollte kein Alkohol getrunken werden.

Gegenanzeigen

Baldrianprodukte dürfen nicht eingenommen werden bei bekannten Allergien gegen Baldrian.

Wechselwirkungen

Baldrian kann die Wirkung von Narkosemitteln verstärken. (Es wurde eine schwache, dosisabhängige Verlängerung der Thiopental- und Barbituratnarkose beobachtet). Daher soll Baldrian nicht zusammen mit Barbituraten angewendet und zwei Wochen vor einer Operation abgesetzt werden. Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Es gibt zahlreiche Baldrian-Präparate als Tees, Dragees, Tropfen, Tinkturen und Badezusätze. Über 80 % der Präparate sind Mischungen mit anderen Phytopharmaka z.B. Johanniskraut, Melisse, Passionsblume und Hopfen, welche die beruhigenden Eigenschaften des Baldrians ergänzen. Kapseln, Dragees und Brausetabletten werden meist aus Trockenextrakten hergestellt.

Baldrianhaltige Arzneimittel sollten auf einen bestimmten Gehalt an Leitsubstanzen (Sesquiterpenen, 0,4 bis 0,6 Prozent) standardisiert sein.

Tinkturen und Extrakte sollten dicht verschlossen und vor Licht geschützt aufbewahrt werden.

Hinweis: Es sind verschiedene Baldrianarten in Gebrauch. Wegen eines schädlichen Inhaltsstoffes sollte indischer und mexikanischer Baldrian (Valeriana wallichii und Valeriana edulis) nach Einschätzung der Kommission E nicht verwendet werden.

Hausmittel: Tee und Baldrian-Bad

Baldrian-Bad: Vor dem Schlafengehen ein Bad in nicht zu heißem Wasser (< 37°C) nehmen. Dazu 100 g Wurzel in 3 Litern Wasser für 10 Minuten kochen und nach dem Abseihen dem Badewasser zugeben.

Teerezepte

Beliebt und bewährt haben sich zur Unterstützung der Phytotherapeutika auch verschiedene Teemischungen mit schlafanstoßender und beruhigender Wirkung:

Standardzulassung: Baldrianwurzel – Hopfenzapfen – Melissenblätter – Pfefferminzblätter – Pomeranzenschalen

Ein gehäufter Teelöffel wird mit 150 ml (einer Tasse) heißem Wasser übergossen und 10 Minuten ziehen gelassen, dann Abseihen. Man kann bis zu 5 Tassen des frisch zubereiteten Tees trinken. Etwa 1,5 Stunden vor dem Schlafengehen trinkt man 2 Tassen davon. Achten Sie auf ein ruhiges Ambiente, gedämpftes Licht und leise Geräusche, eben alles, was auf den Schlaf einstimmt.

Palette der Phytopharmaka und Dosierung

Als Dosierung empfohlen sind, je nach Indikation, 50-600 mg Trockenextrakt pro Tag. Baldrian-Präparate wirken nicht sofort, sondern erreichen ihre volle Wirksamkeit erst nach 2-4 Wochen.

Baldrian-Dragees: 1-4 Dragees mit jeweils 300 mg Baldrian-Extrakt über den Tag verteilt einnehmen.

Baldrian-Tinktur: ½-1 Teelöffel mehrmals täglich einnehmen (entspricht 1-3 ml). In der Vergangenheit wurde oft zu wenig Wirkstoff gegeben. Dies kann zu einer gegenteiligen (paradoxen) Reaktion führen (z.B. Nervosität).

Wirkstoffe

  • Ätherische Öle: 0,3 bis 0,8 % (manchmal über 1 %)
  • Monoterpene, z. B. Borneol, Bornylacetat, Bornylisovalerat, Camphen, Campher
  • Sesquiterpene, z. B. Valeranon, Valerenal, Valerenol, Valerenylacetat, Valerenylisovalerat
  • Sesquiterpensäuren: Acetoxyvalerensäure, Hydroxyvalerensäure und Valerensäure
  • Phenolcarbonsäuren: Chlorogensäure, Kaffeesäure und 1 bis 2 % trans-Hesperidinsäure
  • Valepotriate: Eine schonend getrocknete Droge enthält 0,5 bis 2 % Valepotriate mit Valtrat, kleineren Mengen Acevaltrat, Didrovaltrat, Isovaltrat. In Zubereitungen sind meist nur die Abbauprodukte der Valepotriate enthalten. Sie werden zu sog. Baldrinalen und den freien Säuren abgebaut.
  • Alkaloide: 0,01 bis 0,05 % Alkaloide, wie z. B. Valerianin, α-Methylpyrrolketon, Actinidin, Naphthylmethylketon sowie die Baldrian-Haupt-(I) und Neben-(II)-Alkaloide
  • Aminosäuren: γ-Aminobuttersäure (GABA), Tyrosin, Arginin, Glutamin

Baldrian ist nicht gleich Baldrian: Die zahlreichen Varietäten spiegeln sich auch in der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe wider.

Für den charakteristischen Geruch ist die Isovaleriansäure verantwortlich. Ein hoher Gehalt dieser Substanz verschlechtert die geruchliche Qualität von Baldrianölen.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen
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