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Beifuß, Gewöhnlicher

Der Beifuß hat kleine weiße Knospen.

Beifuß in Magie und Medizin

Der Beifuß hat die Menschen seit langer Zeit begleitet, ist aber von der Wissenschaft bisher nicht sehr beachtet worden. Doch noch ist er nicht ausrangiert.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Beifuß kompakt: Die wichtigsten Fakten

In frühen Zeiten hatte man zur Sonnenwende den überall häufig wachsenden Beifuß (Artemisia vulgaris) griffbereit, um mit dem Beifußrauch Haus und Hof gegen böse Mächte zu schützen. Auch die traditionellen Heiler wussten das Kraut einzusetzen. Würmer, Wunden, Krämpfe, Frauenleiden: Der Beifuß galt als vielseitige Heilpflanze. 

Da die Heilwirkung des Gemeinen Beifußes leider wenig erforscht ist, lässt sich nicht feststellen, ob in den Vermutungen auch Wahrheit steckt. Immerhin schätzt man  Artemisia vulgaris als Gewürz mit seiner verdauungsfördernden Wirkung. Doch auf Umwegen ist das Beifußkraut heute wieder sehr aktuell: die Traditionelle Chinesische Medizin verbrennt den Beifuß zwecks Wärmebehandlung (Moxibustion). Der Beifuß kann Nebenwirkungen haben.

Wie gut hilft Beifuß?

Nicht nur bei uns, auch in China, Japan und in Südostasien hat man den Gemeinen Beifuß als Heilpflanze entdeckt. Bei den zahlreichen verwandten Arten hat die Wissenschaft den Gemeinen Beifuß bisher übersehen. 

Die meisten Anwendungsgebiete wurden nicht wissenschaftlich untersucht, gleichzeitig birgt der Beifuß einige Risiken, da Beifußpollen zu den potentesten pflanzlichen Allergenen zählt (Kreuzallergien). Die Kommission E verabschiedete wegen der nicht belegten Wirkung eine Negativ-Monographie für den Gemeinen Beifuß. Das heißt aber nicht, dass der Beifuß keine Wirkung hat.

Möglich wäre…

Die Stimulation des Appetits durch die bitteren Sesquiterpene ist durchaus plausibel. Die Schwerpunkte der traditionellen Anwendung Verdauung, Krämpfe, Parasiten und Frauenheilkunde sowie psychische Zustände (Angst, Depression, Neurose) sind zwar nicht bewiesen, einzelne Laborversuche lassen ahnen, dass der Verdacht nicht ganz falsch ist. Für eine sichere Anwendung muss man aber klinische Studien abwarten.

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit
  • Keine. Die Kommission E hat für den Beifuß eine Negativ-Monographie erstellt. Grund: Die Wirkung ist nicht nachgewiesen. Daneben hat das Kraut eine mögliche abortive Wirkung und der Pollen kann allergische Reaktionen auslösen.
Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial
  • Angst, Reizbarkeit, Unruhe, Schlaflosigkeitvegetative Dystonie (beruhigend)
  • Bauchschmerzen, Koliken, Durchfall
  • Depression
  • Durchblutungsstörungen (durchblutungsfördernd)
  • Erbrechen
  • Epilepsie
  • Hysterie, Hypochondrie
  • Krämpfe
  • Leistungsschwäche (Stärkungsmittel)
  • Magenbeschwerden
  • Magengeschwüre oder Sodbrennen
  • Menstruationsstörungen (Unregelmäßigkeiten der Regelblutung)
  • Übergewicht (als Abführmittel)
  • Verstopfung
  • Würmer

Botanik: Aussehen und Verbreitung

Die Blüten sind unauffällig

Unscheinbar sieht er aus, der Gemeine Beifuß (Artemisia vulgaris) aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Wie andere verwandte Vertreter aus der Gattung Artemisia trägt die etwa 1 m hohe Pflanze stark zerteilte Blätter. Ihre Oberseite erscheint dunkelgrün, die Unterseite aufgrund von Behaarung grau-weißlich. 

Während die verwandte Sonnenblume mit einer einzigen großen Blüte beeindruckt, setzt der Beifuß auf viele kleine unscheinbare Blüten mit kaum sichtbaren gräulichen, gelblichen oder rotbraunen Blütenkronen. Was zählt, ist die Masse und die Pflanze bildet unzählige Blütenrispen in mehreren Stockwerken aus. 

Da die Blüten von Insekten nicht besucht werden, nutzt die Pflanze den Wind zur Bestäubung und produziert dementsprechend große Mengen an Pollen. Beifuß-Pollen-Allergiker klagen dann im August bis September über Heuschnupfen-Beschwerden. Auch für die Verbreitung der kleine Samen nutzt der Beifuß den Wind. Die Mutterpflanze bleibt dem Standort jedoch treu. Nur das Kraut stirbt alljährlich ab, jedoch überwintert die Wurzel.

Zäher und häufiger Zeitgenosse

Ob Schuttplatz oder Bahndamm, Hecken, Wegränder und lockere Gebüsche, der Beifuß wächst dort, wo Platz ist. Dabei weiß er aber durchaus feuchten, gut gedüngten Boden zu schätzen. Damit hat die Pflanze die gemäßigten Klimaregionen von Europa und Asien als Unkraut erobert. Auch in Nordamerika wurde die Pflanze mittlerweile eingebürgert.

Beliebt zum Würzen von Enten- und Gänsebraten

Man nutzt die aromatisch bitter schmeckenden getrockneten Blätter oder oberirdischen Teile (Artemisiae herba), seltener auch die Wurzeln. Als Gemüse wäre der Beifuß zu bitter, als Gewürz hat er Tradition. So wurde er häufig alten Würzmischungen beigemengt. Selbst fette Gerichte, wie Gänse-, Enten- und Schweinebraten macht er schmackhafter und vor allem bekömmlich. Abgesehen davon interessiert man sich für die ätherischen Öle der Heilpflanze zur Produktion von Duftstoffen und Parfums (Nordafrika, Südeuropa).

Beifuß kommt aus gutem Hause

Die Gattung Artemisia hat zahlreiche Mitglieder (etwa 500), viele davon zeichnen sich durch besondere Eigenschaften aus, wie etwa einen besonderen Geschmack: Der Estragon (Artemisia dracunculus L.) oder der Wermut (A. absinthium) sind als Küchengewürz beliebt. Berühmt geworden ist der Einjährige Beifuß (A. annua) und das daraus isolierte Artemisinin als Malariamittel. Wermut hat als Absinth eine eher traurige Vergangenheit. Wenig bekannt ist heutzutage die Anwendung von A. herba-alba als Wurmmittel, A. arborescens als entzündungshemmendes Mittel oder A. biennis als AntiseptikumIm Prinzip wird die Gattung Artemisia auf der ganzen Welt in der Heilkunde genutzt.

Gewinnung

Das Kraut der Heilpflanze wird kurz vor der Blüte geerntet und getrocknet. Nach der Blüte schmecken die Blätter deutlich bitterer. Für homöopathische Mittel (Artemisia vulgaris HAB1) wird die Wurzel geerntet, wenn sie gerade den höchsten Nährstoffgehalt hat (anfangs des Winters).

Heilwirkung von Gewöhnlichem Beifuß

Bitter stärkt die Verdauung

Die moderne Anwendung von Beifußkraut beschränkt sich auf den Einsatz als Magenbitter zur Behandlung von Verdauungsstörung und Appetitmangel. Bitterstoffe auf der Zunge regen die Speichelproduktion an. Reflexartig wird mehr Magensaft und Gallensekret produziert. Der Magen wird saurer und die Verdauungstätigkeit steigt. Nach geregelter Zersetzungsfunktion normalisieren sich oft auch die begleitenden Verdauungsbeschwerden wie Appetitlosigkeit. Völlegefühl und breiiger Stuhlgang. Dabei dürfte sich die Beifuß-Wirkung auch auf Anwendungsgebiete wie funktionelle Verdauungsstörungen, Dyspepsieerstrecken. Andere Vertreter der Bitterstoff-Kategorie sind auf diesem Gebiet wesentlich bedeutender, wie der Wermut, das Tausendgüldenkraut und der Gelbe Enzian.

Ob der Beifuß Durchfall bekämpft, ist nicht geprüft. Immerhin: Der wässrige Extrakt wirkt in hohen Konzentrationen gegen Bakterien, etwas besser tötet das ätherisches Beifußöl Bakterien und Pilze ab (Verdünnung 1:1000). Damit wird auch die Anwendung als Mittel als Auflage gegen Wunden, Hautflechten und Insektenstiche verständlich.

Berühmt in der Traditionellen Chinesischen Medizin

In China ist der Gemeine Beifuß aus der Medizin nicht wegzudenken. Das getrocknete Kraut wird fein vermahlen und nur die feinen faserigen Partikeln herausgesiebt. Daraus presst man Kegel, die schließlich in der Nähe bestimmter Akupunkturpunkte auf der Haut angezündet werden. Beim Verglimmen geben sie an die nähere Umgebung intensive Wärme ab, sowie Dämpfe mit ätherischen Ölen. Auf der Haut bildet sich danach eine leichte Hautrötung. Davon verspricht man sich eine stimulierte Gewebedurchblutung mit einer Fernwirkung im Körper. Das Verfahren kennt man zunehmend auch bei uns unter dem Namen „Moxibustion“.

In der Geburtsheilkunde glaubt man, Moxibustion an der kleinen Zehe helfe, ein Kind in Steißlage zu drehen, so dass es mit dem Kopf voran geboren werden kann. So hält das Verfahren mit den Beifußkegeln auch in Deutschen Geburtsabteilungen Eingang. Vorläufige Studien sprechen von einem 80-90 %-igen Erfolg bei 1-4-maliger Anwendung. Weil es aber keine Kontrollgruppen gegeben hatte, ist die Beweiskraft der Daten gering: Das Kind könnte sich auch spontan gedreht haben.

Krämpfe

Ein großes Kapitel der Beifußanwendung erstreckt sich auf Krampfzustände jeder Art. Muskelkrämpfe, Bauchkrämpfe, Krämpfe bei Kindern und Epilepsie. Auch daran könnte ein Fünkchen Wahrheit sein, verschiedene Beifuß-Arten enthalten entspannende und nervendämpfende Bestandteile. Auch für den gemeinen Beifuß gilt der Verdacht. Allerdings wurde beim Versuch kein wässriger Extrakt verwendet (das entspräche einem Beifußtee) sondern Lösungsmittelextrakte (mit Methanol und Chloroform). Die Autoren folgern, dass ein Beifußextrakt Darmkrämpfe (hyperaktiver Darm bei Durchfall und Kolik) und Bronchialkrämpfe (Asthma) lindern dürfte. 

Frauenmittel

Bedeutung hat der Gemeine Beifuß auch in der traditionellen Frauenheilkunde. Gemeiner Beifuß soll beispielsweise unregelmäßige (starke/schwache) Regel normalisieren. Daneben glaubte man, das Kraut könne die Erholung nach der Geburt beschleunigen. Erstaunlich, dass sich diese Überlieferungen nicht nur bei uns, sondern auch in Asien halten. Eine Anwendung ist nicht gerechtfertigt, da genauere Daten fehlen. Die Tradition schreibt dem Beifußkraut außerdem eine abtreibende Wirkung zu. Teilweise wurde diese Giftwirkung auch zu Abtreibungszwecken missbraucht.

Wirkt Beifuß beruhigend?

Traditionell wird A. vulgaris zur Behandlung psychischer Probleme verwendet, wie etwa von Neurosen, Depressionen, Angstzuständen, Rast- und Schlaflosigkeit. Tatsächlich wirken Extrakte aus verschiedenen Artemisia-Arten im Tierversuch beruhigend (sedativ). Ob es beim Gemeinen Beifuß eine derartige Wirkung gibt oder nicht, bleibt ungelöst.

Homöopathie

Die Wissenschaft hat bisher keine Anhaltspunkte dafür finden können, dass Beifuß Epilepsie lindert, gleichwohl war dies ein wichtiges traditionelles Anwendungsgebiet des Krauts.

Isoliertes Thujon ist ein Nervengift, das Krampfanfälle auslösen kann. In homöopathischer Verdünnung soll der Gemeine Beifuß eben diese Krampfsymptome und Epilepsie bekämpfen. Auch Zuckungen, Zähneknirschen und Darm-, Blasenmuskel- und Gebärmutterkrämpfe zählen zu den Einsatzgebieten. Bei der Verdünnung sollte man genau hinsehen, es gibt neben hochverdünnten Lösungen auch (unverdünnte) Urtinkturen, die auch für eine herkömmliche Wirkung ausreichend Wirkstoff enthalten. Diese Mittel sind für Kinder, Schwangere und Stillende nicht geeignet.

Parasitenbekämpfung mit bitterem Beifuß

In der Vergangenheit wurde der Gemeine Beifuß als Wurmmittel gegen diverse Darmparasiten beim Mensch und beim Vieh eingesetzt. Wenn auch die Bestätigung für den gemeinen Beifuß fehlt, gibt es unzählige Untersuchungen, die eine Wirkung von Heilpflanzenextrakten verschiedener Artemisia-Arten gegen Darmparasiten bestätigen. Einer der Wirkstoffe – das Thujon – ist auch im Gemeinen Beifuß präsent.

Als Mittel gegen Malaria ist zwar der Einjährige Beifuß etabliert, der Gemeine Beifuß hat aber wegen ähnlicher Inhaltsstoffe auch eine bestätigte Wirkung dagegen.

Geruch: Abstoßend

Im Volksglauben vertreibt die Kraft des Beifußes die dunklen Mächte ab. Neben Hexen, Blitz und Seuchen dürfte der Beifuß in erster Linie gegen Insekten und Fäulnis gewirkt haben. Für Mücken sind die Inhaltsstoffe aus der Gruppe der Terpene nicht nur wenig attraktiv, sondern sogar abstoßend. Damit kommt der Extrakt als Moskito-Repellent in Frage. Wie sicher und wie dauerhaft die Wirkung erfolgt bleibt fraglich.

Nebenwirkungen & Gegenanzeigen

Die Toxikologie von Beifuß ist nicht systematisch untersucht. Er sollte nicht in größeren Mengen oder über längere Zeiträume eingenommen werden.

Der Gemeine Beifuß kann Allergien auslösen. Es kommt mitunter zu Kreuzreaktionen. Chrysanthemen-Allergiker reagieren häufiger auch gegen den Beifuß, Sellerie-Allergiker gegen Beifußpollen.

Doktor Blatt

Es besteht der Verdacht, dass die Pflanze abtreibend wirken könnte. In der Schwangerschaft sollten Präparate mit dem Gemeinen Beifuß daher nicht angewendet werden. Ausnahme sind hochverdünnte homöopathische Mittel (nicht aber homöopathische Urtinkturen – erkennbar am intensiven Geschmack).

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Produkte im Handel

Gemeiner Beifuß wird meist in Form von Tee verkauft. Oft ist er auch Zutat von Kräuterteemischungen. Als herbes Gewürz entfaltet es einen leicht bitteren Geschmack mit aromatischen Anklängen an Minze und Wacholder. Seltener bekommt man das ätherische Öl der Pflanze. Es gilt wegen des hohen Thujon Gehaltes als giftig.

Verdauungsfördernder Tee

Soll der Tee den Appetit steigern, trinkt man ihn etwa 30 Minuten vor dem Essen. Zur Anregung der Gallentätigkeit wird er nach dem Essen genommen.

Für den Tee nimmt man 0,5–2 g der getrockneten Pflanze übergießt sie mit heißem Wasser (10 Minuten Zugzeit). Beifußtee 2-3-mal täglich trinken. Pro Tag sollte nicht mehr als 2g des Krauts aufgenommen werden.

Alternativ kann man auch das zerstoßene Kraut einnehmen (eine Messerspitze, 5-6-mal täglich).

Fußbad

Die Römer glaubten Beifuß macht die müden Beine der Soldaten wieder munter. Sie säten ihn an ihren großen Fernstraßen aus. Heute noch steht der Beifuß im Ruf als Fußbad wärmend und entspannend zu wirken und dabei sogar Unterleibsbeschwerden zu lindern.

Wirkstoffe

  • ätherisches Öl (bis zu 0,3 %): 1,8-Cineol, Campher, Linalool, Thujon und zahlreiche weitere Monoterpenene und Sesquiterpene (je nach Herkunft) und Sesquiterpenlactone
  • Flavonoide: Flavonolglykoside und Cumarine
  • Sterole: Stigmasterol und Sitosterol

Der Gemeine Beifuß hat auch giftige Inhaltsstoffe wie das Nervengift Thujon, weshalb man keine größeren Mengen davon verzehren sollte.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen