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Einjähriger Beifuß

Der zierlich aussehende Einjährige Beifuß machte zuletzt Schlagzeilen als Antikrebsmittel.
© emer - Fotolia.com

Einjähriger Beifuß: Hoffnung als Malariamittel

Seit 2002 ist der wichtigste Wirkstoff der Pflanze – das Artemisinin – als Malariamittel von der WHO anerkannt und fester Bestandteil von Arzneimitteln gegen Malaria.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Einjähriger Beifuß kompakt: Die wichtigsten Fakten

Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) ist in China seit Jahrtausenden als Heilpflanze bekannt.Die heilende Wirkung dieser Pflanze geriet jedoch lange in Vergessenheit. Erst als chinesische Wissenschaftler während des Vietnamkriegs nach einem Mittel gegen Malaria forschten, stießen sie in alten Quellen auf den Beifuß. Nach Testreihen im Labor stand der Verdacht auch wissenschaftlich fest. 

Seit 2002 ist der Wirkstoff Artemisinin aus Beifuß als Malariamittel von der WHO anerkannt. Im Jahr 2015 verlieh man an die Chinesin Youyou Tu den Medizinnobelpreis für die Entdeckung. Vielleicht kann der Beifuß noch mehr. Offensichtlich wirkt er nicht nur gegen den Malariaerreger, sondern auch gegen Bakterien, Milben und Würmer. Sogar erste Erfolgsberichte aus der Krebsforschung erregen Aufsehen. So wird manche alte Heilpflanze auch heute wieder modern. Der einjährige Beifuß hat Nebenwirkungen.

Wie gut hilft Einjähriger Beifuß?

In der TCM hat Artemisia annnua seinen festen Platz als "kühlendes" Mittel, man nutzt es bei einer Vielzahl von Beschwerden, wie z.B. Verdauungsbeschwerden und seit der Antike als Fiebermittel [17].

Wichtigstes Anwendungsgebiet ist aber ganz klar die vorbeugende, wie auch therapeutische Behandlung bei Malaria. Neuere Studien konnten die gute Wirksamkeit zeigen – sogar gegen multiresistente Plasmodium-Stämme.

Der Einsatz des Einjährigen Beifußes bei anderen Anwendungsgebieten wie Magengeschwüren, Krebs oder bakteriellen Infektionen kann noch nicht empfohlen werden, da die Forschung in diesem Bereich noch in den Kinderschuhen steckt.

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit
  • Malaria (Artemisinin-Wirkstoffe) 
Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial

Aussehen und Verbreitung

Obwohl die heilende Wirkung dieser Pflanze bereits vor 2000 Jahren angewendet wurde, geriet sie für lange Zeit in Vergessenheit. Während des Vietnamkriegs durchforschten chinesische Wissenschaftler im Rahmen einer „sozialistischen Bruderhilfe“ Jahrtausend alte Medizintexte, um ein Mittel gegen Malaria zu finden. Dabei stießen sie auf ein „Handbuch für Notfall-Behandlungen“ aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Darin wird der Pflanzenextrakt erstmals als Medizin gegen Malaria beschrieben. 

1979 begannen klinische Untersuchungen, 1982 trafen sich chinesische Wissenschaftler mit WHO-Vertretern. Aber erst 20 Jahre später wurde der wichtigste Inhaltsstoff der Pflanze – Artemisinin – von der Weltgesundheitsorganisation WHO als Mittel gegen die Malaria anerkannt. Anamed-Gruppen* setzen sich dafür ein, dass die Pflanze insbesondere in den Malaria-Gebieten angebaut werden kann, damit die Menschen in den Entwicklungsländern unabhängiger werden.

* Anamed: „Aktion Natürliche Medizin“ besteht aus Ärzten und Universitätsmitarbeitern, die sich für das Gesundheitswesen in den Entwicklungsländern einsetzen.

Qing Hao

Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) wird seit Jahrtausenden in China unter dem Namen Qing Hao als Heilpflanze verwendet. Die Pflanze ist in Asien und Europa beheimatet und inzwischen in Nordamerika eingebürgert. Sie wächst 2 bis 3 m hoch und hat frischgrüne, stark zerteilte Blätter und winzig cremefarbene Blütenköpfe.

Gewinnung

Einjähriger Beifuß (Artemisia annua) wird in Ostchina, auf dem Balkan, mittlerweile auch in Indien und Afrika kommerziell angebaut. Da die Wildpflanze in den Tropen nicht so gut gedeiht wie in den asiatischen Ländern, wurde ein Hybrid („Artemisia annua anamed“) entwickelt. Diese Züchtung enthält mehr Blätter und weist eine höhere Konzentration an wichtigen Inhaltsstoffen auf. Sie wächst in verschiedenen Regionen auf der Welt bis zu 3 m hoch, z.B. in Deutschland, Afrika und Brasilien.

Zu medizinischen Zwecken werden die oberirdischen Teile der Pflanze verwendet.

Heilwirkung von Einjährigem Beifuß

Malaria

Malaria ist eine in den Tropen und Subtropen verbreitete Infektionskrankheit, an der jährlich weltweit 100 Mio. Menschen erkranken und über 1 Mio. Menschen sterben. Die Krankheit äußert sich in wiederkehrenden Fieberanfällen. Der Malaria-Erreger wird durch Stechmücken (Anopheles) übertragen. Er befällt beim Menschen zunächst die Leber und anschließend die roten Blutkörperchen. Dort greift der Inhaltsstoff Artemisinin aus dem Einjährigen Beifuß ein. Er reichert sich in den roten Blutzellen an und tötet dort die Plasmodien ab. Die Reaktion wird durch den roten Blutfarbstoff Hämoglobin vermittelt (Häm-katalysierte Oxidation).

Die Auswertung zweier afrikanischer Studien zeigte eine deutliche Wirkung von Beifußextrakt:

  • In der ersten Studie erhielten 5 Malaria-Patienten einen Tee aus Artemisia annua. Innerhalb von 2 – 4 Tagen waren bei allen 5 Patienten keine Parasiten mehr im Blut zu finden.
  • In der zweiten Studie wurden 48 Patienten ebenfalls mit dem Tee aus Artemisia annua behandelt. Bei 44 von 48 Patienten traten nach 4 Tagen keine Parasiten mehr auf.

Beide Studien ließen eine Verbesserung der Symptome erkennen. In einer Pilotstudie wurde die Wirksamkeit und Sicherheit einer traditionellen Teezubereitung aus Artemisia annua gegen komplikationsfreie Malaria genauer quantifiziert. Auch hier verschwanden die Parasiten und die klinischen Symptome rasch. Nach 7 Tagen betrugen die Heilungsraten durchschnittlich 74 % bei der Artemisia-Gruppe. Bei den Patienten, die mit dem ältesten Malaria-Mittel Chinin behandelt wurden, betrugen sie 91 %. 

Die Wirkung von Beifuß aus Teezubereitungen war zwar deutlich, sie ist aber nicht sicher genug. Der Behandlungserfolg mit Artemisia annua L. muss daher ärztlich überwacht werden. Malaria sollte besser mit konzentrierten Artemisia-Extrakten als mit Teezubereitungen behandelt werden. Die modernen pharmakologisch exakt dosierten Artemisinin-Präparate erreichen höhere Wirkstoffmengen. Nur wenn 100% der Erreger absterben, verhindert man eine Ausbildung von Resistenzen. Wenn nämlich bei niedrigen Wirkstoffmengen Erregermutanten im Blut überleben, besteht ein hohes Risiko, dass sich nach und nach resistente Formen bilden. Wie bei anderen Arzneimitteln gegen Malaria wurden auch hier erste seltene Resistenz der Malariaerreger gegen Artemisinin beobachtet.

Aus dem wichtigen Inhaltsstoff Artemisinin werden als Malaria-Medizin die halbsynthetischen Abkömmlinge Artesunat (das 12a-Succinat von Artemisinin) und Artemether hergestellt. Um gegen die Resistenzen der Malaria-Erreger anzugehen, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO zur Malariabehandlung die Kombination zweier Mittel, von denen eines ein Artemisinin-Abkömmling ist

Aktivität gegen andere Infektionen

Im Reagenzglas hemmt das ätherische Öl von Artemisia annua das Wachstum des (grampositiven) Bakteriums Enterococcus hirae. Das Öl zeigte antioxidative Eigenschaften. Einige in der Pflanze vorhandene Wirksubstanzen (Flavonoide und Sesquiterpenlactone) wirkten in Laborversuchen gegen Bakterien. Daneben stehen Würmer und Milben auf der Liste empfindlicher Organismen.

Krebs

Im Reagenzglas wirken Artemisinin und ein anderer Inhaltsstoff von Artemisia annua (ein Quercetin-Derivat) gegen menschliche Tumorzellen.In einem Tierexperiment wurde Ratten eine Substanz verabreicht, die Brustkrebs auslöst. Eine Gruppe erhielt dabei Artemisinin-haltiges Futter. Die Ratten wurden 40 Tage lang überwacht. 

Das oral verabreichte Artemisinin verzögerte die Entstehung von Brustkrebs in der Bewachungsperiode, bei einigen Tieren wurde sie sogar ganz vermieden. Die Brustkrebstumoren waren bei den mit Artemisinin gefütterten Ratten signifikant geringer und kleiner. Da Artemisinin eine sichere Verbindung ohne Nebenwirkung ist, könnte es möglicherweise als Antikrebsmittel eingesetzt werden.

Magengeschwüre

Der alkoholische Auszug (Ethanol-Extrakt) von Artemisia annua enthält Sesquiterpenlactone (Dihydro-epideoxyarteannuin B und Deoxyartemisinin), die bei Ratten Magengeschwüre verhinderten.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

In Afrika wurden klinische Studien an Malaria-Patienten durchgeführt. Dabei traten bei einem Teil der Patienten Nebenwirkungen auf: Schwindel, Übelkeit, Ohrengeräusche, Sehstörungen, Juckreiz und Bauchschmerzen.Die Seh- und Gehörstörungen traten jedoch nur in einer bestimmten Region Afrikas (Bukavu) auf, nicht in den anderen Gegenden, in denen der Artemisia annua-Tee ebenfalls angewendet wurde. Gerade in Bukavu wird viel Cinchona angebaut – eine Pflanze, aus der das Antimalariamittel Chinin gewonnen wird. 

Da die angegebenen Nebenwirkungen eher auf eine Chinin-Einnahme passen und eine (möglicherweise heimliche) zusätzliche Einnahme von Chinin-Präparaten nicht auszuschließen ist, ist eine abschließende Wertung der Nebenwirkungen von Einjährigem Beifuß (Artemisia annua) noch nicht gegeben. 

Der Tee sollte nicht leichtfertig konsumiert werden, denn dies könnte zum Auftreten neuer Resistenzen gegen Malaria führen.Wie alle ätherischen Öle von Heilpflanzen sollte das ätherische Öl nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden, da sie in höherer Konzentration abtreibend wirken können.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Für die Malariatherapie sind in Asien standardisierte Extrakte in Tabletten- und Zäpfchenform erhältlich.

Bei uns gibt es bereits von großen Firmen Malariamedikamente mit dem Inhaltsstoff Artemisin - oder dessen Derivaten. Sie werden in der Regel mit anderen Malaria-Wirkstoffen gemischt.

Artemisia annua-Produkte sollten nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden.

Hausmittel

Hausmittel können nicht empfohlen werden.

Es ist wichtig, dass Teezubereitungen aus dem Einjährigen Beifuß nicht leichtfertig eingenommen werden, um Resistenzen gegen Malaria zu vermeiden.

Wirkstoffe

  • Artemisinin (früher Arteannuin), ein Sesquiterpenlacton mit einer Endoperoxidbrücke. Synthetische Abwandlungen dieses Inhaltsstoffs werden in der Malaria-Therapie eingesetzt
  • Artemisinsäure
  • Ätherisches Öl, bestehend aus diversen Monoterpenen (Kampfer) und Sesquiterpenen

Quellen/Weitere Informationen

Quellen