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Fichte: Immunstark durch den Winter

Fichtenbaum im Winter
©Gabriele Leonie Bräutigam

Corona prägt dieses Jahr auch die Weihnachtszeit. Und so erweist sich der Christbaum – aus Fichte, Kiefer oder auch Tanne – als aktuelles Geschenk zum Thema “Bleib gesund”.

Von: Gabriele Leonie Bräutigam

Von: Gabriele Leonie Bräutigam

Gabriele Leonie Bräutigam beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Wildpflanzen und Ernährung und ist staatlich zertifizierte Kräuterführerin. Bei PhytoDoc ist sie seit 2017 aktiv.

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Heilkraft der Nadelbäume

Nadelbäume enthalten eine Vielzahl heilkräftiger ätherischer Öle, Harze und Flavonoide, die in der dunklen Jahreszeit unsere Immunabwehr stärken sowie Erkältungen und Muskelschmerzen entgegenwirken. Fichte (Picea abies) und Kiefer (Pinus sylvestris) und sibirische Tanne (Abies sibirica) sind derzeit von der Kommission E als Heilpflanzen anerkannt. [1]

Anwendungsgebiete

Beschrieben werden die gleichen Anwendungsgebiete:

  • Innerlich bei Erkältungskrankheiten, speziell der Luftwege
  •  Äußerlich zur Wärmetherapie bei rheumatischen Beschwerden und Nervenschmerzen

An dieser Stelle ist anzumerken, dass „Fichtennadelöl“, das in Arzneiqualität gemäß DAB (Deutsches Arzneibuch) aus der Sibirischen Tanne (Abies sibirica Ledeb.) hergestellt wird, zu der Zeit gewonnen wird, in der die Sonne und damit der Anteil der ätherischen Öle in der Pflanze ihren Höchststand hat: im Frühsommer. Fichtennadelöl wirkt vor allem durch die in ihm enthaltenen Monoterpene und Sesquiterpene antimikrobiell und lokal durchblutungsfördernd.

Auch wenn sich die Kommission E dabei heute ausschließlich auf die jungen Spitzen (Piceae turiones recentes) und auf das Fichtennadel-Öl (Piceae aetheroleum) bezieht: Die praktische Nutzung in der „grünen Hausapotheke“ wie auch in der Medizingeschichte richtete sich in erheblich größerem Umfang nach Verfügbarkeit.

So beschreibt das „Handbuch der gesammten Arzneimittellehre“ aus dem Jahre 1883 auf eine Vielzahl medizinischer Anwendungen auf Basis der heimischen Nadelbäume Kiefer, Fichte und Lärche, die vor allem auch die Harze als Wirkstoff in den Vordergrund stellten: In den Kurhäusern machte man neben Fichtennadelbädern, die Ende des 19. Jahrhunderts als Neuheit galten, Auflagen aus sogenannter „Waldwolle“, welche in Schlesien und Thüringen gewonnen wurde, auf „rheumatisch afficicirter Gliedmaßen“. In Irland wurden „Terpenthindampf- bäder bei rheumatischen Aifectionen, Algien, aber auch bei anderen Affectionen z. B. chronischem Bronchialkatarrh“ angewendet, oder man streute Harze auf heiße Kohlen oder Bleche und ließ sie dort verräuchern.

Dem Räuchern ordnete man also keineswegs nur eine spirituelle sondern medizinische Funktion zu. Im Vordergrund stand bei den Anwendungen – (Dampf-)Bäder, Auflagen, Räucherungen, Inhalation – stets die durchblutungsfördernde „irritative Wirkung“.

Gesicherte Wirksamkeit
  • Erkältungskrankheiten
  • Erkrankungen der Atemwege
  • Rheuma
  • Nervenschmerzen
  • Muskelverspannungen
  • Stress

Anwendung von Fichte & Co. in Volksheilkunde und Aromatherapie

Da man sich tendenziell im Winter erkältete, verwendete man volksheilkundlich das vom Nadelbaum, was da war. Während im Schwarzwald das “Fichtennadelbad” seinen Ursprung hat, bedienten sich die Skandinavischen Länder eher an der Kiefer. In den Alpenländern ist die Nutzung der Latschenkiefer, als Latschenkiefer-Balsam zum Einreiben und als Latschenkiefernschnaps für die äußere und innere Anwendung (Auflagen, Umschläge auf schmerzende Gelenke bei rheumatischen Beschwerden und Athrosen), verbreitet. Auch die Tanne wurde ähnlich genutzt, ist aber nicht so weit verbreitet wie die Fichte.

Verwendet werden in der Sammelpraxis im späten Frühjahr die jungen, frischen Triebspitzen (z. B. zur Herstellung von Fichtenspitzenhonig) – im Herbst/Winter vor allem ein kräftiger Absud aus frischen, zerkleinerten Zweigen samt zerhackter Nadeln und Zapfen. In den Zweigen und Zapfen befinden sich die gesunden Harze.

In der Volksheilkunde gibt es neben den von der Kommission E anerkannten Anwendungen bei Erkältungskrankheiten und Rheumatischen Beschwerden eine Vielzahl “vorbeugender” Verwendungsweisen – bei Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen, in der Rekonvaleszenz –, we lche auch die im Winter am Baum geernteten Harze zum Pflegen schrundiger Waldarbeiter- und Gärtnerhände mittels „Pechsalbe“ und zum „reinigenden“ rituellen Räuchern während der Raunächte in Haus und Stall mit einschließt. Denn am besten ist es, erst gar nicht krank zu werden.

Aus der Aromatherapie wissen wir, dass die ätherischen Öle der Nadelbäume, welche die Advents- und Weihnachtszeit als Raumduft begleiten, innere Ruhe und Ausgeglichenheit schaffen: „Oh, du Fröhliche ...“

Beim Christbaumaufstellen kommen die traditionell als heilkräftig geschätzten Nadelbäume reichlich ins Haus – unser überliefertes Brauchtum regelt auch hier die jahreszeitgemäße Hausapotheke.

WICHTIG: Früher war jeder Nadelbaum “Bio”. Heute sollte, wer seinen Weihnachtsbaum nachhaltig und mit Genuss weiterverarbeiten möchte, “Tannengrün” in Bioqualität wählen – oder es in Absprache mit Förster oder Besitzer aus dem Wald bzw. am besten aus dem eigenen Garten holen.

Frohe Weihnachten und stille Nacht.

Eine Sammlung (kulinarischer) Rezepte zur Verwendung der winterlichen Fichte finden Sie auf dem Wildkräuterblog der Autorin Gabriele Leonie Bräutigam  www.herbalista.eu unter dem Stichwort „Fichte“.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Fichtennadel-Extrakt für Bad & Inhalation selbst herstellen

Zur Vorbeugung von Erkältungskrankheiten und Virusinfektionen der Grippezeit empfehlen sich vor allem Bäder und Inhalation.
Schüssel und kleine Gefässe voll Fichtennadeln
©Gabriele Leonie Bräutigam

Inhalation mit Fichtennadel-Extrakt

Die klassische Inhalation mit Schüssel und Handtuch ist zwar etwas aus der Mode gekommen, wird aber gerade zur Vorbeugung gegen Corona inzwischen vielfach empfohlen. Vor allem die Kombination aus Salz und ätherischem Öl vergrämt Viren die Einnistung in den Schleimhäuten des Nasen-Rachen-Bereichs, wirkt verdünnend durch Befeuchtung, gleichzeitig durchblutungsfördernd. Sehr zu empfehlen auch für alle Menschen mit Nasennebenhöhlen- und Stirnhöhlenproblemen (die meist in einer verkrümmten Nasenscheidewand begründet sind) und bei Hautunreinheiten. Diese werden bei der klassischen Inhalation gleich mitgelöst.

Zutaten:

  • 2 EL Meersalz 
  • 3 EL gehackte Fichtennadeln
  • optional: 1 Tropfen ätherisches Fichtennadelöl

Zubereitung: 

  • Fichtennadeln mit dem Meersalz im Mixer oder Mörser zerkleinern
  • Mit heißem Wasser aufgießen
  • Ätherisches Fichtenöl eintropfen

Anwendung:

  • Dampfendes Inhalat in die Schüssel geben
  • Kopf mit ca. 30 cm Abstand gesenkt mit Handtuch abdecken
  • 10 Minuten gleichmäßig tief durchatmen

HINWEIS: Ätherische Öle nicht anwenden bei Kindern unter 4 Jahren, Allergien, Asthma und Überempfindlichkeitsreaktionen.

Fichtennadel-Solebad

Da der normale Haushalt selten über eine Dampfdestille verfügt, kocht man für ein durchblutungsförderndes Fichtennadelbad etwa 1 mittelgroße Schüssel kleingeschnittene Fichtenäste und -Zapfen aus und gießt den Absud anschließend in das Badewasser. Die Kombination mit Salz kann die Wirkung verstärken.

Zutaten:

  • Ca. 200 g Fichtenzweige und Zapfen
  • 10g/l Meersalz

Zubereitung:

Fichtenzweige und -Zapfen mit der Gartenschere kleinschneiden

ca. 20 Minuten auf kleiner Flamme simmernd köcheln. Topf abdecken, damit das ätherische Öl nicht verdampft.

Durch ein feines Sieb abgießen

Meersalz im Fichtennadelsud auflösen

Ins Badewasser gießen

3-5 Tropfen ätherisches Fichtennadelöl (optional)

Anwendung:

Badetemperatur 37°C

Badezeit 10-20 Minuten

Solebäder wirken stark Stoffwechsel und Kreislauf anregend. Empfindliche Menschen sollten deshalb mit 10 Minuten starten und sich langsam auf 20 Minuten steigern. Nach dem Bad abtrocknen und 20 Minuten ruhen.

INFO: Die Deutsche Gesellschaft für Badewesen empfiehlt für Physikalische Heilbehandlungen eine Dosierung von mindestens 5 Gramm Fichtennadelöl pro 200 Liter Wasser

HINWEIS: Ätherische Öle nicht anwenden bei Kindern unter 4 Jahren, Allergien, Asthma und Überempfindlichkeitsreaktionen.

Weihnachtstee mit Fichte

Hier entfalten die ätherischen Öle ihre Kraft in Kombination mit der Orangenzeste (frisch oder getrocknet). Wer möchte, kann noch einen Schnitz wärmenden Ingwer zugeben. Ein Fichtenzweig statt Löffel dekorativ in die Tasse gesteckt erfreut das Auge. Frohe Weihnachten.

Kanne und Teetasse auf weißer Tischdecke
©Gabriele Leonie Bräutigam

Zutaten:

2 geh. TL kleingehackte/gemixte Fichtennadeln

1-2 (Bio)Orangenzesten nach Geschmack (von einer Bio-Orange)

1 Scheibe Ingwer (optional)

1 Teesieb oder Teebeutel

1 Liter Wasser

Zubereitung:

Aufgießen und 10 Minuten ziehen lassen

Quellen/Weitere Informationen

Quellen/Weitere Informationen
  1. Liste der Monographien der E-Kommission ( Phyto-Therapie), die im Bundesanzeiger veroeffentlicht sind. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

  2. Theodor Gottfried Husemann, Handbuch der gesammten Arzneimittellehre. 2. Aufl., Band II, Springer, Berlin 1883, S. 544-546

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