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Gundermann

Waldboden voller Gundermann.
© NajaShots - Getty Images/canva

Wie andere heimische Heilpflanzen wird der Gundermann oftmals für Unkraut gehalten. Er weist jedoch diverse, jahrhundertelang angewandte Heilwirkungen auf und kann zudem vielfältig in der Küche eingesetzt werden. Darüber hinaus wurde er von germanischen Kulturen für Schutzzauber gegen Krankheiten und böse Geister eingesetzt.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Von: PhytoDoc Redaktionsteam

Dieser Artikel ist eine Gemeinschaftsarbeit des dreiköpfigen Redaktionsteams. Er wurde sorgfältig auf Basis der aktuellen, phytotherapeutischen Fachliteratur erstellt. Dabei obliegt die fachliche Endprüfung dem Heilpflanzen-Experten Prof. Dr. Michael Wink.

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Gundermann: Das Wichtigste im Überblick

Bei den Germanen war Gundermann, auch Gundelrebe genannt, eine wichtige Heilpflanze und auch im Mittelalter war er sehr geschätzt. In der Volksheilkunde wurde er bei Husten sowie bei Beschwerden im Magen-Darm-Trakt verwendet; äußerlich in Form von Umschlägen bei Haut­krankheiten, speziell bei schlecht heilenden Wunden. Darauf nimmt auch das althochdeutsche "gund" im Namen Bezug, was "Eiter" oder "Geschwür" bedeutet und auf das eigentliche Anwendungsgebiet der Pflanze schließen lässt.

Heute ist der Gundermann fast in Vergessenheit geraten, hat auch als Heilpflanze in der Pharmazie keine Bedeutung. Als Wildkraut in der Küche wird er aber immer beliebter. Verwendet werden die jungen Blätter der Triebspitzen zum Beispiel für Kräuterbutter oder einen Frühlingssalat.

Sammelzeit von Gundermann

Die Blätter werden von März bis April gesammelt und für Tee schonend getrocknet. Später schmecken die Blätter bitter. Die Blüten sind mild im Geschmack und eignen sich hervorragend zur Deko.

Botanik

Die Gundelrebe gehört zur Familie der Lippenblütler und ist bei uns eine häufige Pflanze, die an Wegrändern und feuchten Wiesen wächst. Auch im Garten findet sie ihr Plätzchen, wo sie häufig als Unkraut angesehen wird. Dabei ist sie ein guter, aber zierlicher Bodendecker, wichtig für Insekten und hält auch den Boden länger feucht. 

Fazit: Als Heilpflanze in der Pharmazie keine Bedeutung, als Hausmittel und Wildkraut aber im Aufwind.

Wie gut hilft Gundermann?

Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
  • Durchfall
  • Diurese fördernd, also vermehrte Ausschwemmung von Urin
  • Erkältung, vor allem Husten da auswurffördernd (expektorierende Wirkung)
  • Entzündungen im Mund und Rachen
  • schlecht heilende Wunden, Geschwüre und andere Hautkrankheiten  [1, 2, 3]
  • Anti-Wurmmittel, auch in der Tiermedizin

Botanik: Aussehen und Herkunft des Gundermanns

Der Gundermann gehört zur Familie der Lippenblütler und besitzt wie alle Lippenblütler einen vierkantigen Stängel. Dieser liegt dem Erdboden an und wurzelt oft an den Knoten. Die nieren- bis herzförmigen Blätter sind am Rand gekerbt und stehen kreuz-gegenständig vom Stängel ab.

Die blühenden Teile richten sich auf und dann sind die hellvioletten Blüten schön zu sehen, die einen dunklen Fleck auf der Unterlippe tragen. Die Blüten stehen zu mehreren beieinander und bilden einen Scheinquirl. Blüten und Stängel verströmen beim Zerreiben einen als unangenehm beschriebenen Geruch. [2, 3]

Wo wächst Gundermann?

Illustration des GUndermanns von Otto Wilhelm Thomé, 1885.
©Otto Wilhelm Thomé, 1885 - wikimedia

Beheimatet ist der Gundermann in Mittel-, Nord- und Osteuropa und wurde in Amerika und Asien eingeführt. Am liebsten wächst er auf feuchten Böden, in Brachland und Wiesen, am Wegesrand und auf Feldern und Äckern.

Was bedeutet der Name?

Der Name Glechoma hederaceae leitet sich vermutlich vom griechischen Fremdwort „glechon“ ab, die antike Bezeichnung für Poleiminze. „Hederaceae“ heißt „efeublättrig“, eine Anspielung auf die Blattform des Gundermanns.

Gundermann als Schutzpflanze

Es gibt zahlreiche mythologische Vorstellungen und Verwendungen von Gundermann als Schutz- und Heilpflanze, die bereits bei den Germanen kultiviert wurden. Zum Beispiel wurde ihm zugeschrieben, dass böswillige Hexen und Geister sich offenbaren und für die Tragende oder den Tragenden erkennbar werden, wenn zur Walpurgisnacht ein aus Gundermann geflochtener Kranz auf dem Kopf getragen wurde. Seit der Antike gibt es Aufzeichnungen, die seine Heilwirkung belegen. Im ausgehenden europäischen Mittelalter findet er Erwähnung bei Hildegard von Bingen, Hieronymus Bock und Otto Brunsfeld. [1]

Gundermann: Was wird verwendet?

Der oberirdische Teil, also das Gundelrebenkraut. (Hederae terrestris herba).

Die Blätter werden von März bis April gesammelt.

Heilwirkung von Gundermann

Dem Gundermann werden in der Volksmedizin diverse Einsatzgebiete zugesprochen, so bei (eitrigen) Wunden, Husten und Magen-Darm-Beschwerden. Studien, die die nachgesagten Wirkungen belegen, existieren bisher nicht.

Gundermann bei diversen Hautproblemen

Durch die im Gundermann enthaltenen Flavonoide und Triterpenoide ist eine entzündungshemmende Wirkung anzunehmen. Äußerlich wird der Gundermann in der Volksmedizin daher gegen schlecht heilende Wunden, Geschwüre und Hautkrankheiten eingesetzt. Innerlich können Entzündungen im Mund- und Rachenraum durch das Gurgeln mit einem Gundermann-Aufguss behandelt werden. [2,4]

Gundermann bei Magenproblemen und Durchfall

Gundermann soll aufgrund enthaltener Gerbstoffe adstringierend wirken, also zusammenziehend. Deshalb wird er als Hausmittel, oral eingenommen, gegen leichte Magen-Darm-Beschwerden und Durchfall eingesetzt.

Antioxidative Wirkung

Gundermann enthält Rosmarinsäure, die erwiesenermaßen anti-entzündlich und anti-oxidativ wirkt. [4]

Nebenwirkungen

Bei Einhaltung der Dosierungsvorschrift sind keine Nebenwirkungen zu befürchten. Bei Überdosierung können Gastroenteritis, Darmkoliken und Durchfall auftreten. 

Gundermann in der Schwangerschaft?

Aufgrund von bisher nicht detaillierter Erforschung des Gundermanns wird von der Einnahme während der Schwangerschaft und für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren grundsätzlich abgeraten.

Da es aber eine lange Anwendungstradition gibt, kann man davon ausgehen, dass negative Auswirkungen wohl aufgefallen wären. Letztendlich muss dies jede Schwangere aber für sich selbst entscheiden.

Als Faustregel gilt: Minimale Dosen in der Küche als Gewürz sind eher unbedenklich, größere Dosen in Form von Tees dagegen nicht. 

Wechselwirkungen

Keine bekannt.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Gundermann Blätter und Blüten in Schüssel und Holzlöffel.
© coramueller - Getty Images/canva

Vom Gundermann werden hauptsächlich die Blätter verwertet. Zur inneren Anwendung des Gundermanns wird ein Tee aufgesetzt oder ein Fertigpräparat eingenommen. Die gängige äußere Anwendung  findet die Pflanze in Form einer Tinktur, Ölauszug oder auch Salbe (mit gewöhnungsbedürftigem Geruch).

Gundermann als Wildkraut in der Küche

Durch seinen würzig-bitteren Geschmack lässt sich Gundermann auch gut in die Küche integrieren. Insbesondere in Suppen, Salate und Soßen macht er sich gut. Hier sollte man aber sparsam dosieren, da sein Aroma sonst zu dominant ist. Er kann auch Smoothies oder Limonaden verfeinern. Weitere Ideen wären zum Beispiel Gundermann in Kräuterbutter, Pesto oder einer Salzmischung beizumengen.

So wird Gundelreben-Tee zubereitet

1 bis 2 Teelöffel Gundermann mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen lassen. Nach dem Abseihen eine oder zwei (als Kur) Tassen pro Tag trinken, bis die Beschwerden abklingen.

Umschlag

Der Gundermann wird ca. 10 Minuten in Wasser abgekocht. Den Sud etwas abkühlen lassen und einen Wickel darin einweichen, der dann auf die betroffene Stelle aufgelegt wird. Der Umschlag soll schmerz- und entzündungshemmend wirken – vor allem bei schlecht heilenden Wunden und Geschwüren.

Gundermann: Inhaltsstoffe

  • Ätherisches Öl (mit Sesquiterpenen), [3]
  • Gerbstoffe
  • Saponine
Weitere Inhaltsstoffe sind:
  • Flavonoide
  • Vitamin C
  • Mineralstoffe (besonders Kalium)

Quellen/Weitere Informationen

Quellen
  1. Bäumler S. Heilpflanzen Praxis heute, Elsevier / Urban & Fischer, München 2012

  2. Apotheker M. Pahlow: Das große Buch der Heilpflanzen. Gesund durch die Heilkräfte der Natur. Hamburg: Nikolai Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. 2018

  3. Van Wyk, B.-E., Wink, C., Wink, M.: Handbuch der Arzneipflanzen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 2015
  4. utopia.de: 3 Gründe warum du Gundermann nicht bekämpfen solltest
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