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Hagebutte

Die Hagebutte fällt durch ihre orange-rote Färbung in der Natur auf.

Wirkstoff aus der Heckenrose hilft bei Gelenkbeschwerden

Die Anhänger der Hagebutte vermuten es schon lange, jetzt gibt es erste klinische Studien, die zeigen: Die Hagebutte hilft gegen Gelenkschmerzen.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Hagebutte: Das Wichtigste im Überblick

Früher umgab man seinen Besitz zur Abwehr mit einer Rosenhecke. Hagebuttenfrüchte waren daher praktisch überall verfügbar. Natürlich hat man sie genutzt, als Apotheke direkt vor der Haustüre. Praktisch, dass die Hagebutten (Rosa canina, auch Hundsrose, Heckenrose genannt) zum Auftakt der vitaminarmen Winterzeit reifen. So waren die Vitamin-C-reichen Früchte zur Abwehrsteigerung beliebt.

Heute hat man den entzündungslindernden Effekt gegen Gelenkbeschwerden neu entdeckt. Um die wertvollen Wirkstoffe zu erhalten, muss die Hagebutte rechtzeitig geerntet und schonend getrocknet werden. Angewendet wird sie heute meist als getrocknetes Fruchtpulver, seltener greift man zu den Samen. Bei Gelenkbeschwerden wird eine längere Einnahme über mehrere Monate empfohlen. Trotz der guten Verträglichkeit, sollte man sich über mögliche Nebenwirkungen informieren.

Wie gut hilft Hagebutte?

Eine Frucht wird neu untersucht: Hagebutte und Gelenkbeschwerden

Zwar hat die Kommission E der Hagebutte eine Wirksamkeit bei Gelenkschmerzen im Jahr 1990 mangels Daten abgesprochen. Das hat sich geändert, seit 2003 wird diese Indikation in mehreren klinischen Studien untersucht. Demnach besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Fruchtschalen der Hagebutte Gelenkbeschwerden lindern könnten. Die Beweiskraft der Studien wird in einer zusammenfassenden Auswertung des Studienmaterials mit „mittelmäßig“ bewertet [6], der Effekt erreicht durchaus moderate Werte [15]. Für ein Lebensmittel ist das ein beachtlicher Erfolg. Da die Hagebutte kaum Nebenwirkungen zeigt, ist sie einen echten Behandlungsversuch bei Gelenkbeschwerden wert.

Wie viele Beerenfrüchte liefert die Heilpflanze einen Anti-Aging-Beitrag. Vorläufige Studien lassen annehmen, dass die Früchte der Heckenrose gegen moderne Leiden wie Übergewicht und hohe Fettwerte in Betracht kommen könnten. Um sicher zu sein, bräuchte man noch mehr Untersuchungen dazu. Die Ergebnisse sind daher im Moment noch unsicher.

Traditionelle Wirkungen der Hagebuttenfrüchte

Hagebutten können zwar viel Vitamin C enthalten, doch schwankt die Menge erheblich und mit der Reife nimmt der Gehalt schnell ab. Die Kommission E sah deswegen einen nur unsicheren Nutzen zur Vorbeugung und Behandlung von Vitamin-C-Mangelerkrankungen. Entsprechend wurden auch die Indikationen Abwehrsteigerung und Vorbeugung von Infektions- und Erkältungskrankheiten abgelehnt. Zur Sicherheit setzen viele Hersteller den Produkten aus Hagebutte daher zusätzlich Vitamin C zu, so dass diese Qualität heute gewährleistet ist.

Nicht gesichert wurde der Nutzen der Hagebutte bei Beschwerden der Nieren und ableitenden Harnwege sowie Ödemen. Der hohe Gehalt an Flavonoiden (insbesondere der Samen) spricht aber für die entwässernde Wirkung der Hagebuttenfrüchte. Dieser Punkt ist wissenschaftlich plausibel. Ein möglicher Nutzen bei Magenuntersäuerung, Darm- und Gallenleiden ist noch nicht belegt.

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit
  • keine
Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
  • Gelenkschmerzen, Arthrosebeschwerden (Hagebuttenfruchtschalen)
  • Blasenentzündung, Unterstützung der Entwässerung bei der Durchspültherapie
  • Ödeme, Unterstützung der Entwässerung
Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial

  • Anti-Aging (Hagebuttenfruchtschalen)
  • Beschwerden der Nieren und ableitenden Harnwege, Blasenentzündung (Hagebuttensamen)
  • Magen-, Darmerkrankungen (Hagebuttenfruchtschalen)
  • Gallenleiden, Gallensteine (Hagebuttenfruchtschalen)
  • Diabetes (Hagebuttensamen)
  • Erkältungskrankheiten und fieberhafte Erkrankungen, grippale Infekte, Infektionskrankheiten (Vorbeugung, Steigerung der Abwehrkraft; Fruchtschalen Hagebuttensamen)
  • Falten, Pigmentflecken, Altershaut (Hagebuttenfruchtschalen)
  • Gelenkbeschwerden (Rheuma, Gicht, Ischias; Hagebuttensamen)
  • Hypercholesterinämie (Hagebuttenfruchtschalen)
  • Magenuntersäuerung (Hagebuttenfruchtschalen)
  • Nierensteine, Vorbeugung (Hagebuttenfruchtschalen)
  • Übergewicht, Reduktion der Fetteinlagerung (Hagebuttensamen)
  • Verstopfung (Hagebuttensamen)
  • Vorbeugung und Behandlung von Vitamin C Mangelerkrankungen (Hagebuttenfruchtschalen)


Botanik: Aussehen & Herkunft

Illustration der Rosa Canina aus O.W. Thomé - Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz (1885) ©biolib.de
©biolib.de

Die Hundsrose ist ein 2 bis 3 m hoch werdender Busch. Die Äste können aber wegen des schwachen Holzes kaum stehen, sie hängen über. Genau genommen handelt es sich um einen Spreitzklimmer“. Der Busch kann also an anderem Buschwerk oder Bäumen hochranken. Dabei haken sich die stachelbewehrten, langen Äste bei anderen Gewächsen ein. Über die Jahre entstehen dicht verzweigt und undurchdringliche Hindernisse, so wie es im Märchen „Dornröschen“ beschrieben ist. Die Pflanze ist sehr ausdauernd und soll bis zu 300 Jahre alt werden. Wenn man der Rose keinen Einhalt gebietet, bewurzeln sich die herabhängenden Äste und die Heckenrose nimmt sich mehr und mehr Raum.

Die Blätter sind unpaarig gefiedert mit fünf bis sieben Blättern. Blätter und Blüten von Rosa canina sind sehr formenreich und es sind viele Sippen beschrieben. Mitunter bilden sich auch mit Wildrosen Bastarde, so dass die Zuordnung nicht immer eindeutig ist. Im Mai bis Juni zeigt der Busch meist in üppiger Fülle die fünfzähligen Rosenblüten. Die wilde Rose ist nie gefüllt, bildet jedoch eine Vielzahl von Staubgefäßen. Die Insektengäste suchen Nektar vergeblich, die Heckenrose bietet den Besuchern aber nur Pollen an, den dafür reichlich. Das Farbspektrum reicht von weiß bis dunkel rosa. Die lebhaft roten, elliptischen Früchte zieren den Busch oft den ganzen Winter.

Heckenrose: Vitamine und Umzäunung

Gegen wilde Tiere und Angreifer friedeten die Menschen früher ihr Gelände vorzugsweise mit stachelig-abweisenden Büschen ein. Der alte Begriff für ein so umzäuntes Gelände ist „Hag“. Die Hagebutte und Hagedorn (Weißdorn) tragen immer noch den Namensvorsatz. Der lateinische Name Rosa canina wird mit „Hundsrose“ übersetzt. Das bedeutete im damaligen Sprachgebrauch so viel wie „hundsgemein“ und überall zu finden. Die Hagebutten waren also für jedermann verfügbar, daher kein Wunder, dass sie auch zu gesundheitlichen Zwecken eingesetzt wurde. Sie finden auch den Weg in die Küche. Es lassen sich schmackhafte Marmeladen oder Fruchtweine damit zubereiten.

Heimat

Die Hundsrose ist in Europa bis Asien zu Hause. In Nordamerika wurde die Heilpflanze eingebürgert.

Pharmakologisch verwendete Teile

Rosenfrüchte

Hagebutten bestehen aus einem dünnen Fruchtmantel, der zahlreiche Nussfrüchte schützend umgibt. Sammelnussfrucht nennt der Botaniker diese Besonderheit. Die Nüsschen sind sehr hart, gelblich beige und mehrkantig. Aktuell ist die Verwendung des roten Fruchtfleisches ohne Nüsschen und Haare (= Hagebuttenschalen, Rosae pseudofructus). Früher nutzte man auch die getrockneten Samen (= Hagebuttenkerne/-samen, Rosae fructus). Während Hagebuttenschalenpulver rot gefärbt ist, lässt sich das Samenmehl der gelblichen Farbe erkennen.

Rosenöle

Für das Samenöl nutzt man meist nicht R. canina sondern R. moschata. Beliebt ist es bei Falten und zur Behandlung von Narben. Begehrt auch das duftende ätherische Öl aus Rosenblüten, es wird aus Essigrose und der Damaszener-Rose (R. damascena) hergestellt. Es soll eine beruhigende und stimmungsaufhellende Wirkung entfalten (Aromatherapie).

Rosenblüten

Die Rosenblüten in Teemischungen werden aber meist von der Essigrose (R. gallica) und der gefüllten Kreuzung R. × centifolia genommen. Man nutzt sie auch zur Behandlung von geringfügigen Entzündungen auf der Haut, Mund- und Rachenschleimhaut.

Gewinnung

Die Hagebuttenfrüchte werden geerntet, wenn sie rot werden. Das ist sehr spät im Jahr, etwa Oktober oder November. Sie sollten aber keinen Frost abbekommen, denn dabei verringert sich der Gehalt an Vitamin C, vielen Flavonoiden sowie Antioxidantien.

Wer sich die Zeit nimmt, kann die Heckenrosenfrüchte selbst von den stacheligen Zweigen ernten. Die Zubereitung ist allerdings aufwändig, müssen doch die harten Kerne aus den halbierten Früchten geschabt werden. Die Fruchthälften trocknet man sehr schonend bei 40°C. Die hart gewordenen Hagebuttenschalen können anschließend zu Pulver vermahlen werden.

Heilwirkung von Hagebutte

Arthrose: Entzündung – Schmerzen – Beweglichkeit

In Schweden und Dänemark ist Hagebutte als Mittel bei Gelenkbeschwerden durch Abnutzung in Knie und Hüfte bereits untersucht worden. Selbst wenn Abnutzung (Arthrose) hinter den eigentlichen Beschwerden steckt, ist es die nachfolgende Entzündung, welche die Schmerzen erzeugt. Einige klinische Studien kommen bei Arthrose zu einem positiven Ergebnis. Bei folgenden Kriterien ließ sich bei 65 % der Patienten in Knie und Hüfte eine Besserung zeigen:

  • Verbesserung der Beweglichkeit
  • Linderung des Schmerzes
  • Verbesserungen bei den Alltagsfunktionen

Viele Effekte: Hagebutte übt mehr als nur eine Wirkung aus

Das Pulver der Hagebutte enthält die fettlösliche Substanz Galaktolipid, welche in der Lage ist die weißen Blutzellen zu besänftigen. So fiel in einigen Studien der Entzündungswert im Blut (CRP). Daneben werden bestimmte Entzündungszellen weniger stark von entzündlichen Signalstoffen angezogen oder angeregt, so dass im Endeffekt die Entzündungsaktivität im Gelenk weniger heftig abläuft. Dem Galaktolipid kommen dabei andere Wirkstoffe zu Hilfe. Auch eine antientzündliche Wirkung der Oleanol-, Betulin- und Ursolsäure ist mit Zellkulturtechnik dokumentiert.

Bemerkenswert ist weiter, dass Hagebuttenextrakt Knorpelzellen schützt. Hier zeichneten sich die behandelten Knorpelzellen (Chondrozyten) durch eine höhere Vitalität sowie geringerer Sterberate aus. Dabei konnte auch die zelleigene Produktion von Knorpelbestandteilen gesteigert werden. Relevant auch die verminderte Abbauaktivität der Knorpelzellen (die mit entzündlichen Vorgängen zwangsläufig einhergeht).

Hagebutte kann als nebenwirkungsfreies Lebensmittel oft auch begleitend zu anderen Medikamenten genommen werden. In einigen Studien war es sogar möglich, besonders belastende schulmedizinische Medikamente und Schmerzmittel (Paracetamol), niedriger zu dosieren.

Andere Gelenkbeschwerden

Auch bei nicht spezifischen Kreuzschmerzen scheint das Hagebuttenpulver in Frage zu kommen, das deutet eine neuere deutsche Studie an.

Bei rheumatischer Arthritis ist das Entzündungspotential noch weit höher als bei Arthrose. Eine Studie aus dem Jahr 2011 konnte hier keine Effekte erzielen. Behandelt wurde hier aber nur ein Monat lang. Bei einer anderen 6-monatigen Intervention hat das Fruchtpulver jedoch angeschlagen. Weitere Untersuchungen sind zur Klärung erforderlich.

Erkältungsschutz: Hagebutte fraglich

In der traditionellen Heilkunde wird die Heckenrose zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt. Die vitaminhaltige Frucht soll Erkältungs- und Infektionskrankheiten vorbeugen. Das würde bedeuten, dass die Frucht nicht nur immununterdrückend sondern auch steigernd wirken müsste, also „immunmodulierend“. Abgesehen von dem hohen Vitamingehalt gibt es aber für diese Wirkung keine wissenschaftlichen Belege. In der heutigen Zeit sind wir praktisch zu jeder Jahreszeit mit Vitaminen bestens versorgt, so dass dieser Punkt heute wohl weniger relevant ist.

Anti-Aging mit roten Früchten

Allgemein hat die Anti-Aging-Welle das antioxidative Potential roter/rotvioletter Früchte entdeckt. Aronia, Heidelbeeren, Granatapfel, Holunder, Cranberry sind hochaktuell. Auch die Hagebutte beeindruckt durch ihr antioxidatives Potential. Damit lassen sich schädliche oxidative Stoffwechselprodukte abfangen bevor sie Schaden anrichten. So werden auch die Lipide der Zellmembran und die DNA geschützt. Bei Blutspendern, die Hagebutte einnehmen, platzen weniger Blutkörperchen, so dass die Konserven auch nach Lagerung hochwertiger sind.

Antioxidative Inhaltsstoffe schützen auch vor Gewebeschäden, die Entzündungen, Sauerstoffmangel und viele Gifte begleitend auslösen. Allerdings kam dieser Effekt der Hagebuttenfrüchte nicht in jeder Studie zum Tragen. Der Gehalt der Antioxidantien schwankt sehr stark und hängt von der Reife ab.

Rotbackige Früchte für das Gesicht

Auch vor der Haut macht Hagebutte nicht halt: Weniger Falten, mehr Hautfeuchte und gesteigerte Elastizität – das verspricht zumindest eine dänische Vorstudie zum Thema. Dazu vermutet man einen Nutzen bei Altersflecken, denn ein Hagebuttenextrakt hemmt zumindest in der Zellkultur und bei Meerschweinchen die Bildung des braunen Hautfarbstoffs. Freilich bedarf diese Einschätzung noch weiterer objektiver Tests.

Hagebutte: der Stoffwechselkick?

Hagebutte in konzentrierter Form harmonisiert offensichtlich auch den Stoffwechsel. Hier greift man oft nicht zum Fruchtfleischpulver, sondern konzentrierten Samen- oder Vollfruchtextrakten. Das relevante konzentrierte Flavonoid Tilirosid speichert die Pflanze überwiegend in den Hagebuttensamen.

Der Fett-Burner

Der Extrakt mit dem Inhaltsstoff Tilirosid reduzierte im Tierversuch die Zunahme der Fettpolster und bremste vor allem das besonders schädliche Fett zwischen den Eingeweiden („interviszerales“ Fett). Mechanistisch gesehen scheinen dahinter eine gesteigerte Fettverbrennung sowie eine verminderte Einlagerung von Fett in der Fettzelle zu stecken. Der Inhaltsstoff Tilirosid behindert nebenbei die Zuckeraufnahme. Im Tierversuch wirkt der konzentrierte Gesamt-Fruchtextrakt ausgesprochen antidiabetisch.

Eine japanische Arbeitsgruppe hat jetzt einen ersten Menschenversuch gestartet. Sie gibt zwar keine Gewichtsabnahme zu Protokoll, jedoch vermindertes Fett unter der Bauchdecke. Leider war bei den Blutfetten keine Veränderung festzustellen, wie in einer schwedischen Studie mit dem Fruchtfleisch kürzlich beschrieben wurde. Hier ließ sich immerhin eine Senkung des Gesamt-Cholesterins von ca. 5 % und LDL-Cholesterins von ca. 6 % vermerken. Gefallen war auch der systolische Blutdruck (3,4 %). Rein formal berechnete die Arbeitsgruppe ein 17 %ig vermindertes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Die hohe Dosierung aber lässt aufhorchen. Die Probanden hatten pro Tag 40 g des Hagebuttenpulvers für die Dauer von 6 Wochen konsumiert.

Wirkung auf Darm, Niere und Blase: möglich aber ungeprüft

Blase

Die Volksmedizin lobt die Hagebutte als gutes Mittel bei Nieren- und Blasenbeschwerden. Da die Pflanze harntreibende Flavonoide enthält, gilt der Effekt als durchaus real. Wer es nicht glaubt, probiert es einfach aus. Unsicher aber ist, ob die Hagebutte einen direkten antibakteriellen Effekt aufweist, wie dies etwa bei der Bärentraube oder Kapuzinerkresse der Fall ist. Vermutlich geht der Effekt über eine Entwässerung nicht hinaus.

Niere

Ein Tierversuch lässt ahnen, dass ein alkoholischer Hagebuttenextrakt auch die Bildung von Nierensteinen (Kalzium-Oxalatsteinen) vermindern könnte. Die positive Wirkung von Citrat (dem Salz der Zitronensäure) wird auch in der Medizin gegen Nierensteine genutzt. Zitronensäure zählt zu den vorwiegenden Säuren in der Hagebuttenfrucht.

Magen und Darm

Hagebuttenfrüchte sollen bei Reizdarm, Bauchschmerzen und Geschwüren helfen. Bei der Wirkungen auf den Darm reichen die Angaben von Entspannung der glatten Darmmuskulatur über stuhlregulierend und probiotisch. Pektin haltige, ballaststoffreiche und getrocknete Früchte fördern aber häufig den Stuhlgang. Wenn das auf die Hagebutte auch zuträfe, wäre sie hier keine Ausnahme. Da die Hagebutte Entzündungen lindert, haben mit hoher Wahrscheinlichkeit auch entzündliche Zustände im Darm einen Nutzen davon. Hier liegen die Inhaltsstoffe sogar noch in höheren Konzentrationen vor. Generell wären auch hier mehr Daten jenseits der Spekulation wünschenswert.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Die Dosis von 5 g Hagebuttenfruchtpulver pro Tag wurde in Studien gut vertragen. Nebenwirkungen waren nicht häufiger als bei Placebo-Behandlung. Die Frucht könnte aber in seltenen Fällen Magen-Darmbeschwerden auslösen, vor allem bei sehr hohen Dosierungen (45 g).

Im Gegensatz zu einigen herkömmlichen Arthrosemedikamenten (NSAR) reduziert die Hagebutte die Blutgerinnung nicht. Damit besteht nicht die Gefahr für gefährliche Magen-Darmblutungen.

An sensiblen Hautstellen können die Härchen in den Hagebuttenfrüchten Reizungen hervorrufen. Kinder nutzen die Härchen in den Hagebuttenfrüchten als Juckpulver.

Gegenanzeigen

Es sind seltene Überempfindlichkeitsreaktionen bekannt. Allergien auf Rosengewächse können sich auch auf Hagebutten beziehen.

In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Dosis, die in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind, nicht überschritten werden, denn es fehlen Daten zur Sicherheit.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen sind nicht untersucht, erscheinen aber bei den üblich verwendeten Mengen an Fruchtpulver eher als unwahrscheinlich. Hagebuttenfruchtpulver wirkt weder blutverdünnend noch auf das Enzymsystem, das viele Medikamente abbaut (Cytochrom P450 3A). Es dürfte daher den Abbau von anderen Medikamenten nicht behindern. Dennoch sollten Medikamente nicht zusammen mit Hagebutte eingenommen werden. Es besteht der Verdacht, dass sie die effektive Aufnahme anderer Wirkstoffe reduzieren könnte.

Das Tilirosid aus den Samenextrakten könnte Wechselwirkungen mit dem Abbau anderer Medikamente bewirken.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Produkte im Handel

Hagebuttenpulver wird in vielen Nahrungsergänzungsmitteln gegen Gelenkbeschwerden verarbeitet. Oft sind auch noch weitere Bestandteile zugesetzt, wie der Bindegewebsbestandteil Kollagen und Antioxidantien (Vitamin C und Selen). Damit kann bei schwankendem Vitamin C-Gehalt ein Minimum garantiert werden. Geworben wird nicht nur mit einer optimalen Knorpelernährung sondern auch einer Verbesserung des Haut/Haarzustands.

Fruchtiges Fruchtpulver

Auch der säuerliche Geschmack des Fruchtpulvers ist durchaus tolerabel. Wem der Geschmack nicht zusagt, weicht auf Kapseln aus oder streut das Pulver über Fruchtjoghurt. In Arthrose-Studien wurden pro 5 g des Pulvers in zwei täglichen Portionen in Kapseln gegeben. Der Schmerz dürfte bereits nach 3 Wochen ansprechen, die volle Wirkung entfaltet sich innerhalb von 3-4 Monaten. Bei rheumatischen Problemen war die Dosierung mit 5-10 g pro Tag deutlich höher.

Hausmittel und Rezepte

Tee aus den Hagebuttensamen

Es reichen 1 bis 2 g der getrockneten Hagebuttensamen. Sie werden in einem Mörser grob zerstoßen und mit ein bis zwei Tassen kochendem Wasser übergossen. Nach 10 bis 15 Minuten ist der Tee bereit zum Abseihen. Hagebuttensamen sollen entwässern sowie den Fettzuwachs bremsen.

Tee aus roter Hagebutte

Um die harten getrockneten Fruchtschalten auszulaugen, braucht es etwas Zeit. Etwa 10-15 Minuten Zugzeit muss man rechnen, bis die Früchte (2-5 g pro Tasse) ausreichend Wasser aufnehmen und Inhaltsstoffe freisetzen. Hagebuttenpulver wird zur Geschmacksverbesserung verschiedenen Teemischungen zugesetzt. Der Tee hat eine entwässernde Wirkung. Sinnvoll eingesetzt wird er zum Beispiel bei Ödemen, prämenstruellen Wassereinlagerungen oder der Durchspültherapie bei Harnwegsinfekten.

Aber Achtung: Der Inhaltsstoff Vitamin C ist nicht hitzebeständig. Der Wirkstoff Galaktolipid ist außerdem schlecht wasserlöslich. Wer auf die therapeutische Wirkung gegen Gelenkbeschwerden angewiesen ist, weicht besser auf das schonend getrocknete Hagebuttenfruchtpulver aus.

Wirkstoffe

  • Lipid-Zucker: Galaktolipid
  • Fettsäuren (Samen): gamma- und alfa-Linolensäure, Linolsäure
  • Triterpene (Hagebuttenfruchtpulver): Oleanolsäure, Betulinsäure, Ursolsäure
  • Farbstoffe (Früchte): Carotinoide (Lycopin, Rubixanthin, beta-Carotin)
  • Gerbstoffe (Blütenblätter)
  • Flavonoide (Samen, Fruchtfleisch, Blätter), Tilirosid (nur Samen)
  • Proanthocyanidine (Hagebuttenfruchtpulver)
  • organische Säuren (Hagebuttenfruchtpulver): Äpfel- und Zitronensäure
  • Zucker (Hagebuttenfruchtpulver): Zucker, Pektin
  • ätherisches Öl (Blüten): Geraniol, Nerol, Linalool und Citronellol
  • Vitamine (Hagebuttenfruchtpulver): Vitamin C, Provitamin A, Vitamin E und B-Vitamine.
  • Mineralstoffe und Spurenelemente (Hagebuttenfruchtpulver): (Kupfer, Zink)

Der Vitamin C-Gehalt von frischen Hagebutten kann mit 400-500 mg/100 g etwa 20-mal so hoch liegen wie der von Zitronen.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen

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