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Hopfen

Die kleine Hopfenknospe hat grüne Blätter.
© C. Heyer/PhytoDoc

Beruhigt einschlafen mit Hopfen

Die beruhigende und schlaffördernde Wirkung des Hopfens ist schon seit Jahrhunderten bekannt.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Von: PhytoDoc Redaktionsteam

Dieser Artikel ist eine Gemeinschaftsarbeit des dreiköpfigen Redaktionsteams. Er wurde sorgfältig auf Basis der aktuellen, phytotherapeutischen Fachliteratur erstellt. Dabei obliegt die fachliche Endprüfung dem Heilpflanzen-Experten Prof. Dr. Michael Wink.

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Hopfen: Das Wichtigste im Überblick

Nicht nur für Anhänger der Bierkultur ist Hopfen (Humulus lupulus L.) ein Segen. Bei Nervosität, Angst und Schlafstörungen konnte die Pflanze ihre beruhigende Wirkung schon jahrhundertelang unter Beweis stellen. Die Verdauung wiederum kann durch Hopfen nicht beruhigt, sondern angekurbelt werden. Das liegt am hohen Gehalt von Bitterstoffen. Die Inhaltsstoffe Humulon und Lupulon sollen neben ihren schlaffördernden Eigenschaften außerdem antibakteriell wirken und werden daher im Brauwesen als Konservierungsmittel genutzt. Traditionell wird Hopfen daher auch zur Behandlung von Wunden eingesetzt, wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit fehlen aber bisher. In der Apotheke werden die weiblichen Hopfenzapfen geschnitten oder als Pulver zur Teezubereitung verkauft, am wirksamsten sind jedoch pharmakologische Trockenextrakte in Tablettenform. Hopfen ist unbedenklich und besitzt keine Nebenwirkungen.

Wie gut hilft Hopfen?

Hopfen als Beruhigungsmittel hat eine lange Anwendungstradition. Auf Grund dieser allgemein anerkannten Eigenschaft hat die Kommission E die Wirkung der Heilpflanze Hopfen bei Befindlichkeitsstörungen wie Unruhe, Angstzustände und Schlafstörungen voll anerkannt. Sie ist bisher jedoch nur im Tierversuch nachgewiesen. Klinische Studien am Menschen mit reinen Hopfenprodukten gibt es bisher nicht. In Kombination mit Baldrian nahm die Einschlafzeit in einer kleinen Studie mit je 10 Patienten pro Gruppe von 45 auf 12 Minuten ab. Diese Kombination wirkte deutlich besser als die Baldriangruppe mit 23 Minuten.

Eine Kombination aus verschiedenen anderen beruhigenden Heilpflanzen (Baldrian, Melisse, Passionsblume, Lavendel u.a.) ist sinnvoll, da so bei Beachtung der richtigen Menge - meist ohne eine Zunahme an Nebenwirkungen - häufig eine bessere Wirkung erzielt werden kann.

Die anregende Wirkung auf die Verdauung durch Hopfen ist ebenfalls nicht bewiesen, gilt aber durch den hohen Gehalt an Bitterstoffen als sehr wahrscheinlich.

Substanzen aus dem Hopfen werden derzeit intensiv untersucht. Weitere Eigenschaften der Heilpflanze Hopfen sind bisher in Laborversuchen beschrieben worden: antioxidative und entgiftende Wirkung, Anticancerogene-Wirkung und Hemmung der Krebsentstehung, entzündungshemmende Wirkung und eine antibiotische Wirkung. In Experimenten vermindern Substanzen aus dem Hopfen die Entstehung von Genschäden, verstärken die Wirkung von Antibiotika und Chemotherapeutika. Ohne weitere Versuche können diese Ergebnisse der Heilpflanze Hopfen aber nicht direkt auf den Menschen übertragen werden.

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit
Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
  • Appetitlosigkeit, Anregung der Verdauungssaftsekretion
  • Magenbeschwerden, insbesondere nervöse Gastropathien, nervöser Durchfall
  • neurovegetative Störungen(vegetative Dystonie), nervöse Spannungskopfschmerzen und nervöse Verdauungsstörungen, nervöse Übererregbarkeit, (starke) Nervosität, Managersyndrom, körperliche und nervliche Überlastung, Neurasthenie
  • Reizblase, nächtliches Einnässen
  • Wechseljahrsbeschwerden
Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Dauererektion (Priapismus) und sexuelle Übererregbarkeit (Anaphrodisiacum)
  • Entkräftung, Tonikum
  • Krebs, Hemmung (experimentell)
  • Nervenschmerzen (Neuralgien), MigräneMenstruationsschmerzen

Äußerliche Anwendung

  • Geschwüre, Dermatitis, Ulcus cruris, schlecht heilende Wunden: antibakteriell

Aussehen und Herkunft

Der Hopfen (Humulus lupulus) gehört wie der Hanf (Cannabis) zu der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Die mehrjährige Kletterpflanze bildet jedes Jahr 6 bis 10 m lange nicht verholzende Triebe. Überwintern kann nur das unterirdische Sproßachsensystem (Rhizom). Die Blätter des Hopfens sind mehrfach gelappt sowie gezahnt. Sie sind ebenso wie die Triebe sehr rau, was das Haften am Untergrund erleichtert. Die männlichen und weiblichen Blüten wachsen auf getrennten Pflanzen.

Illustration des Hopfens
© wikimedia - Köhler's Medizinal-Pflanzen 1887

Beim Hopfen werden die unbefruchteten zapfenförmigen, weiblichen Blütenstände verwendet - die „Hopfenzapfen“ (Lupuli strobulus). Sie bestehen aus mehreren kleinen Blüten, die von großen überlappenden Tragblättern verhüllt werden. Zahlreiche orangegelbe Drüsen in den Blüten der Heilpflanze Hopfen geben ein harzartiges Sekret ab. Durch Absieben erhält man die Drüsenhaare (Lupuli glandula), die ebenfalls zur Heilung verwendet werden. Vom Hopfen werden nur die weiblichen Pflanzen kultiviert.

Uralte Kulturpflanze

Hopfen ist eine alte Kulturpflanze und wird seit mehr als 1.000 Jahren angepflanzt. Vom Hopfen sind zahlreiche Rassen bekannt, die sich qualitativ sehr stark in ihren Inhaltsstoffen unterscheiden. Etwa 99% der Hopfenernte findet Verwendung in der Brauerei. Die Inhaltsstoffe des Hopfens, Humulon und Lupulon, sind dabei für das Bier natürliche Konservierungs- und Bitterstoffe. Das ätherische Öl verleiht dem Bier den aromatischen Geruch.

Ein traditioneller Glaube liegt darin, dass Hopfen den Geschlechtstrieb hemmt. Vermutlich wurde deshalb in den Klöstern dem Bier früher Hopfen zugesetzt. Diese Wirkung ist in Anbetracht der schlafanstoßenden, beruhigenden Wirkungen durchaus möglich. Die Hopfenzapfen wurden auch zur Beruhigung von Säuglingen in Kissen eingenäht.

Gewinnung

Hopfen wird auf der Nordhalbkugel von August bis September geerntet. Die Zapfen werden von der Pflanze gepflückt und frisch geerntet mit warmer Luft bei Temperaturen zwischen 30 und 60 °C bis zu einem Wassergehalt von 10 bis 11% getrocknet. Zur Verbesserung der Haltbarkeit wird das Material zusätzlich geschwefelt oder zu Pellets gepresst. Trotzdem erleidet der Hopfen bei Lagerung Qualitätsverluste. Daher verwendet man häufig anstelle von getrocknetem Hopfen Extrakte.

Zur Herstellung des Trockenextrakts wird das getrocknete Material zu einem Pulver zermahlen und mit Alkohol oder überkritischem CO2 extrahiert.

Heilwirkung von Hopfen

Laut Volksmedizin besitzt Hopfen antibakterielle, krampflösende, appetitfördernde und hormonartige Eigenschaften. Die therapeutischen Anwendungsschwerpunkte liegen heutzutage auf den schlafanstoßenden und beruhigenden Effekten.

Hopfen zur Beruhigung

Die beruhigende Aktivität beruht anscheinend auf 2-Methyl-3-buten-2-ol. Dieser Stoff ist im Hopfen zunächst gar nicht vorhanden und entsteht bei der Lagerung oder erst im Körper aus den Inhaltsstoffen Humulon und Lupulon. Hopfen ist nicht nur schlaffördernd, sondern soll auch bei Beschwerden beim Wasserlassen (Miktionsbeschwerden) krampflösend und beruhigend wirken.


Antibakterielle Wirkung

Die genannten Verbindungen Humulon und Lupulon wirken in Laborversuchen antibakteriell. Der Hopfen eignet sich daher auch als Konservierungsmittel. Diese Wirkung ist seit langem bekannt und wird in der Brauerei genutzt. Die keimhemmende Eigenschaft des Hopfens kann aber auch zur Behandlung von Wunden eingesetzt werden.


Hopfen enthält Östrogen

Neuerdings wurde im Hopfen auch eine östrogenartige Substanz nachgewiesen. In Laborversuchen zeigte sich, dass dies die stärkste östrogenartige Wirksamkeit ist, die man aus dem Pflanzenreich kennt (sie ist jedoch viel geringer als die des natürlichen Östrogens). Dieser Befund erklärt die traditionelle Nutzung des Hopfens bei Wechseljahrbeschwerden und die Zyklusanomalien von Hopfenpflückerinnen. Eine Östrogenwirkung könnte auch für die Entstehung einer weiblichen Brustform bei Männern mit erhöhtem Bierkonsum mitverantwortlich sein.


Hopfen für den Magen

Seit langer Zeit wird er als traditionelles bitteres Tonikum verwendet. Die Bitterstoffe regen den Appetit und die Magensaftsekretion an.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Bei Hopfenpflückern kann der Kontakt mit dem frischen Hopfenzapfen zu einer allergischen Reaktion, der so genannten Hopfenpflückerkrankheit führen. Sie äußert sich mit Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Dermatitis und Gelenkbeschwerden. Man vermutet, dass der sensibilisierende Stoff beim Trocknen zerstört wird. Zudem haben die Hopfenpflückerinnen häufig Zyklusanomalien

Giftwirkungen sind vom Hopfen nicht bekannt.

Wechselwirkungen

Wegen der hemmenden Wirkung auf bestimmte Stoffwechselwege (Cytochrom- P450-System), die auch Medikamente ab- und umbauen, ist eine Wechselwirkung mit anderen Arzneimitteln wahrscheinlich. Genauere Daten hierzu liegen jedoch nicht vor.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Hopfenzapfen sind als geschnittenes Material, zerstoßenes Pulver für Abkochung oder Teeaufguss sowie als Trockenextrakt in Form von Tabletten verfügbar. Als beste Form gilt ein pharmakologischer Trockenextrakt.

Der Teeaufguss schmeckt bitter, weswegen man meist Mischungen mit Passionsblumenkraut, Melissenblättern und Lavendelblüten einsetzt, die ihrerseits die beruhigende Wirkung verstärken.

Hopfen wird gerne auch als Badezusatz oder in der Aromatherapie verwendet.

Dosierung

Hopfenzapfen oder Hopfenblüten

Tee:

0,5 g getrocknete Hopfenzapfen in 150ml siedendem Wasser aufgießen. Ein bis mehrfach täglich von diesem Tee trinken. Zur Anregung der Verdauung am Besten vor dem Essen, zur Förderung des Schlafs vor dem Zu-Bett-Gehen

Tinktur:

1- 2 ml der Tinktur (1:5) ein bis mehrfach täglich einnehmen.

Wirkstoffe

  • Hopfen-Bitterstoffe (5% bis 20% je nach Sorte): prenylierte Derivate von 1-Acylphloroglucinol mit Lupulon und Humulon als Hauptwirkstoffen
  • Phenole (2–4%): Flavonoide: Glycoside des Quercetins und Kämpferols, Chalkone; ferner Rutin, Quercetin, außerdem Procyanidin, Prodelphinidin und andere Gerbstoffe
  • ätherisches Öl (1%): Caryophyllen, Humulen und ß-Myrcen als Hauptterpene

Bei der Lagerung bildet sich ein C5-Alkohol, 2-Methyl-3-buten-2-ol, ein Stoff mit beruhigenden Eigenschaften.

Für den charakteristischen Geruch ist das Myrcen und Linalool verantwortlich.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen
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