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Kalmus

Kalmus ist ein Schilfgewächs.

Appetitanreger Kalmus

Kalmus kann als appetitstimulierendes Mittel verwendet werden sowie bei verschiedenen Magen-Darmbeschwerden. Leider ist die ganze Heilpflanze in Verruf geraten, da die indische Varietät ("Jammu-Qualität") einen krebserregenden Inhaltsstoff besitzt.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Kalmus kompakt: Die wichtigsten Fakten

Kalmus (Acorus calamus), bei uns auch als Magenwurz oder deutscher Ingwer bekannt, ist eine schilfartige Sumpfpflanze, deren Heimat Asien ist. Er verbreitete sich aber auch in anderen Kontinenten wie Nordamerika und Westeuropa. Wahrscheinlich wurde der Kalmus bei uns im 16. Jahrhundert heimisch.

Kalmuswurzelstock ist eine wirksame Heilpflanze bei Magen-Darm-Problemen wie Magenschleimhautentzündung, Völlegefühl und Koliken des Magen-Darm-Trakts. Eine sehr lange Anwendungstradition gibt es in Indien und China (TCM). In diesen Ländern kommt allerdings eine Kalmus-Varietät zum Einsatz (tetraploider Kalmus), bei der der Wirkstoff β-Asaron mit über 80 Prozent vorkommt. Diese so genannte Jammu-Qualität ist im Tierversuch krebserregend und darf bei uns nicht verwendet werden. Die Ware aus dem nordamerikanischen, diploiden Kalmus, der bei uns kultiviert wird, enthält nur Spuren von Asaron und wird als sicher eingestuft. Achten Sie daher auf Produkte, die den diploiden Kalmus garantieren. Ebenso sollten die Nebenwirkungen beachtet werden.

Wie gut hilft Kalmus?

Kalmus kann als appetitstimulierendes Mittel verwendet werden sowie bei verschiedenen Magen-Darmbeschwerden (nervöser Reizmagen, Völlegefühl, Blähungen). Kalmus ist krampflösend und wird traditionell bei Asthma, Krampfhusten und Magen-Darmkrämpfen eingesetzt. Besonders empfehlenswert ist die Kalmuswurzel bei Appetitlosigkeit (auch begleitend bei Magersucht).

Da Kalmus aufgrund des kanzerogen wirkenden indischen Kalmus insgesamt in Verruf geraten ist, wurde die Heilpflanze von der Kommission E nicht bearbeitet, obwohl es eine ungefährliche nordamerikanische Varietät gibt.

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit

  • Bisher keine, da von der Kommission E aus "unerklärlichen Gründen" wie Prof. Schilcher schreibt, nicht bearbeitet wurde.

Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
  • Appetitlosigkeit (da sekretanregend),
  • Hypochlorhydrie, zu wenig Magensäure
  • Hypotonie
  • Blähungen, Völlegefühl, nervöser Reizmagen
  • Koliken des Magen-Darm-Trakts, Motilitätsstörungen
  • Magenschleimhautentzündung, Magenkrämpfe
  • Magersucht, begleitend
Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial

Botanik: Aussehen und Verbreitung

Der Kalmus aus der Gattung Acorus gehört zu der Familie der Acoraceae. Die schilfartige Wasserpflanze ist mehrjährig und hat einen langen, kriechenden, wurzelartigen Sproßabschnitt (Rhizom) und breite (> 15 mm), aromatische Blätter mit einer deutlichen Mittelrippe. Die winzigen Blüten des Kalmus sitzen in einem länglichen, walzenförmigen Blütenkolben. Die europäische Art (A.calamus) ist aber steril und vermehrt sich nur ungeschlechtlich (vegetativ).

Die zweite Art, der Grasblättrige Kalmus (A. gramineus Ait.), ist fruchtbar und wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet. Im Gegensatz zum A. calamus charakterisieren ihn nicht-aromatische, schmale Blätter (<10 mm), ohne eine deutliche Mittelrippe. Gärtner schätzen die gezüchteten Zierformen. Pharmakologisch interessant ist die Wurzel (Rhizom).

Der Kalmus ist von Indien bis Neuguinea verbreitet. In den nördlichen, gemäßigten Klimazonen ist er aber vermutlich eingebürgert. Der Grasblättrige Kalmus ist in China, Japan und Südostasien heimisch.

Die umgangssprachliche Bezeichnung als Gewürzkalmus und Deutscher Ingwer kommt von der Verwendung des Kalmus als Gewürz. Man nutzt ihn zum Würzen von Rohkost, Salaten und Kompott oder als Ersatz für Ingwer. Der Name Magenwurz erinnert an die Anwendung bei Verdauungsproblemen.

Gewinnung

Der wurzelartige Sprossabschnitt wird im Herbst gesammelt und getrocknet. Für die Tinktur wird das Material zerkleinert und mit Alkohol extrahiert.

Für das Kalmus-Öl werden die frischen oder getrockneten Kalmus-Wurzelstöcke ausgepreßt und das Öl per Wasserdampfdestillation oder Extraktion isoliert.

Heilwirkung von Kalmus

Verdauungsfördernd und Blähungsmildernd

Die aromatischen, bitter schmeckenden Rhizome des Kalmus werden traditionell als verdauungsförderndes und blähungslinderndes Mittel verwendet: Kalmusextrakte stimulieren die Darmbewegung und das ätherische Öl sowie die Bitterstoffe fördern die Sekretion von Verdauungssäften. Die Schleimstoffe wirken zusätzlich reizmildernd.

Krampflösende Wirkung

Auch als krampflösendes Mittel ist der Kalmus bei Koliken und Gastritis geeignet. Der Kalmus lindert nicht nur Magenkrämpfe, sondern erleichtert auch die Beschwerden bei Asthma. Die krampflösenden Eigenschaften des ätherischen Öls und die beruhigende Wirkung des Inhaltsstoffes β-Asaron wurden nachgewiesen. Dieser Stoff ist jedoch wegen seiner kanzerogenen Wirkung in Verruf geraten.

Nervenstärkung

Kalmus soll stärkend auf das Nervensystem wirken und wird daher in der ayurvedischen und Traditionellen Chinesischen Medizin angewendet. In Tierversuchen konnte man diese Eigenschaften bestätigen. Man findet sedierende, krampflösende und aggressionsdämpfende Eigenschaften.

Antimikrobielle Wirkung

Asaron und die Monoterpene besitzen außerdem antimikrobielle Eigenschaften gegen Bakterien, Pilze und Hefen. Das erklärt die Anwendung bei Infektionen des Magen-Darmtrakts.

Insektizid

Vor allem das Kalmus-Öl wirkt gegen einige Insekten als Gift- und Schreckstoff, sowie gegen parasitierende Würmer. Das Öl ist wegen des hohen Preises und der im Vergleich zu synthethischen Mitteln schwachen Wirkung aber nur bedingt als Insektizid geeignet.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

In vielen Ländern wird Kalmus in verdauungsfördernden Mitteln nicht länger verwendet, da Tierversuche ergaben, dass beim indischen Kalmus mit seinem hohen β-Asaron-Gehalt schädliche Nebenwirkungen auftreten können: β-Asaron ist mutagen und fruchtschädigend. Die bei uns kulitivierte nordamerikanische Varietät ist β-asaronfrei. Produkte mit Asaronwerten unter 0,5% sind zugelassen.

Vor einer Anwendung in der Schwangerschaft wird gewarnt!

Auch Kinder sollten nicht mit Kalmuszubereitungen behandelt werden.

Praktische Anwendung: Produkte & Dosierung

Kalmus-Öl ist eine gelbe bis braungelbe, dickliche Flüssigkeit von würzigem Geruch und bitterlichem, brennendem Geschmack. Bei uns werden Tinkturen des nordamerikanischen, diploiden, β-asaronfreien Kalmus eingesetzt; das Produkt sollte mindestens 3–4 % ätherisches Öl enthalten. Traditionell verwendet man getrocknete oder kandierte Wurzelabschnitte (Rhizom), die gekaut oder als Tee zubereitet werden.

Das Öl der indischen tetraploiden Art sollte nicht verwendet werden ("Jammu-Qualität"), denn es ist wegen des hohen Gehalts an β-Asaron giftig (akut, chronisch, fruchtschädigend, erbgutschädigend und krebserregend).

Dosierung und Anwendung

Innerliche Anwendung:

  • Teebereitung: 2 Teelöffel (etwa 3 Gramm) zerschnittener und geschälter Kalmuswurzelstock mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen, etwa 15 Minuten ziehen lassen, dann abseihen. Nach dem Abseihen muss der Tee lauwarm getrunken werden.
  • Kaltaufguss: 2 Teelöffel zerkleinerte Droge pro Tasse kalt ansetzen, nach 30 min kurz aufkochen und zu den Mahlzeiten eine Tasse Tee trinken.
  • Kalmus-Tinktur: 10-20 Tropfen
  • Kalmus Extrakt: 0,1 g

Äußerliche Anwendung:

  • Kalmus-Spiritus zum Einreiben: unverdünnt einsetzen
  • Kalmus-Öl als Badezusatz: 2,5 g auf ein Vollbad
  • Getrocknete Wurzel als Badezusatz: 100 g getrocknete, ungeschälte Wurzel 10 Minuten lang mit 1 Liter Wasser kochen, dann abseihen. Die abgeseihte Flüssigkeit reicht für ein Vollbad. Das Kalmus-Bad wirkt anregend und sollte deshalb nicht am Abend gemacht werden.

Wirkstoffe

  • etherisches Öl: Alle Pflanzenorgane enthalten ätherisches Öl mit Monoterpenen (Farnesen, Geranylacetat, Camphen, p-Cymen, Linalool), Sesquiterpene (Acorenon); insbesondere Phenylpropanderivate (&#946;-Asaron = cis-Isoasaron) bei der indischen Varietät. Die verschiedenen Arten unterscheiden sich auch in den Inhaltsstoffen.
  • Schleimstoffe
  • Gerbstoffe

Quellen/Weitere Informationen

Quellen