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Kapuzinerkresse

Die Kapuzinerkresse fällt mit ihren orange leuchtenden Blüten auf.

Scharfe Antibiotika in Kapuzinerkresse

Die Senföle gelten als pflanzliche Antibiotika und werden bei Blasenentzündung & Erkältung eingesetzt.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Kapuzinerkresse: Das Wichtigste im Überblick

Die Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) stammt ursprünglich aus Peru. Die Blüten und Blätter sind essbar und finden Verwendung in der Küche, zum Beispiel als Dekoration in Salatzubereitungen. Die Blätter der Kapuzinerkresse lassen sich darüber hinaus auch zu pharmakologischen Zwecken verarbeiteten. Als Arzneipflanze wird die Kapuzinerkresse wegen ihrer antibiotischen Wirkung geschätzt, die auf die Senföle zurückzuführen ist.

Vermutlich wirkt sie außerdem antiviral. Sie hilft daher bei verschiedenen Beschwerden wie Blasenentzündungen, Bronchitis, Schnupfen und Sinusitis. Äußerlich angewendet nutzt man die durchblutungsfördernde Wirkung der Senföle bei Prellungen und Sportverletzungen. Beliebt ist die frische Heilpflanze samt Frischpflanzenpresssaft, höher dosiert sind pflanzliche Präparate aus der Apotheke. 

Kapuzinerkresse ist gut verträglich, besitzt dennoch wenige, zu beachtende Nebenwirkungen.

Wie gut hilft Kapuzinerkresse?

Der scharfe Geschmack der Kapuzinerkresse wird wie bei den verwandten Kreuzblütlern (Kresse, Rettich, Radieschen, Rucola, Meerrettich und Senf) durch Senföle verursacht.

Senföle werden seit Jahrhunderten zur Behandlung von Infektionen der oberen Atemwege (Bronchitis, Nebenhöhlenentzündung), der Haut und Harnwege (Blasenentzündung) eingesetzt. Während man zur antibiotischen Wirkung schon klarere Vorstellungen hat, gibt es zur antiviralen Wirkung vorläufig nur Hinweise. Erste klinische Versuche bestätigen die Wirksamkeit einer Kombination aus Kapuzinerkresse und Meerrettich bei Sinusitis, Bronchitis oder Blasenentzündung. Das Produkt war dabei gut verträglich. Insgesamt wären mehr hochwertige Studien wünschenswert (verblindet, randomisiert, unabhängig).

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit
Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
  • Grippe (fraglich)
  • Soorinfekte mit Candida
Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial

Wie sieht Kapuzinerkresse aus?

Die Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) ist eine einjährige, weitkriechende mitunter auch kletternde Pflanze aus der Familie der Kapuzinerkressengewächse (Tropaeolaceae). Sie hat runde, schildförmige Blätter mit einem exzentrischen Nabel und speichenartiger Äderung. Die Blätter zeigen den bekannten „Lotoseffekt“: sie sind mit Wachs imprägniert, so dass Wasser sofort tropfenförmig abläuft. Das Blatt bleibt immer trocken und sauber.

Die auffälligen Blüten der Kapuzinerkresse mit den gestielten Blütenblättern sind häufig orangerot, oft auch gelb oder dunkelrot. Drei der Kelchblätter bilden einen gekrümmten Honigsporn, welcher süß-scharfen Nektar enthält. Die dreiteiligen, rundlichen und gerippten Früchte schwimmen wegen des schwammigen Gewebes. So können sie auch über Gewässer verbreitet werden. Die Pflanze ist nicht winterhart, manchmal überstehen aber einigen Samen einen milden Winter. In ihrer peruanischen Heimat aber ist Kapuzinerkresse eine ausdauernde Pflanze.

Heimat: Südamerika

Die Kapuzinerkresse kommt ursprünglich aus Peru, sie ist aber schon seit dem 17. Jahrhundert in Europa eine beliebte Gartenpflanze; mittlerweile sind viele Arten und gezüchtete Sorten verbreitet.

Essbare Blüten

Kapuzinerkresse kann als Salatkraut verzehrt werden, besonders dekorativ sind auch die essbaren Blüten im Salat. Die Knospen kann man auch als Ersatz für Kapern in Essig einlegen.

So sehen Blüte, Knospe und Blätter aus

Kapuzinerkresse: Ernte und Gewinnung des pharmazeutischen Rohstoffs

Medizinisch verwendet werden die frischen oder getrockneten Blätter der Kapuzinerkresse (Tropaeoli herba).

Die oberirdischen Bestandteile erntet man von Mai bis zum Frost im Oktober.

Aus dem zerkleinerten frischen Kraut isoliert man das ätherische Öl durch Wasserdampfdestillation mit anschließendem Aussalzen und Ausschütteln des Destillats. Benzylisothiocyanat macht den größten Teil davon aus (90%).

Eine Fermentation der zerkleinerten Krauts (Autolyse) erleichtert die Freisetzung des Öls in der Wasserdampfdestillation.

Heilwirkung von Kapuzinerkresse

Antibiotika aus der „Grünen Apotheke“

Die Kapuzinerkresse produziert als Fraßschutz Senfölglycoside (Glucosinolate). Sie werden in der Vakuole gespeichert. Erst beim Verletzen der Zellen entstehen daraus durch ein Enzym die scharf schmeckenden Senföle (Isothiocyanate). Sie sind sehr reaktiv und für viele Organismen giftig, denn sie reagieren mit Proteinen auf der Oberfläche von Krankheitserregern, so dass diese geschädigt werden. Daher gelten Senföle als „natürliche“ Antibiotika.

Entscheidend für die Wirkung sind drei Faktoren:

  1. Es müssen ausreichend Isothiocyanate aus den Glucosinolaten gebildet werden. Wenn das natürliche Enzym zum Beispiel durch Kochen inaktiviert ist, besteht immer noch die Möglichkeit, dass die Isothiocyanate durch die Aktivität der Darmflora freigesetzt werden. Effektiver ist aber „frisches Material“ (Spross). Hiervon werden wesentlich mehr Senföle aufgenommen. Bei Supplementen mit gepulverten Kreuzblütlern ist eine 5-8 mal niedrigere Aufnahme messbar. Außerdem gibt es bei der Aufnahme von Isothiocyanaten individuelle Unterschiede beeinflusst durch die Gene und die Darmflora der Probanden.
  2. Die Dosis macht das Gift: Niedrige Konzentrationen hemmen bakterielles Wachstum, höhere können die Organismen sogar abtöten, doch gibt es eine Obergrenze: Zu hohe Mengen schädigen auch menschliche Zellen. Dennoch haben sie einen Pluspunkt: während viele Bakterien gegen Antibiotika resistent geworden sind, wurden gegen Senföle bisher keine Resistenzen festgestellt!
  3. Nicht jeder Organismus ist auch empfindlich: Laboruntersuchungen konnten aber zeigen, dass Senföle ein sehr breites Spektrum von Modellerregern erreichen: Unter den empfindlichen Keimen sind Krankheitserreger, wie sie bei Nasennebenhöhlenerkrankungen (Streptococcus pneumoniae, Hämophilus influenzae, Pseudomonas aeruginosa), Bronchitis (Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis, Staphylokokken) und Blasenentzündung (Klebsiella pneumoniae) gefunden werden. Allerdings sprechen manche Bakterien vergleichsweise wenig darauf an (wie verschiedene Darmkeime, Streptococcen und Enterococcen). Ob ein Präparat mit Kapuzinerkresse hilft, dürfte daher auch vom jeweiligen Krankheitskeim abhängen.

Pilze und Viren

Auch gegen den Pilz Candida wirkt das Kraut. Eine antivirale Wirkung wird ebenfalls von der Tradition seit langer Zeit angenommen, erste Zellkulturuntersuchungen weisen ebenfalls in die Richtung: Dabei war eine Mischung aus den Senfölen von Kapuzinerkresse und Meerrettich besonders gründlich. Die Frage, welche Erkältungs-/Grippeviren darauf ansprechen, ist noch nicht hinreichend geklärt. Ganz einfach ist die Situation ohnehin nicht, denn ungeklärt bleibt, ob sich die antiviralen Erfolge auch einstellen, wenn man ein entsprechendes Präparat schluckt. Die Zeichen dafür stehen aber gut:

Senföle erreichen Haut, Lunge und Harnblase

Äußerlich behandelt man in der Heimat mit der Kapuzinerkresse auch Hautkrankheiten und Wunden. Senföle werden aber auch aus dem Darm leicht aufgenommen und sind dabei gut verträglich. Die physiologische Darmflora wird offensichtlich dadurch nicht gestört. Über das Blut verbreiten sie sich im Körper. Besondere hohe Konzentrationen erreichen sie in Lunge, und den Harnwegen, kurz bevor sie ausgeschieden werden. Daher eignet sich die Pflanze zur Bekämpfung infektiöser Erkrankungen dieser Organe wie Bronchitis und Blasenentzündung besonders gut.

Wehret den Anfängen…

Wenn eine Erkältungswelle anrollt, hört man dies meist sehr deutlich: dann niesen und husten die Mitmenschen in der Umgebung. Kapuzinerkresse und Meerrettich helfen besonders gut vorbeugend, das belegen klinische Studien. Leider war die Dauer und Schwere eines ausgebrochenen Atemwegsinfekts nicht mehr beeinflussbar. Da heißt es, schnell handeln!

Kampf den Komplikationen…

Allerdings: Wenn sich die Erkältung zu einer Bronichits oder Sinusitis ausgeweitet hatte (mit vermutlich bakterieller Superinfektion), ist ein Ansprechen wiederum belegt: Studien des Herstellers untersuchten die Wirkung einer Mischung aus Kapuzinerkresse und Meerrettich bei Entzündung der Nebenhöhlen, Bronchitis und Infektionen des Harntrakts. Der Behandlungserfolg war bei Kindern und Erwachsenen mit einer Antibiotikatherapie vergleichbar.

Blaseninfektionen tendieren, vor allem bei Frauen, zu einer chronischen Entwicklung. Die Behandlung ist langwierig und kompliziert. Hier kann das Präparat mit Kapuzinerkresse und Meerrettich auch vorbeugend gegen Rückfälle eingesetzt werden.

Immunstimulierend

Neben der spezifischen Wirkung gegen Krankheitserreger wurde auch eine stimulierende Wirkung auf das Immunsystem festgestellt.

Reizende Effekte

Auch mit den Zellen der Haut und Schleimhaut reagieren die Senföle, daher kann es zu starken Reizungen kommen. Meist sind diese unerwünscht, jedoch kann der Effekt auch gezielt eingesetzt werden. Ihn nutzt man zum Beispiel, um Muskelbeschwerden zu lindern. Mit Senfölen kann man einen reizenden, durchblutungsfördernden Effekt auszulösen (Counterirritans-Effekt). Durch Schmerzreize und die Reaktionen des Körpers hierauf kann eine generelle Schmerzlinderung erzielt werden.

Auch bei Erkältungen kann eine Reizung sinnvoll sein: In der Lunge fördert die Reizung mit Senfölen die Produktion von flüssigem Schleim und das Abhusten. Dieser Effekt wird auch über die Reizung des „Nervus vagus“ im Magen ausgelöst.

Krebs

In neuerer Zeit wird auch eine mögliche Antikrebswirkung von Benzylisothioyanaten untersucht. Im Reagenzglas hat man eine Hemmung der Zellteilung beobachtet sowie eine Verstärkung des „induzierten Zelltods“ (Apoptose). Tierversuche zeigten eine Reduktion der Metastasebildung. Außerdem scheinen Benzylisothioyanate die Empfindlichkeit von Tumorzellen gegen Bestrahlung zu verstärken. Für ernsthafte Therapieempfehlungen ist es derzeit aber noch zu früh.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Kapuzinerkresse gibt es als pflanzliches Fertigarzneimittel in Form von Kapseln und Tabletten und als homöopathische Tinktur. Die enthaltenen Senföle werden am besten vertragen, wenn sie nach dem Essen in magensaftunlöslichen Weichgelatinekapseln eingenommen werden.

Dosierungsempfehlung: Bezogen auf den Hauptinhaltsstoff Benzylsenföl sollten pro Einzeldosis 14,4 mg Senföl enthalten sein. Pro Tag werden drei Einzeldosen eingenommen.

Beachten Sie außerdem die jeweiligen Dosierungshinweise auf dem Beipackzettel.

Außerdem wird der Frischpflanzenpresssaft aus Blättern und Blüten angeboten. Hier sollten pro Tag nur 30 g in drei Einzeldosen eingenommen werden.

Anwendungsdauer: Kapuzinerkressenkraut ist durch das frei werdende Senföl eine die Schleimhaut reizende Droge und darf nicht länger als 4 bis 6 Wochen angewendet werden.

Hausmittel und Rezepte

Wer einen Tee zubereiten möchte, übergießt 3 bis 30 g frische Blätter mit heißem, aber nicht kochendem Wasser und trinkt davon 2 bis 3 Tassen pro Tag. Bei längerem Kochen verliert die Kapuzinerkresse ihre Wirksamkeit.

Besonders lecker und auch etwas fürs Auge sind die Blüten als Dekoration in Salaten oder Dips.

Tipp: Rezept für ein schnelles, gesundheitsförderndes Mixgetränk

4 Zweige Kapuzinerkresse (Blätter und Blüten) mit 140 ml Milch, 3 EL Naturjoghurt und 10 ml Mangosirup mixen und mit Blüten dekorieren.
Wohl bekomm’s!

Wirkstoffe

Kraut:

  • ätherisches Öl: Benzylglucosinolat (= Glucotropaeolin), das durch das Enzym Myrosinase zu Benzylisothiocyanat (= Benzylsenföl) umgesetzt wird.
  • organische Säuren: Oxalsäure
  • Vitamine: Vitamin C (Blätter und Blüten)
  • Polyphenole: darunter Chlorogensäure, Quercetinglucosid
  • Enzyme: Myrosinase, β-Glucosidase, β -Galactosidase, β-Fructofuranosidase, α -1,1-Glucosidase (= Trehalase)

Blüten:

  • Anthocyane vom Cyanidin- und Pelargonidintyp
  • Carotinoide: Lutein und Zeaxanthin, α -, β- und γ-Carotin

Früchte:

  • Chlorogensäuren 
  • Cucurbitacine B, D und E
  • Öle (Samen) mit folgenden Fettsäuren: Erucasäure (= 13-cis-Docosensäure), 11- cis-Eicosensäure, Ölsäure, Linolsäure, Palmitinsäure und Stearinsäure

Quellen/Weitere Informationen

Quellen
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