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Kava

Aus der Kava Kava Pflanze werden Aufgüsse gewonnen.
© stock.xchng

Kava Kava: Bester pflanzlicher Angstlöser

Kava-Kava wurde als pflanzliches Medikament von vielen Ärzten über Jahrzehnte hinweg als wirksames angstlösendes Mittel verordnet. Aufgrund des möglichen Risikos einer Leberschädigung kam es 2019 zum Widerruf der Zulassung. Fachleute und Ärzte haben diese Entscheidung schwer kritisiert. Kava-Kava ist allerdings weiterhin in homöopathisch hergestellten Präparaten ab D5 erhältlich.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Von: PhytoDoc Redaktionsteam

Dieser Artikel ist eine Gemeinschaftsarbeit des dreiköpfigen Redaktionsteams. Er wurde sorgfältig auf Basis der aktuellen, phytotherapeutischen Fachliteratur erstellt. Dabei obliegt die fachliche Endprüfung dem Heilpflanzen-Experten Prof. Dr. Michael Wink.

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Kava Kava: Das Wichtigste im Überblick

Kava Kava-Verbot 2019 in der Kritik

Im Juni 2002 ordnete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nach einzelnen Todesfällen wegen Leberversagens ein Ruhen der Zulassung an, die 2015 zunächst aufgehoben wurde. Mit Bescheid vom 20. Dezember 2019 hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nun das endgültige Aus angeordnet. Das BfArM hält auf Grund der in der Zwischenzeit eingereichten Unterlagen und Untersuchungen die Entscheidung aus dem Jahr 2002 weiterhin für richtig und blieb bei seiner negativen Nutzen-Risiko-Bewertung [4].

Fachleute und Ärzte haben diese Entscheidung schwer kritisiert. Kava Kava sei bezüglich seines Nutzens deutlich synthetischen Mitteln überlegen und hat dabei ein vergleichsweise geringes Risiko unerwünschter Wirkungen (mehr dazu hier >). Es liegen Vorschläge vor, Kava-Kava unter ärztlicher Verschreibungspflicht in der Medizin wieder einzuführen. Eine genauere Untersuchung bemängelte, dass nur in wenigen Fällen die Einnahme von Kava-Extrakt als Ursache für das Leberversagen dokumentiert ist. In den anderen Fällen könnten andere hepatotoxische Arzneimittel, Alkohol oder Hepatitis-Infektionen zum Leberversagen geführt oder beigetragen haben.

Homöopathische Produkte ab D5 weiterhin erhältlich

Nicht betroffen vom Stopp waren von Anfang an Arzneimittel, die als homöopathische Arzneimittel gelten und Kava-Kava-Zubereitungen in einer Endkonzentration enthalten, die geringer ist als die vierte Dezimalpotenz (D4). Homöopathisch hergestellte Präparaten ab D5 sind also weiterhin erhältlich.

Wie wirksam ist Kava Kava?

Die Wirkung von Kava Kava gegen Angst, Spannungs- und Erregungszustände, Schlafstörungen sowie Depressionen und psychosomatische Beschwerden ist hinreichend belegt.

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit
  • nervöse Angst (bester pflanzlicher Angstlöser)
  • Spannungszustände, Unruhe
Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial

Aussehen und Herkunft

Es gibt männliche und weibliche Pflanzen, aber nur die männlichen Pflanzen blühen. Falls an den weiblichen Pflanzen Blüten entstehen, sind diese steril, so dass die Pflanze vegetativ vermehrt werden muss. Kava Kava wurde vermutlich von der Wildform P. wichmannii C. DC. gezüchtet. Andere Autoren spekulieren über eine natürliche Kreuzung verschiedener Arten, denn Hybriden sind häufig steril.

Nur vegetative Vermehrung möglich

Illustration der Kava Kava-Blätter und des Wurzelstocks
© wikimedia/C. Darwin

Kava Kava ist ein immergrüner, 3 bis maximal 7 Meter hoher Busch mit sehr großen, herzförmigen, stark geaderten Blättern. Die Heimat dieses Pfeffergewächses ist der pazifische Raum.

Wo wächst Kava-Kava?

Das vertriebene getrocknete Material kommt größtenteils aus Kulturen von Polynesien (Tonga, Western Samoa) und Melanesien (Vanuatu, Fidschi-Inseln).

Pfeffer als Nutzpflanze

Aus der Familie der Pfeffergewächse (Piperaceae) gibt es mehrere Nutzpflanzen, z.B. Schwarzen Pfeffer, der als Gewürz verwendet wird und Betelpfeffer, dessen Blätter man als Genussmittel konsumiert.

Gewinnung von Kava

Bei Kava Kava erntet man die Wurzel: Die mächtigen verzweigten und saftigen Wurzelstöcke können bis zu 10 Kilogramm wiegen (Kava Kavawurzelstock –Piperis methystici rhizoma). Die Wurzeln werden gewaschen. Noch frische Wurzeln schält man, kleinere Wurzeln entfernt man und schneidet den Rest in Längs- und Querstücke. Anschließend werden sie getrocknet.

Heilwirkung von Kava

Kava-Kava hilft bei Angst und Depression

Die Wirksamkeit von Kava Kava bei Patienten mit Angst-, Spannungs- und Aufregungszuständen oder Depressionen ist die am besten belegte Wirkung. Hierzu liegen mehrere klinische Studien vor. Allerdings muss das Präparat für eine längere Zeit eingenommen werden. Nach einer Woche werden die Beschwerden in der Regel besser, die maximale Wirkung tritt nach 4 Wochen ein. Auch bei psychosomatischen und klimakterischen Beschwerden liegen positive Anwendungserfahrungen vor.

Von vielen Ärzten wurde Kava Kava als wirksame pflanzliche Alternative zu den synthetischen angstlösenden Mitteln, wie Benzodiazepinen, eingesetzt; gegenüber dem chemischen Mittel hat Kava Kava einen entscheidenden Vorteil: die Pflanze macht nicht abhängig, weder auf körperlicher, noch auf psychischer Ebene.

Wirkstoffe sind die Kavalactone

Kavalactone binden an verschiedene Nervenzellen und üben dabei eine gefühlsdämpfende Wirkung aus. Das führt zu beruhigenden, ruhigstellenden, schmerzlindernden und muskelentspannenden Effekten. Dazu kommen angstlösende und antidepressive Effekte.

Schlaf

Auch alle Aspekte eines gesunden Schlafs wurden durch Kava Kava unterstützt (zum Beispiel schnelleres Einschlafen, längerer Tiefschlaf). Dabei wurde die Traumphase nicht beeinträchtigt, wie das bei chemischen Mitteln häufig geschieht. Daher hat „künstlicher“ Schlaf oft keine ausreichend erholsame Wirkung.

Beruhigend versus anregend

Kava-Extrakte verursachten bei den Teilnehmern keine Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft. Im Gegenteil: es gibt Hinweise auf eine erhöhte Aufmerksamkeit mit einer verbesserten Gedächtnisleistung und Verringerung der Reaktionszeit. Kava Kava hebt also die Stimmung und fördert die psychische Stabilität, ohne dabei müde zu machen oder die Koordination zu beeinflussen.

Entspannend

Kava-Extrakte wirkten im Tierversuch lindernd auf Muskelkrämpfe, die durch verschiedene Ursachen ausgelöst wurden, inklusive epileptischen Zuständen. Vermutlich geht diese Eigenschaft auf eine generelle Hemmung der Erregbarkeit von Nervenzellen zurück.

Die Lösung von Krämpfen bezog sich nicht nur auf die Skelettmuskulatur, sondern auch die unbewusst gesteuerte Muskulatur wie die von Darm und Gebärmutter. Daher sind auch traditionelle Anwendungsgebiete wie Kopfschmerzen und Menstruationsbeschwerden plausibel, wenngleich Studien am Menschen fehlen.

Schützend

Im Tierversuch wurde gezeigt, dass ein Extrakt aus Kava-Kava vor Gehirnschäden schützt, wie sie durch Sauerstoffmangel oder Schlaganfälle ausgelöst werden. Worin der Schutz besteht, ist nicht bekannt.

Schmerzlindernd

Kava-Kava wäre zusätzlich ein leichtes Schmerzmittel. Versuchstiere, denen ein Extrakt gespritzt worden war, reagierten weniger schmerzempfindlich. Auf der menschlichen Zunge hatten Kava-Extrakte eine zumindest lokalanästhetische Wirkung. Der Überlieferung nach lässt sich Rheuma mit Kava-Kava behandeln.

Antimykotisch – gegen Pilze wirkend

In den traditionellen Medizinsystemen wird Kava Kava auch bei verschiedenen Infektionen verabreicht. Laborversuche zu diesem Thema wiesen eine Wachstumsreduktion verschiedener Pilze durch einen wässrig-alkoholischen Extrakt nach. Ob die Pflanze auch bei Infektionen am Menschen hilft, ist allerdings nicht untersucht

Nebenwirkungen von Kava Kava

Personen mit einer Leberschädigung oder Alkoholkrankheit sollten Produkte mit Kava Kava nicht einnehmen.

Kava Kava-Präparate galten lange als sichere Produkte. Bis zum Jahr 2005 wurden jedoch 40 Fälle mit Leberschädigung gemeldet, die im Zusammenhang mit Kava Kava Produkten stehen könnten. Die WHO verzeichnete 93 Fälle. Das BfArM hat das Medikament daher vom Markt genommen. Betroffen sind auch homöopathische Zubereitungen mit einer Endkonzentration bis einschließlich D4 (Verdünnung 1:10 000) und spagyrische Mittel, die nach der Verfahrenstechnik nach Zimpel hergestellt wurden.

Eine genauere Untersuchung bemängelte, dass nur in wenigen Fällen die Einnahme von Kava-Extrakt als Ursache für das Leberversagen dokumentiert ist. In den anderen Fällen könnten andere hepatotoxische Arzneimittel, Alkohol oder Hepatitis-Infektionen zum Leberversagen geführt oder beigetragen haben.

Verkauft wurden Kava Kava Produkte ausreichend für 15 Millionen Behandlungen von jeweils der Dauer eines Monats. Die Zahl der gemeldeten Leberschädigungen ist im Vergleich sehr gering. Desweitern wird bemängelt, das andere synthetische Beruhigungsmittel wie Diazepam, Oxazepam oder Bromazepam in seltenen Fällen ebenfalls Leberschäden auslösen, ohne deswegen vom Markt genommen zu werden.

Die Entscheidung des BfArM wird daher von vielen Fachautoren nicht mitgetragen. Sie halten den bestimmungsgemäßen Gebrauch für sicher und vertretbar.

Chronischer Missbrauch von Kava kann aber durchaus zu ernsten Vergiftungserscheinungen führen. Entsprechende Beobachtungen liegen aus dem Südseeraum und den Aborigines in Australien vor. Die Behandlung sollte daher ein, maximal zwei Monate dauern. Bei längerer Anwendung muss die Leberfunktion regelmäßig überwacht werden.

Nach längerer Einnahme konnte es zu Symptomen wie Gelbfärbung von Haut, Nägeln und Haaren kommen. In diesem Fall soll das Medikament abgesetzt werden. Die Veränderungen bilden sich dann zurück.

Kava Kava kann den Sehvorgang beinträchtigen (z.B. Pupillenerweiterung, Störung der Linsenscharfstellung). Achtung bei gefährlichen Tätigkeiten: Kava Kava beeinflusst unter Umständen die Sehleistung.

Allergische Hautreaktionen gegen Kava Kava sind möglich. Auch Symptome wie Magen-Darmbeschwerden, Kopfschmerzen und Schwindel können in seltenen Fällen auftreten.

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte man zur Sicherheit keine Kava Kava Produkte einnehmen. Für die Anwendung an Kindern liegen keine Daten vor. Bei Personen mit schweren Depressionen ist Vorsicht geboten: Sie könnten so weit „aktiviert“ werden, dass sie einen geplanten Selbstmord durchführen.

Wechselwirkungen

Kava Kava sollte nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden.

Eine Verstärkung der Wirkungen von zentral wirksamen Verbindungen wie Alkohol, Barbituraten und Psychopharmaka ist wahrscheinlich.

Kava Kava greift in den Stoffwechsel vieler Medikamente ein, zum Beispiel beschleunigt es den Abbau von Chlorzoxazon (Medikament zur Muskelentspannung), Alprazolam (Behandlung von Angst- und Panikstörungen), Levodopa (Behandlung von Parkinson) und Paroxetin (Behandlung von Depressionen, Zwangsstörungen und Angststörungen).

Praktische Anwendung: Produkte und Hausmittel

Kava-Produkte in Apotheken

Nach dem Widerruf Kava-Kava-haltiger pflanzlicher Arzneimittel 2019 in Deutschland [6] gibt es in Apotheken nur noch homöopathische Arzneimittel ab der Potenz D5 zu kaufen. Selbst Tee kann man nicht erwerben.

Das sieht dagegen in Amerika und Übersee wie in Neuseeland und Australien ganz anders aus. Vor allem in Amerika gibt es mittlerweile unzählige Bars, die das Gemisch aus pulverisierter Kava-Wurzel und Wasser zusammen mit Milch und Minzblatt als hippes Trendgetränk servieren [10].

Die frühere Dosierungsempfehlung für pflanzliche Arzneimittel lautete wie folgt

Man sollte nur auf „Kavapyrone“ standardisierte Produkte verwenden. In Qualitätsprodukten lag deren Konzentration bei mindestens 3,5% des Trockengewichts.

Empfohlene Dosierung pro Tag: entsprechend 120 mg Kavapyrone; in Studien wurden 60–210 mg Kavapyrone eingesetzt.

Hausmittel: Kava-Teerezept a la Fidschi

Tee: 1 TL zerkleinertes getrocknetes Wurzelmaterial mit 250 ml kaltem Wasser anrühren. Der Tee soll erdig und ein wenig bitter schmecken [10].

Inhaltsstoffe von Kava

Kavawurzel enthält Styrilpyrone, auch als Kavapyrone oder Kavalactone bezeichnet.

Die Hauptinhaltsstoffe sind 

  • Kavain, Methysticin, Dihydro-Kavain, Dihydromethysticin, Yangonin und Desmethoxy-Yangonin
Außerdem:
  • Flavonoide
  • Ätherisches Öl

Quellen/Weitere Informationen

Quellen
  1. Anke, J. and Ramzan, I.: Pharmacokinetic and pharmacodynamic drug interactions with Kava (Piper methysticum Forst. f.). J Ethnopharmacol. 93 (2-3): 153-60, 2004
  2. Applequist, W. L. and Lebot, V.: Validation of Piper Methysticum var. wichmannii (Piperaceae), Novon: 16(1):3-4. 2006
  3. Blaschek W. et al. (Hrsg.): Hagers Handbuch der Drogen und Arzneistoffe, Springer-Verlag Heidelberg, 2004
  4. Bundesinstitut für Medikamente und Arzneimittel, BfArM, Risikobewertungsverfahren: Kava-Kava (Piper methysticum)-haltige und Kavain-haltige Arzneimittel einschließlich homöopathischer Zubereitungen mit einer Endkonzentration bis einschließlich D4, Website vom 23.12.2019
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung, Pressedienst, Homepage, BgVV warnt vor Kava-Kava-haltigen Produkten, Schädigung der Leber durch den Verzehr nicht auszuschließen, 25/2002, 23.10.2002
  6. DAZ online vom 27.12.2019: Endgültiges Aus für Kava-Kava
  7. Hänsel, R., Sticher, O.: Pharmakognosie – Phytopharmazie, 8. Auflage, Springer Verlag, Heidelberg, 2007
  8. Izzo, A. A. and Ernst, E.: Interactions between herbal medicines and prescribed drugs: an updated systematic review. Drugs. 69 (13): 1777-98, 2009
  9. Redaktion Arznei-Telegramm, Homepage, Kava-Kava-Produkte jetzt vom Markt, blitz-a-t 18. Juni 2002
  10. Schilcher, H., Kammerer, S., Wegener, T.: Leitfaden Phytotherapie, 3. Auflage, Nachdruck, Urban & Fischer Verlag, München-Jena, 2010
  11. Tagesspiegel vom 11.2.2020: Die Kava-Euphorie erreicht hippe Bars, abgerufen am 14.06.2021
  12. Teschke R. et al.: Kava hepatotoxicity: a clinical survey and critical analysis of 26 suspected cases. Eur J Gastroenterol Hepatol. 20 (12): 1182-93, 2008
  13. Teschke R. et al: Kava hepatotoxicity: a European view. N Z Med J. 3; 121(1283): 90-8, 2008
  14. Teschke, R., Wolff A.: Kava hepatotoxicity: regulatory data selection and causality assessment. Dig Liver Dis. 41 (12): 891-901, 2009
  15. Van Wyk, B.-E., Wink, C., Wink, M.: Handbuch der Arzneipflanzen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 2015
  16. WHO: WHO monographs on selected medicinal plants, Vol.2, AITBS Publishers & Distributors (Regd.), India, Delhi, 2005
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