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Rosskastanie

Die Rosskastanie ist im Herbst am Waldboden zu finden.

Rosskastanie: Beliebt im Biergarten und als Heilpflanze

Bei Veneninsuffizienz und Krampfadern kann die Rosskastanie Beschwerden lindern.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Rosskastanie: Das Wichtigste im Überblick

Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) gehört zu den schnell wachsenden Bäumen und ist daher beliebt in Parks und vor allem Biergärten. Ihre heilenden Wirkstoffe gegen chronische Venenbeschwerden (Veneninsuffizienz) gewinnt man aus ihren Samen. Die Kommission E bestätigte die Wirksamkeit der Rosskastanie bei Veneninsuffizienz sowie bei Krampfadern. Typische Beschwerden sind schwere, müde Beine, Schwellungen, Juckreiz und Wadenkrämpfe. 

Traditionell wird die Rosskastanie wegen ihrer entzündungshemmenden und venenstärkenden Eigenschaften auch bei Geschwüren, Hämorrhoiden und Rheuma eingesetzt. 

Rosskastanienpräparate gibt es sowohl zur innerlichen als auch äußerlichen Anwendung. Als Hausmittel wird das selbstgemachte Shampoo aus Rosskastanien wiederentdeckt und ist eine beliebte plastikfreie Alternative zu den herkömmlichen Shampoos.

 Bei einer Einnahme von Präparaten mit Rosskastanienextrakt sind Nebenwirkungen wie leichte Übelkeit oder Völlegefühl möglich.

Wie gut hilft Rosskastanie?

Präparate aus den Extrakten der Samen sind zur Behandlung der chronischen Veneninsuffizienz und von Symptomen bei Krampfadern geeignet (Kommission E). Die Beschwerden wie müde, schwere Beine, Schwellungen, Schmerzen, Juckreiz und nächtliche Wadenkrämpfe werden nachweislich gelindert. Durch die gefäßabdichtende Wirkung werden auch die Ödeme in den Beinen reduziert. Die Einnahme kann Magen-Darmbeschwerden verursachen.

Die Anwendung von Präparaten aus der getrockneten Rinde sowie den Blüten ist für die genannten Symptome nicht gesichert.

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit
  • Chronische Durchblutungsstörungen der Venen (Veneninsuffizienz) mit müden, schweren Beinen, Schwellungen, Schmerzen, Juckreiz und Wadenkrämpfen.
Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
  • Hämorrhoiden
  • Prävention von Beinödemen bei Reisen insbesondere längeren Flugreisen
  • Prellung
  • Thrombosefolgen (postthrombotisches Syndrom) mit Hautveränderungn (trophische Hautveränderungen) und Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris)
  • Verletzungen: Bluterguss und postoperativen Schwellungen
Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial
  • niedriger Blutdruck

Botanik: Wie sieht die Rosskastanie aus?

Illustration der Rosskastanie aus O.W. Thomé - Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz (1885) ©biolib.de
©biolib.de

Der Laubbaum wächst sehr schnell und ist daher ein beliebter Baum in Biergärten, Alleen und Parks. Die großen gefingerten Blätter sind beim Aufbrechen der Knospen stark behaart. Die Blüten sitzen in auffälligen Kerzen mit weißen, rot gefleckten Blüten. Im Herbst entwickeln sich die Kastanien mit ihren braunen glänzenden Samen in einer hellgrünen, stacheligen Kapsel. Die Homöopathie verwendet neben der Gewöhnlichen Rosskastanie weitere Arten (A. glabra, A. octandra, A. pavia und A. x rubicunda). 

Wo kommt die Rosskastanie vor?

Die Heimat der Rosskastanie ist Osteuropa (Balkangebiet) bis Zentralasien (Himalajagebiet). Vielerorts wurde der Baum eingebürgert. Neben den natürlich vorkommenden Arten hat man zahlreiche Hybridformen gezüchtet.

Woher kommt der Name Rosskastanie?

Der Name Rosskastanie stammt wahrscheinlich daher, weil die Osmanen die Früchte der Rosskastanie als Pferdefutter und als Heilmittel gegen Pferdehusten mitbrachten und diese so nach Mitteleuropa gelangten. Der Name diente also zur Unterscheidung dieser für den Menschen ungenießbaren Samen von den schon länger bekannten, essbaren Edelkastanien.

Die Samen nutzt man auch als Futter für Haustiere und Wild. Das Samenmehl wurde früher wegen der schäumenden Eigenschaft als Waschmittel verwendet (Saponine - Sapo = Seife).

Was ist der Unterschied zwischen Rosskastanie und Esskastanie?

Rosskastanie ist trotz der Namensähnlichkeit weder mit der Ess- oder auch Edelkastanie (Castanea sativa) verwandt, noch zum Verzehr geeignet. Der ähnliche Name mit der Esskastanie beruht nur auf einer Ähnlichkeit der Früchte. Beide gehören unterschiedlichen Familien an, Rosskastanie zur Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae) und die Esskastanie ist mit unserer Rotbuche nah verwandt und gehört zur Familie der Buchengewächse(Fagaceae). Entsprechend haben auch die Blätter keinerlei Gemeinsamkeit.

Die Frucht der Rosskastanie ist eher kugelig und der weiße Nabel ist viel größer, während die Esskastanie abgeflacht ist und zu einer Seite spitz zuläuft.

Welche Pflanzenteile der Rosskastanie werden verwendet?

Vorwiegend werden die Samen der Rosskastanie (Hippocastani semen) genutzt, wesentlich seltener die Blätter (Hippocastanifolia), die Rinde (Aesculus cortex) oder die Blüten (Flores hippocastani albi).

Zur Herstellung eines Rosskastaniensamenextrakts werden die frischen Samen zerkleinert und mit einer Alkohol-Wasser-Mischung extrahiert. Den Trockenextrakt erhält man durch Sprühtrocknung. Danach wird eine Standardisierung auf Aescin (16–21%) vorgenommen.

Heilwirkung: Wogegen wirkt die Rosskastanie?

Der Extrakt aus trockenen Samen hat nachweislich eine schwellungshemmende und venentonisierende (stärkende) Wirkung.

Abschwellende Wirkung

Die aktiven Inhaltsstoffe sind das Aescin (Saponine) und die Gerbstoffe. Vor allem das Aescin erhöht die Gefäßspannung sowie die Dichtigkeit der Kapillargefäße (adstringierende Wirkung). Damit vermindert sich der Wasseraustritt in das Gewebe, wodurch sich die Schwellungs-(Ödem-)neigung bei Venenbeschwerden oder Lymphgefäßschwäche verringert. Außerdem wird der Abbau der Festigungselemente in den Aderwänden gehemmt. Auch das trägt zur Stärkung der Venen bei und ist bei Krampfadern besonders wichtig. Zusätzlich helfen die Inhaltsstoffe bei der Heilung, denn das Aescin und die Saponine sind entzündungshemmend.

Man verwendet die Rosskastanie wegen der entzündungshemmenden und venenstärkenden Eigenschaften auch bei Geschwüren und zur Behandlung von Hämorrhoiden. Gelegentlich findet sie auch bei Rheuma Anwendung.

Welche Nebenwirkungen hat die Rosskastanien-Einnahme?

Bei innerer Anwendung in Einzelfällen Juckreiz, Übelkeit oder Magenbeschwerden.

Weder am Tier noch am Menschen wurden bei regelmäßiger Anwendung geringer Dosen schädliche Wirkungen beobachtet.

Wechselwirkungen sind keine bekannt.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Worauf beim Kauf achten?

In der modernen Phytotherapie setzt man Spezialextrakte aus Samen ein. Da die Wirkstoffmenge in Rosskastanienfrüchten nicht immer gleich ist, sollte die Heilpflanze nur als standardisiertes Fertigarzneimittel gekauft werden (am besten in der Apotheke, wo Sie auch beraten werden).

Der Extrakt wird innerlich sowie äußerlich, als Bestandteil von Tinkturen und Cremes angewendet. Zum Spülen bei Mundgeschwüren gibt es spezielle Lösungen.

Besser verträglich sind Zubereitungen, die den Wirkstoff verzögert freisetzen. Diese Produkte sind mit dem Zusatz "retard" gekennzeichnet.

Dosierung:

Trockenextrakt: 250–750 mg (entsprechend 30–150 mg Aescin), verteilt auf zwei Tagesdosen, nach Eintritt der Besserung kann die Dosis meist reduziert werden. Lesen Sie für die richtige Dosierung die Packungsbeilage des Herstellers durch.

Vor der Behandlung von geschwollenen Beinen mit Rosskastanien-Präparaten sollte abgeklärt sein, dass es sich bei der Wasseransammlung in den Beinen um eine Veneninsuffizienz und nicht um eine Herzinsuffizienz oder eine Stauung im lymphatischen System handelt.

Andere Maßnahmen der Behandlung (wie das Tragen von Stützstrümpfen, Behandlung mit Wasseranwendungen = Hydrotherapie) können unterstützend wirken.

Bessert sich der Zustand nach vier bis sechs Wochen nicht, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Hausmittel mit Rosskastanie: DIY Shampoo

Die Saponine in der Rosskastanie haben nicht nur die oben beschriebenen Heilwirkungen, sondern sind pflanzliche Seifenstoffe, die Fett und Schmutz allgemein gut lösen. Der Name Saponin leitet sich vom lateinischen "sapo" ab, was Seife bedeutet. Saponine setzen die Oberflächenspannung von Wasser herab, so dass sich beim Schütteln oder Rühren des Wassers ein seifenartiger Schaum ergibt.

Diese Eigenschaft kann man wunderbar nutzen, um sich ein Rosskastanien-Shampoo selbst herzustellen. Das ist vor allem beliebt, wenn man seinen Plastikverbrauch reduzieren möchte. Wie das funktioniert, lesen Sie in der Bildershow.

Wirkstoffe

Samen

Gemisch aus Triterpensaponinen (insgesamt als Aescin bezeichnet) bis zu 5 % des Trockengewichts, Hauptsaponine: Protoaescigenin und Barringtogenol.

  • Reservestoffe: Stärke, Öl, Eiweiß
  • Benzopyrane: Cumarine
  • Flavanole: Quercetin, Kämpferol

Samenschale

  • Proanthocyanidine und Gerbstoffe (Oligomere von Epicatechin und Catechin) mit Procyanidin-B2 als Hauptkomponente.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen
  1. Blaschek W. et al, (Hrsg.): Hagers Handbuch der Drogen und Arzneistoffe, Springer-Verlag Heidelberg, 2004
  2. http://www.heilpflanzen-welt.de/
  3. Van Wyk, B.-E., Wink, C., Wink, M.: Handbuch der Arzneipflanzen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2015
  4. Wagner, H., Wiesenauer, M.: Phytotherapie. 2. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2003
  5. Schilcher, H., Kammerer, S.: Leitfaden Phytotherapie, 3. Auflage, Urban & Fischer Verlag München-Jena, 2007
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