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Schafgarbe

Die weißen Blüten der Schafgarbe besitzen großen Wiedererkennungswert.
© C. Heyer/PhytoDoc

Beliebte Heilpflanze seit der Antike

Heute wird die Schafgarbe bei Entzündungen, für Sitzbäder und bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Schafgarbe kompakt: Die wichtigsten Fakten

Die Schafgarbe ist eine bewährte Heilpflanze mit langer Tradition: Schon in der Antike verwendete man das Kraut für Wunden und Kriegsverletzungen (siehe auch Namensgebung Achillea). Heute wird die Schafgarbe aufgrund ihrer adstringierenden (wundheilungsfördernden) und antibakteriellen Wirkung bei Entzündungen und für Sitzbäder bei krampfartigen und entzündlichen Unterleibsbeschwerden der Frau verwendet. Schafgarbe ist unbedenklich und hat kaum Nebenwirkungen.

Wie gut hilft Schafgarbe?

Die Schafgarbe ist eine bewährte Arzneipflanze: Die Kommission E empfiehlt die Anwendung der Schafgarbe bei Appetitlosigkeit zur Anregung des Gallenflusses (choleretische Wirkung) und bei leichten krampfartigen Beschwerden im Magen-Darmbereich.

Die adstringierende und antibakterielle Wirkung macht die Schafgarbe zu einem guten Heilmittel gegen Entzündungen. So wird Schafgarbe auch für Sitzbäder bei krampfartigen und entzündlichen Zuständen im Unterleib (kleinen Becken) der Frau verwendet, zur Wundbehandlung und bei Reizungen im Magen-Darmtrakt.

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Dyspepsie, leichte Krampfbeschwerden im Magen-Darm-Bereich
  • Unterleibsbeschwerden bei Frauen: psychovegetativ bedingte Schmerzen im kleinen Becken (Pelvipathia vegetativa)
Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
  • Bauchschmerzen, Mittelbauchschmerz: leicht spasmolytisch
  • Entzündungen von Haut und Schleimhaut: entzündungshemmend
  • Frauenleiden (s. Regelbeschwerden), Gebärmutterentzündung (Kolpitis), Entzündung der äußeren Geschlechtsteile bei der Frau (Vulvitis, s. Scheidenerkrankungen),
  • Hautinfektionen, Verletzungen, Wunden: antibakteriell, adstringierend, blutungsstillend
  • Verdauungsbeschwerden, Entzündungen im Magen-Darm-Trakt
  • Verdauungsschwäche: sekretionsfördernd
  • Leber-Galle-Leiden, chronisch entzündliche Lebererkrankungen
Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial

Aussehen und Verbreitung

Die Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium L.) stammt aus der Familie der Korbblütler. Die Gattung ist sehr artenreich, insgesamt wurden mehr als 120 Arten beschrieben; die Schafgarbe ist in Europa, Nordasien und Nordamerika heimisch und wird weltweit als Zier- und Arzneipflanze geschätzt. 

Auch die verwandte, in den Alpen heimische Moschus-Schafgarbe (A. moschata) findet volksmedizinische Verwendung. Genutzt wird die ganze Pflanze (Millefolii herba), die Blütenstände (Millefolii flos) oder das ätherische Öl.

Die mehrjährige Gemeine Schafgarbe bildet zur Blütezeit mehrere aufrechte Stängel mit 2- bis 3-fach gefiederten, frischgrünen, federartigen Blättern und Trugdolden am Ende. Sie bestehen aus zahlreichen Blütenköpfchen mit weißen bis rosafarbenen Blütenblättern. Für die Überwinterung und Verbreitung sorgen die vielen unterirdischen Rhizome. 

Die Schafgarbe liebt einen trockenen und sonnigen Standort. Meist findet man sie auf Wiesen, insbesondere auch Trockenrasen. Als zähe Pionierpflanze erobert sie neue Lebensräume auf Schuttplätzen und Wegrändern.

Antike Heilpflanze des Achilles

Das Wort "Garbe" stammt aus dem altdeutschen und bedeutet "die Heilende". Auch alte deutschen Namen belegen diese Anwendung: „Sichelkraut“, „Zimmermannskraut“, „Blutkraut“ oder „Beilhiebkraut“. Daneben wurde die Schafgarbe als Heilmittel für Frauenleiden genutzt („Mutterkraut“, „Jungfernkraut“).

Schon im Altertum verwendete man das Kraut der Schafgarbe für Wunden und Kriegsverletzungen. Der Gattungsname Achillea geht auf den Griechen Achilles zurück. Er war der sagenhafte Held des trojanischen Krieges. Er soll die Pflanze als Heilmittel entdeckt und zur Wundheilung verwendet haben (Ilias, 11. Gesang, Vers 822ff.). Der Artname millefolium (= Tausendblatt) ist eine sehr passende Beschreibung der sehr fein zerteilten Blätter der Schafgarbe.

Gewinnung

Das Kraut der Pflanze wird zur Blütezeit geerntet und an der Luft im Schatten getrocknet (ca. 7 Tage lang). Dieser Vorgang sollte zügig geschehen, da sonst Inhaltsstoffe verloren gehen (Azulene). 

Mit Wärmestrahlen (Infrarot) kann der Trocknungsprozess auf 4 – 6 Stunden abgekürzt werden.

Heilwirkung von Schafgarbe

Traditionelles Heilmittel

In der Volksheilkunde verwendete man die Schafgarbe bei Arthritis, Fieber und zur Wundheilung. Sie galt auch als Ersatz für Kamille.

Entzündungshemmende Wirkung

Eine entzündungshemmende und ödemhemmende Wirkung ist in Laborversuchen belegt. Sie werden den Sesquiterpenlactonen und Azulenen zugeschrieben. 

Wässrige Extrakte und Öl haben im Laborversuch eine antimikrobielle Wirkung. Sie ist auf Grund der Inhaltsstoffe (terpenoiden Verbindungen) durchaus plausibel. So eignet sich die Pflanze zur Behandlung von Wunden und Entzündungen.

Schafgarbe für die Verdauung

Empfohlen wird die Schafgarbe bei Appetitmangel und geringfügigen Verdauungsbeschwerden.

Krampflösende Wirkung

Äußerlich wird sie in Bädern zur Linderung von krampf- und schmerzhaften Unterleibsbeschwerden von Frauen angewendet. 

Die krampflösende Wirkung verschiedener Extrakte und Isolate beruht auf den Terpenen und Flavonoiden und ist in ihrer Wirkstärke mit dem Papaverin aus Mohnarten vergleichbar. 

Die Homöopathie schließt sich dem an und verwendet die Schafgarbe bei Krampfschmerzen.

Schafgarbe im Alltag

In der Kosmetik nutzt man Schafgarbe als Shampoo-Zusatz für sehr fettiges Haar, für Gesichtscremes und Lotionen. 

Als Küchengewürz kann man mit der frischen Pflanze Salate, fette Speisen und Weichkäse aufpeppen.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Nicht angewendet werden soll die Gemeine Schafgarbe bei bestehender Überempfindlichkeit gegen Schafgarbe und andere Korbblütler.

Schafgarben-Produkte sollten während der Schwangerschaft nicht und während der Stillzeit nur sehr zurückhaltend verwendet werden.

Bei empfindlichen Personen kann Schafgarbe Hautausschläge verursachen.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Verwendet wird die Schafgarbe als Teeaufguss oder Tinktur. Häufig werden das getrocknete Kraut und die Blüten mit anderen Kräutern gemischt.

Hausmittel mit Schafgarbe

Schafgarben-Tee

Um einen Tee aus Schafgarbe zuzubereiten, übergießt man 2 gehäufte Teelöffel des Krautes mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten ziehen lassen, dann abseihen.

Den Tee etwas auskühlen lassen und mäßig warm trinken. Empfohlen sind 2-3 Tassen am Tag.

Schafgarben-Bad

Äußerlich wird die Schafgarbe zur Linderung von Krämpfen eingesetzt, hierzu eignet sich ein Sitz- oder Vollbad. Fertige Badeextrakte können in der Apotheke gekauft werden, ebenso ist es möglich, das Bad selbst herzustellen.

Hierzu werden 50-75 Gramm Schafgarbe mit 1 Liter kochendem Wasser übergossen und 20 Minuten ziehen gelassen. Nach dem Abseihen kann die Flüssigkeit dem Vollbad zugegeben werden, für ein Sitzbad wird entsprechend weniger verwendet.

Dosierung

Innerliche Anwendung:

(Tagesdosis des Teeaufgusses, andere Zubereitungen entsprechend)

  • 4,5 g Schafgarbenkraut
  • 3 g Schafgarbenblüten
  • 3 TL Frischpflanzensaft

Äußerliche Anwendung:

(Sitzbad)

  • 100 g Kraut auf 20 Liter Wasser

Die Haltbarkeit beträgt höchstens 18 Monate. Produkte sollten dicht verschlossen und vor Licht geschützt aufbewahrt werden.

Wirkstoffe

  • Pyrrolidinalkaloide (Betonicin und Stachydrin)
  • Flavonoide und flüchtige Substanzen (Terpene) (darunter β-Pinen, Campher, 1,8-Cineol, Caryophyllen und Azulenverbindungen – in der Form von Sesquiterpenlactonen wie Achillicin – und zahlreiche andere).

Die leuchtend blaue Farbe des ätherischen Öls beruht auf Chamazulen und entsteht bei der Wasserdampfdestillation aus Matricin.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen
  1. Benedek, B. et al.: J. Ethnopharmacol.; Achillea millefolium L. s.l. -- is the anti-inflammatory activity mediated by protease inhibition? 5 Abstract, 113(2), 312-7, 2007
  2. Blaschek W. et al, (Hrsg.): Hagers Handbuch der Drogen und Arzneistoffe, Springer-Verlag Heidelberg, 2004
  3. Candan F. et al.: Antioxidant and antimicrobial activity of the essential oil and methanol extracts of Achillea millefolium subsp. millefolium Afan. (Asteraceae). J. Ethnopharmacol. Abstract, 87(2-3):215-20, 2003
  4. Hänsel, R., Sticher, O.: Pharmakognosie – Phytopharmazie, 8. Auflage, Springer Verlag, Heidelberg, 2007
  5. Heilpflanzen Welt Webseite, Stand: Juni 2006
  6. Schilcher, H., Kammerer, S., Wegener, T.: Leitfaden Phytotherapie, 3. Auflage, Urban & Fischer Verlag, München-Jena, 2007
  7. SWR, Online Text: Kaffee oder Tee, vom 15.8.2001
  8. Van Wyk, B.-E., Wink, C., Wink, M.: Handbuch der Arzneipflanzen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2015
  9. Wagner, H., Wiesenauer, M.: Phytotherapie, 2. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2003
  10. Wikipedia: Gemeine Schafgarbe, Stand August 2009
  11. Pahlow, Mannfried: Das große Buch der Heilpflanzen, 7. Auflage, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hamburg, 2018