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Sonnentau

Über Sekrettröpfchen an den beweglichen Drüsenhaaren fängt der Sonnentau kleine Insekten.

Sonnentau – das klassische Hustenmittel

Sonnentau wirkt antibakteriell, reizlindernd und krampflösend. Naphthochinone führen zu einer Erweiterung der Bronchien.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Sonnentau kompakt: Die wichtigsten Fakten

Der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) ist nicht nur hierzulande gefährdet und steht deshalb in vielen europäischen Ländern unter Naturschutz. Seine Inhaltsstoffe werden in der Pflanzenheilkunde und der Homöopathie eingesetzt. Bei Entzündungen der Atemwege, Keuchhusten oder Reizhusten wirken seine Inhaltsstoffe entspannend auf die glatte Muskulatur der Bronchien und lösen Verkrampfungen, die den Hustenreiz bedingen. Seine sekretlösende, antibakterielle und vermutlich immunstimulierende (aber nur in sehr geringer Konzentration!) Eigenschaft unterstützt die Genesung und wird in der Volksmedizin zur Behandlung weiterer Beschwerden gezielt eingesetzt. Üblicherweise wird Sonnentau in Form von Tinkturen oder Fertigarzneimitteln angeboten. Der Gehalt an wirksamen Inhaltsstoffen bei Tee-Anwendungen kann stark schwanken, weshalb diese Darreichungsform selten gewählt wird. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten keine Präparate des Sonnentaus eingenommen werden. Weitere Nebenwirkungen des Sonnentaus sind nicht bekannt.

Wie gut hilft Sonnentau?

Sonnentau – das klassische Hustenmittel

Sonnentau gilt als antibakteriell, reizlindernd und krampflösend. Naphthochinone führen bekanntermaßen zu einer Erweiterung der Bronchien. Daneben sollen sie das Sekret lösen. Dadurch wird der Hustenreiz gelindert. Der Inhaltsstoff Plumbagin, ein Naphthochinon, wirkt bereits in niedriger Konzentration antibiotisch.

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit
  • Krampf- und Reizhusten
  • Keuchhusten (Kommission D)
  • Entzündung der Atemwege (Kommission D)
Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
  • Wunden, schleicht heilende, oberflächliche
Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial

Botanik: Aussehen und Verbreitung

Der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) ist ein ganz besonderer Spezialist: Er wächst nur auf nährstoffarmen, nassen und sauren Torfböden (z. B. Hochmooren). Die rundlichen gestielten frisch grünen Blätter tragen klebrige rötliche bewegliche Drüsenhaare. Damit fängt der Sonnentau kleine Insekten, die an den Sekrettropfen hängen bleiben. Das Blatt krümmt sich nach Kontakt mit einem Insekt und die Beute wird mit eiweißspaltenden Enzymen verdaut. Dadurch kann der Sonnentau auf den extrem stickstoffarmen Böden überleben. Die weißen Blüten stehen an langen Stängeln hoch über der Pflanze, damit die bestäubenden Insekten nicht an den Blättern hängen bleiben.

Verwendet wird die ganze Pflanze, einschließlich unterirdischer Teile (Sonnentaukraut – Droserae herba). Die Homöopathie bevorzugt die frische, blühende Pflanze.

Da verschiedene Arten der Gattung verwendet werden, ist es häufig unklar, um welche Pflanze es sich handelt und wie die Gewichtung der Inhaltsstoffe ist. Die Artbestimmung des getrockneten Rohmaterials ist nicht immer einfach.

Sonnentau steht unter Naturschutz

Sonnentau wurde wegen der Zerstörung seines Lebensraums in vielen Ländern Europas unter Naturschutz gestellt (Deutschland, Österreich, Schweiz, Finnland, Ungarn, Frankreich und Bulgarien). Das Pflanzenmaterial für Medikamente wird daher häufig durch andere Arten der Gattung ersetzt: D. ramentacea(Madagaskar, Kapregion, Ostafrika), D. peltata (Ostasien von Indien bis Malaysia und China), Drosera madagascariensis (Madagaskar).

Die Wildsammlungen gefährden aber auch die Bestände dieser Arten. Sonnentau wird daher immer häufiger in kleinerem Maßstab kultiviert. Desweitern gibt es ganz neue Ansätze: Zellen von verschiedenen Sonnentau- Arten lassen sich auch unter Laborbedingungen züchten. Selbst dann produzierten die Zellen von Drosera communis die Wirkstoffe (Naphthochinone mit Plumbagin als Hauptprodukt).

Gewinnung

Gewöhnlich wird die ganze Pflanze während der Blütezeit im Juli oder August gesammelt und bei Raumtemperatur getrocknet.

Heilwirkung von Sonnentau

Naphthochinone wirken auf die glatte Muskulatur der Bronchien entspannend und führen zu deren Erweiterung. Spastische Verkrampfungen der Bronchialmuskulatur und Hustenreiz werden so gelindert. Die Naphthochinone haben außerdem eine sekretolytische Wirkung und lösen zähflüssigen Schleim.

Auch in der Homöopathie wird die Pflanze bei allen Hustenzuständen mit krampfartigem Charakter eingesetzt, der anfallsweise insbesondere Nachts auftritt. Drosera ist auch das Hauptmittel bei Keuchhusten. Es soll sich auch zur Vorbeugung eignen, falls eine Ansteckungsgefahr für Keuchhusten besteht.

Wirkung von antibiotisch bis giftig

Für die Wirkung bei Keuchhusten relevant sein dürfte auch die antibiotische Wirkung. Plumbagin und andere Naphthoquinone wirken gegen eine ganze Reihe von Bakterien sowie gegen einige Pilze.

In höheren Konzentrationen ist das Plumbagin aber für alle Zellen giftig. Naphthochinone haben auch mutagene Eigenschaften, welche die zellgiftige Wirkung steigern. Daher hat man Plumbagin versuchsweise in der Krebstherapie im Tierversuch gegen Tumore eingesetzt. Anwendbare Fertigarzneimittel des Sonnentaus gegen Krebs sind aber nicht auf dem Markt.

Entzündungen

In sehr niedrigen Konzentrationen wirkt Plumbagin aus dem Sonnentau vermutlich stimulierend auf das Immunsystem. In höheren Konzentrationen überwiegt auch hier wieder die toxische Eigenschaft und damit wirkt der Inhaltsstoff Plumbagin unterdrückend auf die Immunreaktion („immunsupprimierend“). Außerdem reduziert Plumbagin die Herstellung entzündlicher Botenstoffe (Hemmung der Enzyme der Prostaglandin-Biosynthese). Im Tierversuch verminderte der Stoff eine entzündliche Hautreaktion. Die experimentellen Belege in diesem Bereich sind aber sehr dünn.

Volksmedizin

Ebenfalls die toxische Wirkung könnte für die traditionellen Anwendungsgebiete des Sonntentaus verantwortlich sein. Man nahm die Pflanze zur Behandlung von Warzen, Hühneraugen und Sommersprossen. Hier fehlen aber bestätigende Analysen.

Da die Pflanze in der Lage ist, Insekten zu verdauuen, schrieb die Volksmedizin dem Sonnentau eine verdauungsfördernde Wirkung zu. Man nahm ihn gegen Völlegefühl und Leberleiden. Wissenschaftliche Belege hierzu gibt es aber nicht. Die entkrampfende Wirkung dürfte Bauchschmerzen lindern, die Enzyme könnten die Aufschließung der Nahrung fördern, sollten sie den Trocknungsprozess und die Passage durch den Magen überstehen. Versuche hierzu liegen nicht vor.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Es sind keine schweren Nebenwirkungen bekannt.

Plumbagin führt in hohen Konzentrationen im Tierversuch zu Aborten. Außerdem ist der konzentrierte Stoff erbgutverändernd (mutagen). Aufgrund der Mutagenität ist eine Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht zu empfehlen

Plumbagin und Droseron reizen – wie alle Naphthochinone – die Haut. Die allergene Eigenschaft ist aber nur schwach.

Praktische Anwendung: Produkte & Dosierung

Sonnentau wird meist in Tinkturen oder Fertigarzneimitteln (Pastillen, Sirup, Tropfen) eingesetzt. Die Verwendung als Tee ist dagegen recht selten. Meist wird er hierzu mit anderen Heilpflanzen in Hustenteemischungen kombiniert (z. B. Anis, Eibischwurzel, Primelwurzel, Thymiankraut). Die Homöopathie nutzt Sonnentau in Form von Globuli, Injektionslösung oder Tropfen.

Dosierung

Empfohlene mittlere Tagesdosis: 3 g Droge.

Der Gehalt an wirksamen Inhaltsstoffen (Naphtochinongehalt) schwankt sehr stark. Je nach Konzentration nimmt man 2 bis 10 g getrocknetes Kraut. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und nach 10 min abseihen. Täglich nicht mehr als zwei Tassen trinken, am besten schluckweise.

Besonders geeignet für die Zubereitung eines Hustentees bei Krampfhusten ist D. madagascariensis DC. Er ist meist in Apotheken erhältlich, muss aber oft erst bestellt werden. Die Kombination mit anderen pflanzlichen Hustenlösern wie Thymian und Primelwurzel ist sinnvoll.

Wirkstoffe

  • Naphthochinone wie Ramentaceon, Plumbagin, Droseron
  • Flavonoide: Hyperosid, Quercetin, Isoquercitrin
  • Schleimstoffe

Quellen/Weitere Informationen

Quellen