Ihr Portal für Gesundheit,
Naturheilkunde und Heilpflanzen

natürlich gesund

Steckbrief von Vitamin E

Die Entdeckung eines neuen Vitamins: Vitamin E- das Fruchtbarkeits-Hormon

Versuchstiere, die mangelernährt sind, zeugen keinen Nachwuchs, sie werden steril. Gleicht man diesen Mangel aus, stellt sich auch prompt der Kindersegen ein. Die Wirkung von Vitamin E wurde ursprünglich in diesem Zusammenhang entdeckt. Vitamin E ist unentbehrlich für die normale Funktion der männlichen Keimdrüsen sowie für den Schwangerschaftsverlauf. Das hat dem Vitamin den Namen „Antisterilitäts- oder Fruchtbarkeitsvitamin“ eingebracht. Die Herkunft aber hat sich im Namen Tocopherol festgeschrieben (tocos bedeutet Geburt). Auch heute noch ist bei Sterilität (insbesondere bei männlicher) die Gabe antioxidativer Vitamine oft ein erster Behandlungsversuch. Aber Vitamin E ist viel bedeutender, es wird von jedem Organ benötigt.

Heute haben wir eine genaue Vorstellung davon, wie Vitamin E wirkt. Was sich aber in der Forschung abzeichnet ist, dass die verschiedenen Vitamin E Formen im Körper oft ganz unterschiedliche Funktionen haben. Man kann die Aussagen über Tocopherol nicht pauschal auf alle Vitamin E-Formen übertragen. In dieser Hinsicht beginnt eine Revision der alten Studien, denn hier hat man nur allzu oft künstliches alfa-Tocopherol verwendet. Es ist mit natürlichem nicht gleichzusetzen. Außerdem verschiebt es das natürliche Vitamin E Spektrum im Köper (mit unbekannter Auswirkung). Viele dieser Punkte sind nicht hinreichend geklärt. Damit stellt sich die Frage, ob bei guter Versorgung in Mitteleuropa eine Supplementation mit Vitamin E sinnvoll ist. Die Antwort ist ja, aber immer situationsgerecht.

Vitamin E-Mangel: typisch bei Störung der Fettaufnahme

In der Regel ist Vitamin E-Mangel in den Industrienationen selten, dennoch haben amerikanische Studien ergeben, dass viele Menschen ihren Bedarf nicht decken. Fastfood ohne pflanzliche Fette enthält wenig von dem wertvollen Stoff. Aber auch zeitweise Vitamin E-freie Nahrung toleriert der menschliche Körper, kann es doch über Jahre in der Leber und im Körperfett gespeichert werden. Dennoch kann es zu Mangelerscheinungen kommen, vor allem bei Menschen mit schweren Verdauungsschäden oder älteren Personen über 80 Jahren. Dann ist die Verdauungskapazität oft stark gesunken. Auch Rheumatiker haben oft viel zu niedrige Spiegel.

Zur Aufnahme von Vitamin E braucht der Körper eine intakte Fettverdauung. Dementsprechend ist die Vitamin E-Versorgung bei Verdauungsstörungen oft nicht gewährleistet (chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, Kurzdarmsyndrom nach einer Darmoperation, Morbus Crohn des Dünndarms, Gallenwegserkrankungen, Zöliakie, Mukoviszidose, Hepatitis). In der Regel liegt dann aber kein reiner Vitamin E-Mangel vor, sondern ein allgemeiner Mangelzustand aller fettlöslicher Vitamine. Kennzeichnend sind die Symptome Müdigkeit und Leistungsschwäche (auch der geistigen Leistung/Konzentration), Muskel- und Nervenstörungen (Bewegungs-, Reflexstörungen, Gleichgewichts-Defizite, Taubheitsgefühl), Blutarmut, Abwehrschwäche, Sehstörungen, trockene Haut, Wunden und Gewebeschäden. Vitamin E ist der Spezialist gegen Gewebeschäden jeder Art, in der Haut, im Auge, sowie im Knorpel oder Blut.

Vitamin E: typisch Pflanze

Vitamin E ist fettlöslich und ist nur in fettigen Pflanzengeweben enthalten. Nur Pflanzen haben die Fähigkeit Vitamin E herzustellen. Sie verwenden dazu das Grundgerüst von grünem Blattfarbstoff Chlorophyll und der Aminosäure Tyrosin. In die Nahrungskette kommt Vitamin E nur über pflanzliche Nahrung. Tiere speichern Vitamin ebenfalls im Fett vor allem in der Leber und im Fettgewebe.

Gewinnung

Vitamin E aus fettigen Speichergeweben

Besonders hohe Gehalte an Vitamin E weisen Samen, Keimlinge und Membranen der Pflanze auf. Hohe Mengen an Vitamin E sind in pflanzlichen Ölen enthalten:

  • Weizenkeimöl (bis ca. 2000 mg/kg Tocopherole mit 49 % α-Tocopherol),
  • Sonnenblumenöl (450-800 mg/kg Tocopherole mit 86-99 % α-Tocopherol) und
  • Olivenöl (50–200 mg/kg Tocopherole mit 89–100 % α-Tocopherol).

Für Nahrungsergänzungsmittel wird der Vitamin E Komplex oder gemischte Tocopherole aus natürlichen pflanzlichen Fetten und Ölen gewonnen. Übrigens werden Stoffe aus der Vitamin E-Gruppe oft Lebensmittel und Kosmetika zur Stabilisierung zugesetzt. Das verbirgt sich dann hinter den Bezeichnungen E306 (natürliche Extrakte), 307 (alpha-) und 308 (beta-) und 309 (gamma-Tocopherol).

Die technische Lösung: unnatürliche Mischung

Vitamin E kann daneben technisch hergestellt werden. Dabei entstehen aber sieben weitere nicht natürliche Formen. Sie sind ebenfalls wirksam, doch hat technisches Vitamin E nur etwa 75 % der natürlichen Wirkung. Das möchte man mit höherer Dosierung ausgleichen.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen
  1. Adam O et al: Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen. Z Rheumat­ol 2009 · 68:549–559. doi: 10.1007/s00393-009-0507-6
  2. Canter PH et al: The antioxidant vitamins A, C, E and selenium in the treatment of arthritis: a systematic review of randomized clinical trials. Rheumatology (Oxford). 2007 Aug;46(8):1223-33
  3. Caraffa AL et al: Is vitamin E an anti-allergic compound? J Biol Regul Homeost Agents. 2016 Jan-Mar;30(1):11-5
  4. Cook-Mills JM and Avila PC: Vitamin E and D regulation of allergic asthma immunopathogenesis. Int Immunopharmacol. 2014 Nov;23(1):364-72. doi: 10.1016/j.intimp.2014.08.007
  5. Das Gupta S and Suh N: Tocopherols in cancer: An update. Mol Nutr Food Res. 2016 Jun;60(6):1354-63. doi: 10.1002/mnfr.201500847
  6. Dysken MW et al: Effect of Vitamin E and Memantine on Functional Decline in Alzheimer Disease. The TEAM-AD VA Cooperative Randomized Trial. JAMA 2014;311:33–44. D doi: 10.1001/jama.2013.282834
  7. Edmonds SE et al: Putative analgesic activity of repeated oral doses of vitamin E in the treatment of rheumatoid arthritis. Results of a prospective placebo controlled double blind trial. Ann Rheum Dis. 1997 Nov;56(11):649-55
  8. Eidelman RS et al: Randomized Trials of Vitamin E in the Treatment and Prevention of Cardiovascular Disease. Arch Intern Med. 2004;164(14):1552-1556. doi:10.1001/archinte.164.14.1552
  9. Goszcz K et al: Antioxidants in Cardiovascular Therapy: Panacea or False Hope? Front Cardiovasc Med. 2015 Jul 6;2:29. doi: 10.3389/fcvm.2015.00029
  10. Gustav Parmentier GmbH: Vitamin E aus den natürlichen Tocopherolen pflanzlicher Öle hergestellt. Homepage, Stand August 2016
  11. Han YY et al: Diet and asthma: an update. Curr Opin Allergy Clin Immunol. 2015 Aug;15(4):369-74. doi: 10.1097/ACI.0000000000000179
  12. Key TJ et al: Carotenoids, retinol, tocopherols, and prostate cancer risk: pooled analysis of 15 studies. Am J Clin Nutr. 2015 Nov;102(5):1142-57. doi: 10.3945/ajcn.115.114306
  13. Klein F: Besser Vorsicht mit Vitamin E bei Alzheimer. Auf springermedizin.de basierend auf: Kontroverse „Hochdosiertes Vitamin E bei Alzheimer“. Symposium „Aktuelle Studien in der Neurologie“, 19. September 2014, Neurowoche 2014, München 15. – 19. September 2014
  14. Lim SW et al: Cytotoxicity and apoptotic activities of alpha-, gamma- and delta-tocotrienol isomers on human cancer cells. BMC Complement Altern Med. 2014 Dec 6;14:469. doi: 10.1186/1472-6882-14-469
  15. Lonn E et al: Effects of long-term vitamin E supplementation on cardiovascular events and cancer: a randomized controlled trial. JAMA. 2005 Mar 16;293(11):1338-47
  16. Miller ER 3rd et al: Meta-analysis: high-dosage vitamin E supplementation may increase all-cause mortality. Ann Intern Med. 2005 Jan 4;142(1):37-46
  17. Paulsen G et al: Vitamin C and E supplementation hampers cellular adaptation to endurance training in humans: a double-blind, randomised, controlled trial. J Physiol. 2014 Apr 15;592(8):1887-901. doi: 10.1113/jphysiol.2013.267419
  18. Peh HY et al: Vitamin E therapy beyond cancer: Tocopherol versus tocotrienol. Pharmacol Ther. 2016 Jun;162:152-69. doi: 10.1016/j.pharmthera.2015.12.003
  19. Robert-Koch-Institut: Bundes-Gesundheitssurvey: Arzneimittelgebrauch: Gebrauch spezifischer Arzneimittelgruppen (Tocopherole), auf http://www.rki.de, ISBN 3-89606-147-x
  20. Rodrigo R: The effectiveness of antioxidant vitamins C and E in reducing myocardial infarct size in patients subjected to percutaneous coronary angioplasty (PREVEC Trial): study protocol for a pilot randomized double-blind controlled trial. Trials. 2014 May 29;15:192. doi: 10.1186/1745-6215-15-192.
  21. Rosenbaum CC et al: Antioxidants and antiinflammatory dietary supplements for osteoarthritis and rheumatoid arthritis. Altern Ther Health Med. 2010 Mar-Apr;16(2):32-40
  22. Sano M et al: A controlled trial of selegiline, alpha-tocopherol, or both as treatment for Alzheimer's disease. The Alzheimer's Disease Cooperative Study. N Engl J Med. 1997 Apr 24;336(17):1216-22. doi: 10.1056/NEJM199704243361704
  23. Siekmeier R et al: Können Antioxidanzien Atherosklerose verhindern? Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch -Gesundheitsschutz 2006 · 49:1034–1049. doi10.1007/s00103-006-0048-y
  24. Schmölz L et al: Complexity of vitamin E metabolism. World J Biol Chem. 2016 Feb 26;7(1):14-43. doi: 10.4331/wjbc.v7.i1.14.Slatore CG et al: Long-term use of supplemental multivitamins, vitamin C, vitamin E, and folate does not reduce the risk of lung cancer. Am J Respir Crit Care Med. 2008 Mar 1;177(5):524-30
  25. Steinberg J et al: Die altersabhängige Makuladegeneration — eine Übersicht. Zbl Arbeitsmed 61 (2011) 270–286
  26. Wilkinson M et al: Vitamins c and e for asthma and exercise-induced bronchoconstriction. Cochrane Database Syst Rev. 2014;6:CD010749