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Wermut

Die Wermutpflanze hat einen starken, würzigen Duft.

Wermut: Grundstoff für Absinth

Wermut ist Grundstoff für den Absinth, der bis heute mit der französischen Kunstszene um van Gogh in Verbindung gebracht wird. Als Heilpflanze wird Wermut zur Anregung des Appetits und bei Verdauungsstörungen verwendet.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Wermut kompakt: Die wichtigsten Fakten

Wermut (Artemisia absinthium) ist bitter im Geschmack und wurde mitunter als Halluzinationen hervorrufendes, alkoholisches Getränk Absinth bekannt. Diese Eigenschaft ist auf das Nervengift Thujon zurückzuführen, das bis zu 40% im isolierten ätherischen Öl des Wermuts vorkommen kann. 

Verdünnt und gezielt eingesetzt verspricht das ätherische Öl des Wermuts allerdings Linderung bei einigen Beschwerden. Es regt nicht nur den Appetit an, sondern wirkt auch bei Verdauungsbeschwerden und Darmerkrankungen. Äußerlich kommt es bei schlecht heilenden Wunden, Hautflechten oder Insektenstichen zum Einsatz. 

Für medizinische Zwecke wird ausschließlich das getrocknete Kraut des Wermuts verarbeitet, beispielsweise zu einem Extrakt oder einer Tinktur. Darüber hinaus werden verschiedene Kombinationsprodukte angeboten, die zudem Wirkstoffe anderer Heilpflanzen beinhalten. Wermut ist bei richtiger Anwendung gut verträglich und hat kaum Nebenwirkungen.

Wie gut hilft Wermut?

Thujon ist ein Krampfgift, daher sollte das isolierte Öl aus Wermut nicht verwendet werden. Kombinationen mit anderen Heilpflanzen sind sinnvoll (wie z.B. Tausendgüldenkraut, Engelwurz). Besonders nützlich ist Wermut als Mittel zur Anregung des Appetits, der Verdauungssäfte und bei Verdauungsstörungen. In einer kleinen Studie wurde Wermut erfolgreich gegen Morbus Crohn eingesetzt. Obwohl die Pflanze eine lange Tradition hat, liegen über den Wermut nur wenige verwertbare wissenschaftliche Daten vor. Traditionell verwendet wird Wermut gegen Würmer, daher hat sich in englischsprachigen Ländern der Name Wormwood (Wurmholz) eingebürgert.

Alle Anwendungen im Überblick, sortiert nach Wirksamkeit

Hinweis: die möglichen Anwendungsgebiete (Indikationen) sind drei verschiedenen Kategorien zugeordnet, je nach Studienlage.

Eine ausführliche Definition erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über die jeweiligen Blätter fahren.

Gesicherte Wirksamkeit
  • Appetitlosigkeit (bitteres Tonikum, Magensaftproduktion steigernd)
  • Gallenwegserkrankung mit schwacher Gallenausscheidung
  • Verdauungsbeschwerden (Dyspepsie),
  • Blähungen (karminativ)
Wirksamkeit laut Erfahrungsheilkunde
  • Magenschleimhautentzündung bei verminderter Magensäureproduktion
  • Magenschwäche, Spannungslosigkeit des Magens
  • Rekonvaleszenz, Stärkung
  • Völlegefühl
Bisher keine Beweise zur Wirksamkeit, aber Potenzial
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Morbus Crohn
  • Entzündungen (bakteriostatisch, entzündungshemmend)
  • Gallenkolik (schwach wirksam)
  • Krämpfe, Bauchschmerzen (krampflösend)
  • Lebererkrankungen mit gestörter Gallensäurenproduktion
  • Sodbrennen
  • Übelkeit und Erbrechen (zusammen mit Durchfall)

Aussehen und Verbreitung

Wermut (Artemisia absinthium L., Familie der Korbblütler) ist eine kräftige, mehrjährige Pflanze, die eine etwa 1 m hohe Staude bildet und würzig duftet. Sie trägt silbrige, mehrfach gefiederte Blätter. Spross und Blätter sind weiß behaart und haben mit dem bloßen Auge als „Pünktchen“ erkennbare Ölbehälter. Die zahlreichen kleinen, kugeligen, gelben Blütenköpfchen bilden eine Rispe.

Das getrocknete Kraut (Absinthii herba) wird als Heilmittel eingesetzt.

Ursprünglich wuchs die Pflanze in ganz Europa bis Westasien, wurde jedoch später in anderen Gegenden eingebürgert (Nordamerika). Der gehandelte Wermut stammt vorwiegend aus Osteuropa.

Artemisia-Arten

Die traditionelle Medizin kennt mehrere Artemisia-Arten (siehe A. afra, A. vulgaris und A. annua). Die europäische A. abrotanum (Eberraute) verwendete man früher häufig als bitteres Tonikum; Diese Wermut-Art wurde auch zur Behandlung von Menstruationsproblemen und als Entwurmunsgmittel für Kinder verwendet.

Der sprichwörtliche Wermutstropfen

Der sprichwörtliche Wermutstropfen ist auf den bitteren Geschmack des Wermuts zurückzuführen. Absinth war früher ein beliebtes alkoholisches Getränk, das mit Wermut zubereitet wurde. 

Die französiche Kunstszene um Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Edouard Manet und Henri de Toulouse-Lautrec wird noch heute mit Absinthgenuss in Verbindung gebracht. Doch insbesondere wegen des in Wermut enthaltenen Nervengifts Thujon wurde Absinth eine schädigende Wirkung auf Körper und Psyche zugeschrieben. Vermutlich waren aber noch andere giftige Inhaltsstoffe im Spiel wie Methanol, Kupfersulfat, Antimonchlorid und Indigo.

Gewinnung

Verwendet werden getrocknete, zur Blütezeit gesammelte obere Sprossteile und Laubblätter oder die getrockneten unteren Laubblätter bzw. eine Mischung dieser Teile.

Heilwirkung von Wermut

Wermut als Magenbitter

Ätherische Öle sind die wichtigsten Inhaltsstoffe des Wermuts. Sie sind für die Anregung des Appetits und zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden geeignet. Man kennt diese Eigenschaften schon sehr lange und verwendet Wermut daher traditionell als Magenbitter, aber auch bei Magenschleimhautentzündung und bei Gallenblasenleiden (Gallenwegs-Dyskinesie).

Hilfe bei Morbus Crohn

Die positive Wirkung auf die Produktion von Verdauungsenzymen wurde auch in Versuchen bestätigt. Ein kleinerer Versuch an Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn) zeigte eine deutliche lindernde Wirkung: Die Gabe von Steroiden konnte abgesetzt werden und etwa die Hälfte der Patienten waren durch die Behandlung mit Wermut nach 8 Wochen ohne Beschwerden. Die Besserung hielt während der gesamten Beobachtungsdauer von weiteren 12 Wochen an.

Nervengift Thujon

Der Inhaltsstoff Thujon ist ein starkes Nervengift. Es verstärkt die Alkoholwirkung. In früheren Zeiten hat man daher Mischgetränke mit Wermut verkauft (Absinth). Heute warnt man davor, denn chronischer Missbrauch löst Krampfanfälle, Kopfschmerzen, Schwindel, Delirium und Halluzinationen aus. Schließlich drohen degenerative Nervenschäden und der körperlicher Verfall. Heute werden überwiegend Thujon-freie Präparate angeboten. Auch der Absinth ist jetzt Thujon-arm und darf wieder gehandelt werden.

Hilfe bei Hautleiden

Die äußerliche Anwendung soll bei Hautleiden helfen, wie z.B. schlecht heilenden Wunden, Geschwüren, Hautflechten und Insektenstichen. Diese Wirkung ist durchaus wahrscheinlich, da die ätherischen Öle eine antimikrobielle Wirkung zeigen. Im Laborversuch hatte das ätherische Öl einen hemmenden Effekt auf das Wachstum von Bakterien, Pilzen sowie Parasiten (Trichinen). In der Türkei und Italien wird Wermut von der Traditionellen Medizin als Wurmmittel verwendet.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Gelegentlich treten nach Kontakt mit den Blüten von Wermut allergische Hautreaktionen auf. Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Kreuzblütler wird ab und zu auch eine positive Reaktion auf Wermut gefunden.

Wermut als traditioneller Aromazusatz von Absinth, Wermutlikör und anderen alkoholischen Getränken ist mittlerweile in den meisten Ländern verboten, darf aber nach einem EU-Beschluss unverständlicherweise seit 2003 wieder gehandelt werden. Bei Missbrauch treten Kopfschmerzen, Schwindel, Krämpfe, Halluzinationen sowie gelegentlich epilepsieähnliche Zustände auf. Die Aufnahme kleiner Thujonmengen über die Nahrung oder Arzneimittel stellt sehr wahrscheinlich kein Gesundheitsrisiko dar.

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Geschnittenes getrocknetes Kraut verwendet man für Aufgüsse und Abkochungen, Extrakte oder Tinkturen. Zur Einnahme werden flüssige und feste Darreichungsformen angeboten.

Dosierung

innerliche Anwendung:

  • Tee zur Förderung der Verdauung: Bis zu 3 g (Tagesdosis) trockenes Kraut mit heißem Wasser (ca. 150 ml) übergießen und nach etwa 10 min durch ein Teesieb abseihen. Mehrmals täglich eine Tasse frisch zubereiten und den Tee 30 min vor den Mahlzeiten trinken.
  • Tinctura Absinthii: Dreimal täglich 10 bis 30 Tropfen in nicht zu wenig Wasser einnehmen.
  • Fluidextrakt: Dreimal täglich 1 bis 2 ml einnehmen.

äußerliche Anwendung:

  • zur Wundreinigung und bei Insektenstichen: Eine handvoll Kraut auf 1 L Wasser geben und 5 min abkochen.

Wirkstoffe

  • ätherische Öle: Mono- und Sesquiterpene, insbesondere α-Thujon, ferner β-Thujon und Chrysanthenylacetat.
  • Flavone
  • Gerbstoffe
  • Monoterpene
  • Sesquiterpenlactone: Absinthin und Artabsin; sind für den bitteren Geschmack verantwortlich.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen