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Säure-Basen-Haushalt: Kann der Körper übersäuern?

Eine junge Frau liegt bäuchlings auf einem Sofa und löffelt Joghurt mit frischen Himbeeren.

Was ist dran am Säure-Basen-Fasten?

„Übersäuerung“: Ein Schlagwort, das zum Standard-Repertoire zahlreicher Gesundheits- und Frauenzeitschriften zählt. Doch kann der Körper überhaupt übersäuern? Und wem hilft Basenfasten?

Von: Corinna Heyer

Die Theorie eines übersäuerten Körpers

Anhänger des Säure-Basen-Fastens gehen davon aus, dass sich durch eine Ernährung mit viel eiweißhaltigen Produkten wie Fleisch, Käse und Eier und wenig Gemüse und Obst Säuren im Körper anhäufen. Diese überschüssige Säure würde der Körper dann im Bindegewebe ablagern, wodurch die Gewebsfunktion beeinträchtigt und das Gewebe nicht mehr optimal versorgt werden würde. Eine anhaltende chronische Übersäuerung würde dann zu allerlei gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Gelenkschmerzen, Müdigkeit oder Celluite führen. Dieser Entwicklung könne aber mit Basenfasten, also der ausschließlichen Ernährung mit Obst, Gemüse und Kräutern für ein oder zwei Wochen, begegnet werden. 

Die Säure-Basen-Theorie – Krankheiten durch eine Übersäuerung des Bindegewebes – ist von der Schulmedizin nicht anerkannt.

Fakt ist allerdings, dass wir tatsächlich die Nahrung danach unterscheiden können, ob sie bei der Verstoffwechselung in saure oder basische Bestandteile zerlegt wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Lebensmittel sauer schmeckt oder nicht. Nur – schadet eine Übersäuerung tatsächlich der Gesundheit?

Warum der Geschmack nichts über Säurebildung aussagt

Ob ein Lebensmittel sauer schmeckt oder nicht, lässt keinen Rückschluss auf eventuell säurebildende Eigenschaften zu. So gehören bspw. Zitronen zu den basenbildenden Lebensmitteln. Zur Säurebildung führen ausschließlich Phosphorsäure und Proteine. Exakter: Der kleinste Baustein eines Proteins sind die Aminosäuren. Ganz genau betrachtet werden sogar nur die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein unter Säurebildung verstoffwechselt. Demnach gilt: Je mehr von diesen Aminosäuren in einem Lebensmittel enthalten sind, desto saurer wird es verstoffwechselt.

So lässt sich auch erklären, warum reiner Zucker (Kohlenhydrat) sowie Öle und Fette neutral verstoffwechselt werden – entgegen zahlreicher anders lautender Darstellungen im Internet und anderswo. Nimmt man dagegen Süßigkeiten in Form von süßem Gebäck zu sich, dann enthält dieses nicht nur Zucker, sondern auch Eier, Milch und Mehl. Und da es sich bei diesen Zutaten um säurebildende Lebensmittel handelt, werden daraus hergestellte Gebäcke sauer verstoffwechselt. Gummibärchen sind dagegen beispielsweise wieder neutral, da sie nur Zucker und kein Protein enthalten.

Unser Körper verfügt über ein ausgeklügeltes Ausscheidungssystem

Fakt ist also, dass der Körper durch zu viele säurebildende Lebensmittel sehr wohl kurzzeitig übersäuern kann. Mit einer gut eingespielten "Müllabführ", die aus Niere (Harnausscheidung), Lunge (Atmung), Haut (Schweiß) und Darm besteht, werden überschüssige Säuren aber einfach ausgeschieden. Problematisch kann es allerdings werden, wenn es jahrelang zu einer Übersäuerung kommt und die Puffersysteme ständig ausgleichen müssen. Kommt dann noch Bewegungsmangel hinzu – durch Sport wird aktiv Säure, nämlich Kohlensäure, in Form von Kohlendioxid ausgeschieden, kann es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen.

Unterschiedliche Sichtweise: Naturheilkunde vs. Schulmedizin

Wird bei der Messung des pH-Wertes des Urins ein übersäuerter Harn festgestellt, so ist das für Naturheilkundler der Beweis, dass es sehr wohl eine Übersäuerung gibt. Schulmediziner sehen darin nur die Bestätigung, dass die Regulationsmechanismen funktionieren und eben die überschüssigen Säuren über den Urin ausgeschieden worden sind.

Akute Übersäuerung ist eine schwere Erkrankung

Allerdings kennt auch die Schulmedizin den Begriff der Übersäuerung (Fachjargon „Azidose“). Eine akute Azidose ist aber eine schwere Erkrankung, die ärztlich – oft sogar intensivmedizinisch – behandelt werden muss. Sie wird immer dann diagnostiziert, wenn es im Blut zu einem Absinken des pH-Wertes kommt. Normalerweise ist unser Blut leicht basisch und liegt im Normbereich zwischen 7,35 und 7,45. Schon kleinste Abweichungen unter den Wert von 7,35 bewirken, dass zum Beispiel Nerven in Gehirn und Rückenmark nicht richtig kommunizieren können. Im schlimmsten Fall kommt es zu Desorientierung und Koma. Dies passiert aber nicht durch eine säurelastige Ernährung, sondern ist Folge von schweren Stoffwechselentgleisungen und wird beispielsweise durch unbehandelten Diabetes (Insulinmangel) ausgelöst (Ketoazidose).

Warum anhaltende Übersäuerung dennoch schaden kann

Der Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Remer forscht an der Universität Bonn über den Säure-Basen-Stoffwechsel und hat festgestellt, dass der Wert des Stresshormons Cortisol steigt, wenn der Körper ständig eine hohe Säurelast ausscheiden muss. "Ist das Cortisol über Monate und Jahre leicht erhöht, rechnet man damit, dass der Blutdruck steigt und das Skelettsystem beeinträchtigt wird", so Remer gegenüber spiegel-online. Auch können bestimmte Harn- oder Nierensteine entstehen und die Knochendichte kann leiden, wodurch das Osteoporoserisiko steigt. Zur Erklärung, warum die Knochenmasse leiden kann: Da der Körper bemüht ist, alle Parameter immer gleich zu halten, so auch die Menge der Säuren und Basen, greift der Körper zur Neutralisierung auf Basendepots zurück, das sind insbesondere basische Mineralien aus den Knochen. Das passiert aber erst am Ende der Fahnenstange, wenn alle Kompensationsmechanismen des Körpers erschöpft sind.

Remer möchte aber auf keinen Fall Fleisch, Käse oder Eier an den Pranger stellen. Da sie sehr viele wichtige Nährstoffe enthalten, sollte man den Verzehr nicht zu stark einschränken. Es kommt auf die Balance und auf den Ausgleich mit basenreichen Lebensmitteln an. Das Verhältnis sollte circa 80 Prozent basisch zu 20 Prozent sauer sein.

Fazit: Durch eine Ernährung mit vielen Säurebildnern allein ist eine Übersäuerung kaum möglich, da ein gesunder Körperstoffwechsel solche Belastungen kurzfristig abfedern kann. Nur bei chronisch Kranken mit gestörtem Stoffwechsel (chronische Darm-, Nieren-, Lungen-, Pankreas-, oder Nebennierenerkrankungen) kann das passieren, wenn diese sich über lange Zeiträume extrem einseitig ernähren mit Wurst und Fleisch in Massen (Phosphat-reich!) und dann noch ein Vitamin-D-Mangel vorliegt. Säurelastige Ernährung über einen sehr langen Zeitraum kann über das Stresshormon Cortisol aber indirekt die Gesundheit auf Dauer schaden.

Das Thema Säure-Basen-Regulation, insbesondere in Hinsicht auf den Mineralienhaushalt, ist komplex. Bisher gibt es viele Untersuchungen auf diesem Gebiet und es herrscht kein Konsens über Auswirkungen und Mechanismen.

Sonderfall Gicht durch erhöhte Harnsäurewerte

Bei gleichzeitiger entsprechender genetischer Veranlagung können erhöhte Harnsäurewerte zur Gicht führen. Den Ausbruch dieser Krankheit spüren Betroffene oftmals erstmalig daran, dass der große Zeh aufgrund in den Gelenken eingelagerter Harnsäurekristalle plötzlich schmerzt. „Der Harnsäurespiegel spielt bei der Entstehung von Gicht eine wichtige Rolle“, erklärt dazu Prof. Dr. Jürgen Vormann, Leiter des Instituts für Prävention und Ernährung in München. Er allein erzeugt jedoch noch keine Gicht. Es müssen mehrere Faktoren zusammenkommen. „Zunächst einmal eine bereits vorhandene Veranlagung für Gicht sowie eine ungünstige Ernährung“, sagt Vormann. „Wenn Fleisch zu oft auf dem Speiseplan steht, können die darin enthaltenen Purine (Eiweißverbindungen, Anm. d. Red.) den Harnsäurespiegel im Blut erhöhen.“

Zur Regulierung des Harnsäurespiegels sollten betroffene Patienten deshalb auf den übermäßigen Verzehr purinreicher Lebensmittel wie Fleisch, Hülsenfrüchte sowie Schalen- und Krustentiere verzichten. Daneben ist ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt wichtig, um überschüssige Säure zu neutralisieren. „Der Abbau von Säure ist ratsam, weil sich die für den Schmerz verantwortlichen Harnsäurekristalle bei einer Übersäuerung ausbilden können“, konstatiert Vormann.

Ein weiterer Tipp des Ernährungsexperten: „Wer gichtgefährdet ist, sollte Fastenkuren oder Diäten nur nach Rücksprache mit seinem Arzt machen.“ Der damit einhergehende Fettabbau belastet den Stoffwechsel durch die Bildung so genannter Ketosäuren, wodurch die Säurebelastung des Körpers steigt. Es kann so zu einer vorübergehenden Übersäuerung kommen, die außerdem den weiteren Fettabbau erschwert. Deshalb sollte man gerade während einer solchen Abnehmphase ausreichend trinken, damit die Nieren die überschüssige Säure leichter ausschwemmen können. Vor allem Getränke wie Wasser, ungezuckerte Kräuter- oder Früchtetees und Gemüsesäfte unterstützen das Ausleiten der Säure.

Aber warum wirkt das Basenfasten bei der Nachbarin?

Wohl jeder kennt jemanden, der begeistert berichtet, wie gut ihm/ihr eine basenreiche Ernährung getan hat und wie wohl und fit er/sie sich jetzt fühle. Steckt also doch etwas hinter der basenreichen Ernährung?

Jein. Ein positiver Nebeneffekt der basischen Ernährung liegt klar auf der Hand: Wer seinen Körper mit Fast Food, Wurstwaren, viel Fleisch Alkohol etc. verschont und ihn dafür mit vielen verschiedenen Gemüsesorten und Obst verwöhnt, der beherzigt genau die Empfehlungen aller Ernährungswissenschaftler. Logisch, dass man dann auch ziemlich schnell die positiven Effekte zu spüren bekommt. Die Verdauung funktioniert wieder besser, die allgemeine Fitness steigt und bei vielen verbessert sich sogar das Hautbild oder die Waage zeigt ein paar Pfunde weniger an.

PhytoDoc empfiehlt: Dauerhaftes "Basenfasten" mit Augenmaß

Doktor Blatt

Wenn Sie das Gefühl haben, die Umstellung auf basische Lebensmittel tut Ihnen gut, dann spricht nichts dagegen, diese Ernährungsweise beizubehalten. Im Gegenteil, Sie tun Ihrer Gesundheit damit eine Menge Gutes, denn viele Nahrungsmittel, die in der Theorie der basischen Ernährung als säurebildend eingestuft werden, sind im Übermaß sowieso meist ungesund.

Dennoch sollten Sie nicht zu dogmatisch mit dieser Lebensmitteleinteilung umgehen. Kaffee, Tee und Nüsse zum Beispiel haben viele positive gesundheitliche Effekte. Und auch Hülsenfrüchte, Getreide, Käse und Fleisch enthalten viele wichtige Nährstoffe. Es kommt auf die Balance an. Probieren Sie ruhig einiges aus, lassen Sie einige Lebensmittel weg und schauen Sie, wie Ihr Körper reagiert.

Um den Start zu erleichtern oder falls Sie sich die letzten Monate besonders säurelastig ernährt haben, können auch anfangs spezielle Nahrungsergänzungsmittel (Basica, Basakatt N, Basentabs Pascoe usw.) aus der Apotheke sinnvoll sein. Eine gesunde Ernährungsweise ersetzen sie aber nicht. Solche Nahrungsergänzungsmittel enthalten Kombinationen basischer Mineralstoffe in Form organischer Mineralverbindungen, wie sie natürlicherweise auch in Obst und Gemüse vorkommen. Diese basischen Mineralstoffe tragen dazu bei, die überschüssigen Säuren zu neutralisieren.

Abschließender Tipp: Da auch Stress und mangelnde Bewegung ähnliche negative Auswirkungen wie eine jahrelange, hohe Säurebelastung durch die Ernährung auf die Gesundheit haben, sind moderater Sport und ausgeglichene Lebensweise ebenfalls zwei wichtige Bausteine in der Lebensführung, die zu mehr Wohlbefinden und Fitness führen.