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Meerrettich-Tinktur als Bakterien- und Virenschreck

© Gabriele Leonie Bräutigam

Zurück zur Natur: Hausmittel Meerrettich

Noch vor 100 Jahren gab es keine flächendeckende medizinische Versorgung. Umso wichtiger waren erprobte Hausmittel, welche die eigene Immunabwehr so stärkten, dass man nicht krank wurde bzw. Infektionen einen möglichst schwachen Verlauf nehmen. Ein Wissen, das gerade jetzt wieder an Bedeutung gewinnt. Ein altes Hausmittel ist die Meerrettich-Tinktur.

Von: Gabriele Leonie Bräutigam

Die eigene Immunabwehr stärken ...

... dafür gibt es verschiedene Wege. Unsere Wildpflanzenexpertin Gabriele Leonie Bräutigam stellt zum Frühlingsanfang ein altes Meerrettich-Familienrezept und weitere immunstärkende Wildpflanzen vor. Wer es gern scharf mag, der ist beim Meerrettich und seinen Verwandten genau richtig aufgehoben.

Was macht den Meerrettich so gesund?

Meerrettich ist vollgepackt mit Senfölglycosiden (Glucosinolaten). Diese Inhaltsstoffe soll die Pflanze vor Keimen und vor allem Fressfeinden schützen. Wie die scharf schmeckenden Senföle entstehen, ist ein genialer Vorgang. Diese entstehen nämlich erst adhoc, wenn die pflanzlichen Zellen verletzt werden, zum Beispiel durch Insektenfraß oder bei Verarbeitung der Wurzel (durch Kauen, Hacken, Raspeln, Mixen). Vorher in getrennten Zellen gespeicherte Stoffe wie die Senfölglykoside und ein bestimmtes Enzym (Myrosinase) prallen dann aufeinander und es entsteht Senföl.

Diese scharfen bis leicht bitteren Senföle wirken gegen Bakterien und Pilze und daher ist Meerrettich beliebt und wirkt gesichert bei Erkältungskrankheiten oder Infektionen der Harnwege. Aber die scharfe Wurzel wirkt auch antiviral (Laborversuch in Kombination mit Kapuzinerkresse): Eine Gießener Forschergruppe konnte in In-vitro-Untersuchungen nachweisen, dass Grippe-Viren um 90 Prozent gehemmt wurden [1]. Das Wirkprinzip ist dabei wahrscheinlich ähnlich wie bei den Schachmatt gesetzten Bakterien: die Senföle stören die Interaktion zwischen Virus und der zu befallenden Zelle. So können sich Bakterien bzw. Viren nicht an die Körperzellen anheften.

Dies versetzt zugleich die körpereigene Immunabwehr in die Lage, sich schneller durchzusetzen. Die grüne Hausapotheke setzt dazu Meerrettich bzw. Kapuzinerkresse in Alkohol als Tinktur an. Der Meerrettich-Extrakt wurde früher auch äußerlich angewendet, als Umschlag bei Gelenkentzündungen. Im Hausgebrauch raspelte man ihn einfach aufs Brot, sobald erste Erkältungs- oder Grippe-Symptome auftauchten. Höchstmenge beachten: bei der frischen Wurzel gilt eine Tagesdosis von nicht mehr als 20 Gramm.

Eine Scheibe Brot mit geriebenem Merrettich
© Gabriele Leonie Bräutigam

Meerrettich-Tinktur selbst ansetzen

Scharfstoffe und ätherische Öle benötigen zum Auszug eine Ethanolkonzentration von ca. 50 Prozent, denn nur so können auch wasserunlösliche, das heißt alkohollösliche Inhaltsstoffe in Lösung gebracht werden. Für den Hausgebrauch kann man handelsüblichen Wodka verwenden, den man mit etwas Ethanol aus der Apotheke mischt.

Zutaten

  • Wodka circa 40 Prozent
  • Ethanol aus der Apotheke
  • Frische Meerrettich-Wurzel

Zubereitung

© Gabriele Leonie Bräutigam
  • Meerrettichwurzel schaben und in kleine Stücke hacken oder raspeln
  • Flasche zu ca. 1/3 mit dem Meerrettich füllen
  • 2/3 des Volumens mit Alkohol-Mix aufgießen
  • Bei Zimmertemperatur in die Sonne stellen
  • Täglich schütteln
  • Nach ca. 1 Woche gebrauchsfertig, dann in eine Pipettenflasche füllen

Anwendung: Sobald sich erste Erkältungssymptome zeigen

Man nimmt 2 bis 3 mal täglich ca. 10 Tropfen (oder ca. ½ Pipette) – 1:1 mit Wasser verdünnt oder auch 2 Teile Wasser auf 1 Teil Meerrettich-Auszug. Im Zweifelsfall lieber etwas mehr verdünnen, die Tinktur kann gerade empfindliche Schleimhäute stark reizen.

Man nahm den verdünnten Meerrettichauszug früher bei den ersten Anzeichen einer Infektion und ließ ihn bestmöglich im Rachenraum zergehen.
Dauer: Spätestens nach 14-tägiger Einnahme eine Pause einlegen.

Wichtig: Vorher probieren und die Schärfe individuell verträglich anpassen. 

Haltbarkeit: Die Tinktur hält ein Jahr.

Nicht für Kinder und Alkoholiker geeignet – enthält Alkohol.

Alternative ohne Alkohol: Meerrettich-Sirup nach Ursel Bühring

Zur Desinfektion des Rachenraums.

Zutaten: Meerrettich und Honig im Verhältnis 1:2.

Zubereitung:

  • Wurzel grob raspeln, die doppelte Menge Honig zugeben und über Nacht ziehen lassen. Durch ein Seihtuch gießen.
  • 3 Mal täglich 1/2 Teelöffel einnehmen.

Folgende Gegenanzeigen sind zu beachten

Wichtig zu wissen: Der Meerrettich ist reizend, zu viel davon auf der Haut oder im Darm verursachen Probleme. Bei der frischen Wurzel gilt eine Tagesdosis von nicht mehr als 20 Gramm.

Weiterhin gibt es folgende Gegenanzeigen: Meerrettich sollte bei Magen- oder Darmgeschwüren, entzündlichen Darmerkrankungen und bei akuten oder chronischen Entzündungen der Nieren nicht angewendet werden.

Hilft die Tinktur auch gegen das neuartige Corona-Virus?

Dazu gibt es keine verlässlichen Aussagen, da das Virus noch zu neu ist. Sicher ist nur, dass Meerrettich starke antibiotische Eigenschaften besitzt und im Zellversuch auch antiviral gegen Rhinoviren und Grippeviren wirkt [1]. Einen Versuch wert als vorbeugende Kur ist es allemal, da es ja bisher eh keine Medikamente zur Behandlung von Covid-19 gibt. Dass die Tinktur verlässlich gegen das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) wirkt, kann aber nicht guten Gewissens mit "Ja" beantwortet werden.

Und die Dosis?

Nach gesundem Menschenverstand würde ich empfehlen:  

3 Mal täglich 1 Pipette/20 Tropfen/circa 1/2 Teelöffel. Am besten etwas verdünnen und im Mund-Rachenraum etwas einwirken lassen (also danach nicht gleich etwas essen oder trinken): also eher nach Mittag- und Abendessen. 

Immunstärkende Wildpflanzen

Der erste Wildkräuteraustrieb zu Frühlingsanfang strotzt nur so vor Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen. Neben Meerrettich gibt es noch weitere Wildkräuter mit immunstärkenden Senfölglycosiden. Sie alle gehören zur Familie der Kreuzblütler. Und das ist kein Zufall, denn Senfölglycoside sind jene schwefel- und stickstoffhaltigen sekundären Pflanzenstoffe, die der Familie der Kreuzblütler ihren scharfen bis leicht bitteren Geschmack verleihen.

Gedeihen und blühen im März/April:

  • Brunnenkresse (Nasturtium officinale)
  • Garten-Schaumkraut (Cardamine hirsuta)
  • Winterkresse (Barbarea vulgaris)

Aber auch die ganzen anderen Fitmacher: Bärlauch, Brennnessel, Löwenzahn, Bach-Ehrenpreis bis zum Gänseblümchen. Sie aktivieren die unterschiedlichen Körpersysteme und trainieren auf diese Weise die unspezifische Immunabwehr.

Kräuter sammeln kann man auch sehr gut allein in Wald und Wiese, ganz ohne Infektionsgefahr. Vor allem im eigenen Garten nach dem Motto “Ernten statt jäten”. Sonnenlicht regt die natürliche Vitamin D-Produktion an, Bewegung aktiviert den Stoffwechsel – auch das fördert die körpereigene und vor allem auch die seelische Immunabwehr.

Wer diese Möglichkeiten nicht hat, der kann auch einfach Kresse auf der Fensterbank ziehen.

Bleiben Sie gesund!

Rezepte für die immunstärkende Ernährung finden Sie auf www.herbalista.eu

Quellen/Weitere Informationen

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