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Feldenkrais

© SFV Schweizerischer Feldenkrais-Verband

Feldenkrais: Neuanfang gegen die Routine

Feldenkrais ist eine sanfte Methode, um einschränkende Bewegungsweisen zu ändern. "Lernmethode" nannte Moshé Feldenkrais diese.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Was ist die Feldenkrais-Methode?

Feldenkrais ist eine sanfte Methode, um einschränkende Bewegungsweisen zu ändern. Die Gefahr bei oft wiederholten Abläufen ist, dass man immer wieder in die alten Muster verfällt, ob es gut tut oder nicht. Feldenkrais möchte die „Schranken“ des Gelernten aufheben. Es gilt zu entdecken, dass man mehr als eine Möglichkeit hat, einen Vorgang auszuführen.

Lernen will gelernt sein

Die Schule trainiert überwiegend „akademisches Lernen“. Es betrifft den Intellekt und läuft vollständig anders ab, als das Lernen bei Feldenkrais: hier praktiziert man „organisches Lernen“ – die Lernmethode, mit der wir geboren werden. Dabei wechseln sich Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Handeln ab. Die Methode richtet sich also nicht nur an den Geist, sondern sehr intensiv auch an die Bewegungskompetenz des Körpers. Bei Feldenkrais geht es darum, die Möglichkeiten bis an die Grenzen auszuloten, Fehler zu machen und mit einer neuen Variante fortzufahren, eine Art effiziente fortlaufende Optimierung durch Erfahrungen. Es gibt bei Feldenkrais keine Wiederholungen, nur Variationen und keine Misserfolge, nur lehrreiche Fehler. Der Lohn dafür ist die Freude am Entdecken von brauchbaren Lösungen. Organisches Lernen ist immer zweckgebunden, zielgerichtet und in einen Kontext eingebunden.

Bewegen und Denken hängen zusammen

Der israelische Physiker Moshé Feldenkrais hatte ein ereignisreiches Leben und war außerdem offen für verschiedenste Inspirationen. Er praktizierte Kampfsportarten und wurde Judomeister. Eine Verletzung veranlasste ihn über Zusammenhänge zwischen Bewegung, Denken, Sinnesempfindungen und Emotionen nachzudenken.

Nach der Theorie von Moshé Feldenkrais spiegelt sich unser ganzes Selbst und die Geschichten unseres Lebens in der Qualität der Bewegungen. Zugänglich über die Bewegung sind auch Gefühle und Gedanken, die sozusagen mit dem Erlernen einer Bewegung eingefroren sind. Bewusstes Bewegen schafft nicht nur Klarheit im Denken und Handeln, über das Erlernen neuer Bewegungen sollen sich Gedanken und Gefühle ändern lassen. Feldenkrais richtet sich somit an den gesamten Menschen.

Anwendungsgebiete der Feldenkrais-Methode

  • Blockaden: Förderung Kreativität und Spontaneität
  • Demenz, Verzögerung der Pflegebedürftigkeit
  • Depressionsproblematik
  • Essstörungen
  • Gelenkschmerzen, Arthrose, Arthritis, Rheuma, Morbus Bechterew
  • Haltungsschäden, Morbus Scheuermann
  • Ischias
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Neurologische Erkrankungen: z.B. Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Multiple Sklerose, Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose, Polyneuropathie
  • Osteoporose
  • Prophylaxe, Sturzprophylaxe
  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Rückenschmerzen, Nacken-Schulterschmerzen
  • Schlafprobleme
  • Schlaganfall, Lähmungen: Rehabilitation
  • Schmerzsyndrome, chronischen Schmerzen, Fibromyalgie
  • Schultersteife (Frozen Shoulder)
  • Selbstwertproblematik
  • Stress und Stressfolgen einschließlich Zunge-Mund-Kiefer-Probleme, Kopfschmerzen, Anspannung und Sorgen
  • Verletzungen, Frakturen, Zerrungen, Sehnenriss: Rehabilitation

Prinzipien der Feldenkrais-Methode

Feldenkrais ist ein neuer Anfang gegen die Routine. Viele Menschen haben die Fähigkeit verloren, sich selbst zu helfen. Sie nehmen nicht mehr wahr, was eine Bewegung in ihnen auslöst und welche Alternativen sie hätten. Viele andere Ansätze sind wirkungslos, weil sie diese Probleme nicht berücksichtigen.

Erste Schritte

Die Grundkomponenten der Bewegungen werden in frühester Kindheit gelegt. Danach hören wir auf, neue zu entwickeln. Das Gelernte wird unbewusst abgerufen, ohne weitere Prüfung auf Angemessenheit. Die erste Lektion bei Feldenkrais ist daher Versenkung, Konzentration und Schärfung der Wahrnehmung, denn alles, was bewusst wird, kann man ändern, wenn man den Weg dazu kennt.

Der Einheit nachspüren

Nach und nach soll durch Feldenkrais ein Gefühl dafür entstehen, dass alles zusammenhängt. Die Augen mit dem Nacken, Der Atem mit dem Becken und der Körper mit der Seele. Indem man körperliche Änderungen an einer Stelle vornimmt, zeigen diese oft Wirkungen an ganz anderen Orten, unter Umständen auch seelische Effekte. Den Körper mit seinen Haltungen und Bewegungen zu verstehen, heißt, auch in Psyche und Unterbewusstsein einzutauchen. Nach Feldenkrais sei es aber leichter, zur muskulären Bewegung Zugang zu finden, als zur Seele. Erstere ist einfacher zu sehen, zu lokalisieren und zu ändern.

Feldenkrais ist damit durch seine Folgewirkungen vom Bewegungsapparat auf viele weitere Systeme ein ausgesprochen ganzheitliches Verfahren.

Der Zugang zum Intellekt

Moshe Feldenkrais ging aber noch weiter: “Ein Gehirn ohne Körper kann nicht denken”. So seien auch Denken und Erinnern mit der Bewegung verknüpft. Die Feldenkrais - Methode könne daher nicht nur körperliche und seelische Beschwerden lindern, sondern auch den Zugang zur Entwicklung von Geist und Begabung ebnen. Auch dieses Angebot richtet sich an alle Menschen: ob geistige Behinderung oder künstlerische Perfektion – Fähigkeiten lassen sich bei allen ausbauen.

Das Gefängnis verlassen

Personen, die durch Unfall und Krankheit mit einem körperlichen oder geistigen Handicap zu kämpfen haben, kann Feldenkrais helfen, anders damit umzugehen, so dass sich der Bewegungsradius erweitern lässt. Da die Kommunikation in der Einzeltherapie ohne Worte erfolgt, ist das beherrschen von Sprache keine Voraussetzung für die Therapie. Selbst bei umfassenden zentralen Schädigungen ist immer noch ein „Kompensationspotential“ vorhanden, das mit Feldenkrais gefördert werden kann.

Hilfe zur Selbsthilfe

Kursteilnehmer bekommen durch Feldenkrais Kompetenzen an die Hand, sich „neue Ressourcen“ zur Bewältigung ihrer Einschränkungen selbst zu erschließen und zu nutzen. Somit fördert die Methode Selbstständigkeit, Selbstwert und Zuversicht. In Studien wurde Feldenkrais diese Eigenschaft ausdrücklich bescheinigt.

Leichtigkeit gegen Schmerz

Oftmals werden Schmerzen durch Verkrampfungen, Haltungsschäden und monotone Bewegungen ausgelöst. Die innere Erwartungshaltung lässt keine schmerzfreie Bewegung mehr zu. Es entsteht eine starke muskuläre Abwehrhaltung, welche den Schmerz verstärkt. Das Bewegungsmuster verarmt und wird einseitig. Auch hier kann Feldenkrais helfen einen Weg aus dem Teufelskreis zu finden: Die Methode gibt Anleitung, um die Harmonie und Leichtigkeit neu zu entdecken.

Im Alter die Balance bewahren

Älteren Personen drohen durch den Verlust des Gleichgewichtsgefühls schwere Sturzverletzungen. Über das Feldenkrais -Programm kann ihre Beweglichkeit und Balance gefördert werden, gleichzeitig wächst auch die Zuversicht und die Angst vor einem Sturz sinkt. Feldenkrais erfordert keine große Kraftanstrengung, so dass auch geschwächte Personen behandelt werden können und auch für MS-Patienten ist die Methode geeignet.

Ablauf

Feldenkrais kann als Einzelsitzung oder auch in der Gruppe durchgeführt werden.

Einzelsitzungen

Bei Einzelsitzungen kommen manipulative Techniken zum Einsatz, die ganz auf die Bedürfnisse des Kunden ausgelegt sind (Funktionale Integration). Der Therapeut geleitet den Klient durch verschiedene Bewegungsabläufe und -kombinationen, indem er ihn durch sanfte Berührungen führt. Die Therapie erfolgt wortlos, um den Klienten nicht von seinem inneren Erleben abzulenken. Dabei sind es oft nicht die großen Bewegungen, sondern viele kleine, kaum wahrnehmbare Abläufe. Dabei nutzt Feldenkrais „kraftarme“ Bewegungen, um zu vermeiden, dass sich Muskeln verkrampfen und Abwehrspannungen entstehen.

Gruppenkurse

Das Prinzip der Gruppenkurse sind Bewegungsanweisungen begleitet von einer Aufforderung zur Wahrnehmung. Zunächst ist dieses Vorgehen ungewohnt, denn im normalen Leben geht es nicht darum, wie sich eine Bewegung überhaupt anfühlt, sondern dass ein Vorgang erledigt wird.

Ergänzende Maßnahmen

Feldenkrais ist ein ganzheitliches Verfahren. Weitere begleitende Maßnahmen sind nicht notwendig.

Eine ähnliche Wirkung haben die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Rolfing, Alexander-TechnikTrager-Arbeit und Yoga. Auch hier werden über körperliche Vorgänge oft seelische Änderungen in Gang gesetzt.

Qualifikation

Für die Ausbildung gibt es internationale Standards und Richtlinien für den Ablauf des Trainings. Sie werden von den Verbänden beständig überwacht und angepasst. Diese Richtlinien enthalten die Mindestanforderungen.

Bei der Ausbildung zum Feldenkrais -Lehrer werden Theorie und Praxis miteinander verknüpft. Es sind mindestens 160 Ausbildungstage verteilt auf 3-5 Jahre (= 800 Gesamtstunden Präsenz) zu absolvieren. Funktionale Integration wird den Lernenden in 12 Einzelstunden praktisch vermittelt.

Nach erfolgreichem Abschluss des Trainings erhält der Therapeut ein international anerkanntes Zertifikat. Mitglieder des deutschen FVD Feldenkrais -Verband e.V. dürfen als zusätzliches Gütesiegel das Logo benutzen.

Bewertung der Feldenkrais-Methode

Wissenschaft: Zwar gibt es einige Studien zu Feldenkrais mit ermutigenden Erfolgen in den Bereichen Nacken- und Rückenschmerzen, Stress, Multiple Sklerose sowie Sturzprophylaxe, doch die geringe Qualität der Durchführung erlaubt keine abschließende Beurteilung. Das Verfahren gilt daher trotz positiver Hinweise immer noch nicht als anerkannt.

Klient: Der Klient begibt sich bei Feldenkrais auf eine Reise in seine Wahrnehmungen und muss für sich selber entscheiden, was für ihn individuell richtig ist. Die Fähigkeit zu dieser Unterscheidung wird dabei systematisch trainiert. Der Therapeut liefert „nur“ die Anleitung für diesen Prozess. Kraftsport sollte man aber hier nicht erwarten. Es geht um Leichtigkeit und Effizienz. Man muss auch etwas Geduld mitbringen, damit die neuen Bewegungen im Nervensystem gespeichert werden können. Geeignet ist Feldenkrais für alle Menschen – ohne Einschränkungen durch Alter, Behinderungen, Intelligenz oder Vorkenntnisse.

Therapeut: Die Feldenkrais Therapeuten werden darin geschult, Bewegungen in einzelne Abläufe zu zerlegen und äußerst fein abgestufte Bewegungen zu produzieren. Mit ihren Händen nehmen sie unbewusste Muskelaktivität und selbst kleinste Unterschiede wahr. Sie sollten Sensibilität, Kreativität und pädagogisches Geschick besitzen.

Wechselwirkungen

Keine Wechselwirkungen bekannt.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Feldenkrais an sich kann keine Krankheiten oder Schädigungen „heilen“. Die Methode hilft aber im Umgang damit. Die Beschwerden verschlimmern sich in seltenen Fällen auch.

Vorsicht ist geboten bei nicht ärztlich abgeklärten Beschwerden, Schmerzen, Verletzungen oder Schleudertrauma. Wenn sich während der Übungen ungewohnte Empfindungen einstellen wie Kribbeln, Übelkeit, extreme Änderung der Atem- und Pulsfrequenz sollten sich einen Fachmann aufsuchen (Allgemeinarzt, u.U. Orthopäde oder Psychiater).

Die Feldenkrais -Methode ist keine Psychotherapie. Die Methode sollte immer von Fachpersonen ausgeübt werden, denn unter ungünstigen Umständen besteht bei labilen Personen das Risiko, dass eine Krise ausgelöst wird. Dann ist u.U. eine psychologisch oder psychiatrisch ausgebildete Fachperson hinzuzuziehen. Feldenkrais als psychotherapeutische Maßnahme einzusetzen, ist umstritten.

Kosten einer Feldenkrais-Therapie

Kasse: Feldenkrais-Kurse werden in der Regel privat abgerechnet. In Ausnahmefällen kann man aber erfolgreich die Übernahme der Kosten oder einen Zuschuss beantragen. Neben einer ärztlichen Verordnung ist ein Nachweis nötig, dass die Beschwerden durch ein anderes anerkanntes Heilverfahren nicht gelindert werden konnten. Bestimmte Kassen übernehmen die Maßnahme auch im Rahmen der Prävention.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen

  • FVD Feldenkrais-Verband Deutschland e.V. Homepage
  • SFV Schweizerischer Feldenkrais Verband, Homepage


Literatur

  1. Edzard, E. et al. (Hrsg.), in der Übersetzung von Falkenburg, P.: Praxis Naturheilverfahren, 1. Auflage, Springer Verlag, 2001
  2. Ernst E. und Canter P.: The Feldenkrais Method - A systematic review of randomised clinical trials. Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin, 15 (3), 151-156, 2005
  3. FVD Feldenkrais -Verband Deutschland e.V. Homepage des Verbands, Stand August 2011
  4. International Feldenkrais Federation (IFF), Homepage, Stand Juli 2011
  5. Netz, Y. and Lidor, R.: Mood alterations in mindful versus aerobic exercise modes. Journal of Psychology, 137(5), 405-419, 2003
  6. Schmiedel, V. und Augustin, M.; Das große Praxisbuch der Naturheilkunde, Gondrom Verlag, Bindlach, 2004
  7. SFV Schweizerischer Feldenkrais Verband, Homepage, Stand August 2011
  8. Ullmann, G. et al.: Effects of Feldenkrais Exercises on Balance, Mobility, Balance Confidence and Gait Performance in Community-Dwelling Adults Age 65 and Older, Abstract, J Altern Complement Med. 16, (1), 97-105, 2010

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