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Spagyrik

Die Medikamente werden in einem mehrstufigen Laborprozess zubereitet.

Spagyrik - Verfahren zur Arzneimittelzubereitung

Die Spagyrik beinhaltet Verfahren zur Zubereitung von Arzneimitteln, welche auf den Methoden der Alchemie fußen.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Was ist Spagyrik?

Übersetzt bedeutet Spagyrik so viel wie „trennen“ (spao) und „vereinen“ (ageiro). Sie hat sich aus der Alchemie entwickelt und wird heute im Rahmen der anthroposophischen Medizin praktiziert. Die Verfahren zur Zubereitung von Spagyrika ähneln auch denen in der Homöopathie

Das besondere an der Spagyrik ist die ihr zugrunde liegende Philosophie, dass alle existierenden Stoffe aus einem Urstoff hervorgehen, welcher aus 3 Komponenten besteht, die zunächst getrennt werden müssen, um ihre Entfaltung individuell oder in einer neuen, spezifischen Kombination zu generieren. Jeder Wirkstoff wird dadurch zu seinem Ideal.

Ursprung der Spagyrik

Alchemistische Heilweisen stammen aus dem alten Ägypten, schon vor 4000 Jahren wurde diese als höchste aller Wissenschaften geehrt. Noch im Mittelalter waren diese Methoden auch in Europa allgemein verbreitet.

Hervorgegangen ist die Spagyrik aus dem Wissen um das „Stirb und Werde“, das in der Natur im Ablauf der Jahreszeiten, in jedem Wandlungsgeschehen zu beobachten ist. Auch der Mensch ist diesem ständigen Transformationsprozess unterworfen.

Der bekannteste Vertreter und Gründer der Spagyrik war Paracelsus (1493-1541), welcher zuerst die Alchemie mit einer gesundheitsfördernden Therapie verband und entsprechende Arznei entwickelte.

Heute gibt es zahlreiche Verfahren in der Spagyrik. Sie werden nach dem Entwickler des Verfahrens oder nach dem verarbeitenden Labor benannt (Beispiele: Zimpel, Krauss, Heinz, Beyersdorff, Strathmeyer).

Welche Krankheiten werden mit Spagyrik behandelt?

Behandelt werden alle Krankheiten, die einer Selbstregulation des Organismus zugänglich sind, sofern keine bleibenden organischen Schädigungen eingetreten sind.

Psychosomatische (funktionelle) Erkrankungen wie

  • Reizdarm, Reizmagen
  • Migräne,
  • Menstruationsstörungen
  • hoher oder niedriger Blutdruck

Psychovegetative Störungen, zum Beispiel

  • Schlafstörungen
  • Ängste
  • Depressionen

Allergische Erkrankungen

  • Heuschnupfen
  • Ekzeme
  • Asthma

Entzündliche Erkrankungen, soweit sie noch nicht zu Organveränderungen geführt haben, zum Beispiel

  • Nebenhöhleninfekte
  • Blasenentzündung
  • entzündliche Darmerkrankungen
  • leichte Infektionen

Behandlungsprinzip

In der Spagyrik wird angenommen, dass alles was lebt, aus einem Urstoff besteht und von einer unsichtbaren Lebenskraft beseelt wird.

Diese Lebenskraft wird in die drei philosophischen Prinzipien der Alchemie unterteilt:

  • Sal“, das materialistische Prinzip oder Körper, die Gerüststoffe der Pflanze
  • Sulfur“, das feinstoffliche oder formgebende und brennbare Prinzip, die Seele (Aromastoffe, ätherische Öle)
  • Mercurius“, das belebende Prinzip, die Heilkraft, welche zwischen Sal und Sulfur vermittelt, auch das Flüchtige und der Geist (Alkohol, der bei der Vergärung der Pflanze entsteht).

Metalle verkörpern in der Spagyrik bestimmte Eigenschaften und Kräfte. Aus diesem Grunde enthalten spagyrische Mittel häufig in hoch verdünnter Form metallische Bestandteile. Als Symbol für diese Kräfte stehen die Namen von Planeten. Spagyrik ist keine Astrologie in unserem heutigen Sinn. Bei einigen Verfahren werden bei der Herstellung dennoch natürliche Rhythmen besonders berücksichtigt und Stand von Sonne, Mond und Planeten beachtet. Zum Beispiel:

  • Sonne – Gold – "erwärmende" und tonisierende Kraft
  • Mond – Silber – kühlende, beruhigende Kraft
  • Merkur – Quecksilber – vermittelnde Wirkung
  • Venus – Kupfer – harmonisierend und entspannend
  • Mars – Eisen – kämpferische und überwältigende Prinzip
  • Jupiter – Zinn – energiefördernde, energieerhaltende und stabilisierende Kraft
  • Saturn – Blei – festigende, beruhigende und auch kühlende Kraft

Die Spagyrik hält auch Pflanzen für Träger von "Planeten-Eigenschaften". Dabei sind die Kräfte der einzelnen Heilpflanzen häufig Mischformen – das bedeutet, sie vereinen eventuell auch mehrere "Planeten-Kräfte".

Beispiel: Johanniskraut ist in der Spagyrik eine "Sonnen-Pflanze". Es soll die Aufnahme von "Licht" verbessern. Daher werden Medikamente mit Johanniskraut zu aufhellenden, aktivierenden, regenerations- und heilungsfördernden Zwecken angewandt.

Herstellung spagyrischer Arznei

In der Spagyrik wird das Heilmittel in wertvolle und nutzlose Bestandteile aufgeteilt. Nach dem extrahieren der nützlichen Bestandteile werden verschiedene dieser reinen Substanzen vereint, so soll sich ein veredeltes Heilmittel gewinnen lassen. Stoffe aus dem : Pflanzen, Tier-, Mineralreich werden schonend verwendet. So werden beispielsweise die Heilpflanzen im Idealfall in kontrolliertem Wildwuchs angebaut.

Die Zubereitung der Medikamente in der Spagyrik ist ein mehrstufiger Laborprozess.

Zum Einsatz kommen verschiedenste chemische und mikrobiologische Verfahren wie

  • Extraktion mit verschiedenen Lösungsmitteln und Erwärmen
  • Fermentationsprozesse mit Mikroorganismen
  • Destillation
  • Verbrennen, Rösten, Brennen

Im Anschluss können die gewonnenen Bestandteile nach homöopathischen Regeln potenziert werden. Nach Rezept werden die entstandenen Verdünnungen vereinigt und dann noch einmal gemeinsam verdünnt. Dieser Kombinationsprozess wird als Konjugation oder Konjunktion bezeichnet. So vereinigt man z.B. Metalle mit Pflanzen, Metalle mit Metallen und Kombinationen mit Kombinationen.

Spagyrische Arzneimittel

Es existieren verschiedene gängige Darreichungsformen spagyrischer Arznei: Tropfen, Tabletten, Kapseln, Linimente, Salben, Sprays und als Injektion. Es handelt sich um reine oder potenzierte Extrakte und Kombinationen, die je nach Beschwerden durch den Heilpraktizierenden zusammengestellt werden oder in generalisierter Zusammensetzung käuflich zu erwerben sind.


Wie wirksam ist Spagyrik?

Patient

Darüber, ob man spagyrische Heilmittel anwenden soll oder nicht, gibt es leidenschaftliche Diskussionen. Da harte Daten fehlen, bleibt dies Meinungssache.

Therapeut

Die Spagyrik wird zum Beispiel im Rahmen der anthroposophischen oder homöopathischen Medizin ausgeübt. Der spagyrische Therapeut betrachtet den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele und versucht durch die Heilmittel diese Elemente in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen.

Schulmedizin

Spagyrik ist wie die Homöopathie nicht wissenschaftlich bewiesen. Die naturwissenschaftlich ausgerichtete Medizin lehnt diese Richtung als „esoterisch“ ab.

Einige spagyrische Verfahren sind im homöopathischen Arzneibuch beschrieben und standardisiert. Die entsprechend hergestellten Arzneimittel werden rechtlich wie homöopathische Arzneimittel gehandhabt und der Verkauf muss behördlich genehmigt werden. Insofern kann durch die Anwendung spagyrischer Heilmittel kein Schaden entstehen, wenn auch der Nutzen nicht belegt werden kann. Man sollte nur darauf achten, dass eine dringend notwendige schulmedizinische Therapie durch Spagyrik nicht verzögert wird.

Kosten

Spagyrische Behandlungen werden von Heilpraktikern nach Aufwand abgerechnet, oft ist sie Teil einer ganzheitlichen Therapie. Sie bekommen ein Rezept für eine spezifisch abgestimmte Zusammensetzung von Essenzen. 

Durchschnittlich kosten 50 ml einer Essenz aus der Apotheke etwa 10 Euro. Sie sind nicht im Freihandel erhältlich, können jedoch auch in Online-Apotheken bestellt werden.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen
  1. Bauer J.C.: Spagyrik - die Grundlagen, 23. September 2009
  2. Bauer, J.C.: Spagyrik / Spagyrische Medizin - heute noch zeitgemäß? Phönix Laboratorium, Homepage, Stand 1995
  3. Bierbach, E. (Hrsg.): Naturheilpraxis Heute; 3. Auflage, Elsevier Urban & Fischer, München, Jena, 2006
  4. HSI-Spagyrik Institut GmbH zum Thema „Spagyrik“; Homepage, Stand 12 Mai 2010
  5. Optikur: Spagyrische Essenzen, Stand Mai 2010
  6. Schmiedel, V. und Augustin, M.; Das große Praxisbuch der Naturheilkunde, Gondrom Verlag, Bindlach, 2004