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Die Erkrankung verstehen: Magenschleimhautentzündung

Auf den Magen geschlagen

Die Magenschleimhautentzündung ist eine äußerst häufige Krankheit, die akut, oft auch chronisch verläuft. Es treten Oberbauchschmerzen, Appetitlosigkeit, in schweren Fällen auch Übelkeit und Erbrechen auf.

Die akute Form ist meist durch reizende Stoffe verursacht wie Alkohol oder Aspirin, eine Lebensmittelvergiftung oder eine Magen-Darm-Grippe. Chronische Formen haben eher andere Ursachen: Dann leidet man unter Umständen unter einer Autoimmunerkrankung oder unter einer Dauer-Infektion mit einem Magenkeim. Aber auch ein harmloser Reizmagen wird schnell zur Dauerbaustelle.

Definition

Das steckt dahinter

Eigentlich ist der Magen eine unwirtliche Gegend: Ätzende Säure und protein-spaltende Enzyme greifen alles an, was geschluckt wird. Doch es gibt Ausnahmen von der Regel: Ein Keim liebt diese Bedingungen und kann hier konkurrenzlos leben: Bei der chronischen Form der Magenschleimhautentzündung ist das Bakterium Helicobacter pylori besonders oft beteiligt. Es lebt im Schleim der Magenschleimhaut. Damit es nicht an der Magensäure zugrunde geht, produziert es basischen Ammoniak zur Neutralisation. Ankerproteine schützen es vor dem Abtransport in den Darm. Daneben erzeugen einige der Bakterienstämme Gifte, die zu einer permanenten Reizung der Magenschleimhaut führen. Über viele Jahre hinweg kann dies ein Zwölffingerdarmgeschwür, Magengeschwür, selten sogar Magenkrebs auslösen. Immer dann, wenn die Gastritis chronisch ist, muss ein Arzt mit entsprechender Diagnostik auf eine Infektion prüfen.

Aber Achtung:

Nicht jeder Keim ist aggressiv oder produziert Toxine. Eine Infektion mit Helicobacter muss nicht zwangsläufig behandelt werden, sondern nur dann, wenn der Träger heftige Beschwerden hat. Der Arzt richtet sich dabei nach folgendem Katalog:

  • Nachweis eines Zwölffingerdarm- (Ulcus duodeni) oder Magengeschwürs (Ulcus ventriculi)
  • Blutungen im Magen-Darm-Trakt
  • Verdacht auf Riesenfaltengastritis
  • Verdacht auf MALT-Lymphom im frühen Stadium

Aber der Gastritis liegt nicht immer eine Infektion zu Grunde. Man kennt drei Hauptformen der Magenschleimhautentzündung:

Bei der Typ A-Gastritis zerstört der Körper selbst säureproduzierende Drüsenzellen in der Magenwand durch das Immunsystem. Das löst eine Untersäuerung aus.

Typ B-Gastritis: Das Bakterium Helicobacter pylori führt zunächst zu einer akuten Gastritis, die dann in die chronische Form übergeht, wenn sie nicht behandelt wird.

Typ C-Gastritis: Gifte schädigen alle Zellen, das ist auch im Magen so. Chemisch-toxische Reize (wie Alkohol, Salz, Medikamente) setzen der Schleimhaut zu.

Häufigkeit

Magenschleimhautentzündung ist eine sehr häufige Krankheit. Typ A ist sehr selten (1-5 %), Typ B dagegen macht 80-90 % der Gastritisfälle aus. Mit dem Alter steigt auch die Häufigkeit einer chronischen Erkrankung. Wesentlich seltener sind Typ C-Fälle (7-15 %).

Infektiöse Gastritis Typ B

Typ B Gastritis durch Helicobacter pylori verursacht die meisten Fälle. Kinder in Deutschland sind zu 5 % mit dem Bakterium infiziert und Erwachsene zu 24 %. Die Wahrscheinlichkeit, dass in einer Familie mehrere Mitglieder angesteckt sind, ist sehr hoch.

Mit zunehmendem Lebensalter wird die Wahrscheinlichkeit für den Kontakt mit diesem Bakterium immer größer (1 % Risikoerhöhung pro Lebensjahr). In der Regel sind Personen mit Migrationshintergrund von der Infektion häufiger betroffen.

Man schätzt, dass 75 Prozent der Magengeschwüre und vermutlich alle Zwölffingerdarmgeschwüre auf diese Infektion zurückgehen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 1994 die Helicobacter pylori-Infektion in die höchste Krebsrisikoklasse eingestuft. Helicobacter ist die Hauptursache bei über 90 % der Magenkrebs-Erkrankungen. Doch die meisten Infizierten leiden nicht darunter und entwickeln auch keinen Krebs. Es gibt unterschiedlich aggressive Keime.

Nach einer antibiotischen Behandlung verschwindet der Keim meist dauerhaft. Die Rate der Widerinfektion bei Erwachsenen liegt bei nur ca. 1 % pro Jahr in Industrieländern, aber bei 13-24 % in Entwicklungsländern.

Mögliche Folge einer Magenschleimhautentzündung: das Magengeschwür

Der Einfluss des Geschlechts auf die Entstehung von Magengeschwüren variiert von Land zu Land. So ist das Verhältnis männlich zu weiblich in afrikanischen Ländern 9:1, in England 4:1 und in den USA 1:1.

Sehr selten: Magenkrebs

Bösartige Geschwüre im Magen sind im Vergleich zu Gastritis selten: 0,02 % der Deutschen leiden an Magenkrebs, während 24 % mit dem Magenkeim infiziert sind. Magenkrebs ist leider schwer zu behandeln, da er meist spät erkannt wird. Er bereitet im Vorfeld nur wenige Beschwerden.

Ursachen

Eine akute Magenentzündung ist Folge

  • schwerer Traumata wie z. B. Verbrennungen durch heißes Essen/Getränke, nach Reizen wie Kaffee und manchen Medikamenten
  • Infektionen (mit Bakterien oder Viren)
  • von psychischem Stress (verstärkender Faktor)
  • schweren Erkrankungen wie Urämie, Sepsis, Blutungen, Schock, Ikterus und Operationen (Cushing-Ulkus). Akute Beschwerden sind dann Zeichen der allgemeinen Überforderung.
  • Durchblutungsstörungen im Magen durch Thrombosen oder Arteriosklerose.

Für eine chronische Magenentzündung kommen drei Ursachen in Frage:

  • Typ A-Gastritis: Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung mit Bildung von Antikörpern gegen Drüsenzellen des Magens (Parietalzellen). Der Körper selbst ist es dann, der den Magen angreift. Hier kommt als Auslöser eine genetische Veranlagung zu Autoimmunerkrankungen in Frage. Personen leiden vermehrt auch unter anderen autoimmunen Reaktionen (Diabetes Typ1, Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), autoimmune Schilddrüsenentzündung (Autoimmunthyreoiditis)). Auch eine Infektion mit Helicobacter pylori wird als Ursache diskutiert: Grund ist eine Ähnlichkeit eines bakteriellen Proteins mit einem körpereigenen Enzym. Wird ein Antikörper gegen das Bakterienprotein gebildet, greift dieser auch den eigenen Körper an.
  • Typ B-Gastritis Diese Entzündungsform wird durch das Bakterium Helicobacter pylori hervorgerufen. Das Bakterium nistet unter der Magenschleimhautbarriere und führt zu chronischen Entzündungszuständen.
  • Typ C-Gastritis Dabei handelt sich um die Schleimhautschädigung durch chemisch-toxische Reize. Auslöser sind beispielsweise Medikamente wie Aspirin (ASS), Antirheumatika (NSAR, Diclofenac & Co) und hoher Kaffeekonsum. Alkoholiker leiden meist unter chronischer Gastritis, da Alkohol einen reizenden Einfluss auf die Magenschleimhaut hat. Aber auch der Körper selber schädigt sich manchmal, dann fließt die Galle in die falsche Richtung. Sie landet nicht im Darm sondern im Magen (chronischer Galle-Rückfluss). Doch auf dieses Klima ist der Magen nicht ausgelegt. Er nimmt Schaden und entzündet sich.

Prävention

Der beste Schutz gegen Gastritis ist:
  • Schadstoffe meiden (Alkohol, Nikotin, Medikamente)
  • Mit Hygiene Infektionen vermeiden.
  • Infektionen antibiotisch bekämpfen und Reinfektionen vorbeugen.
  • Kennen Sie Ihre Unverträglichkeiten und respektieren Sie diese Reaktion Ihres Körpers.

Antibiotika bald unwirksam?

In den Neunziger Jahren entdeckte man den Magenkeim als Ursache der Entzündung. Seitdem wird häufig und viel mit Antibiotika gearbeitet, so wird leider die Therapie zunehmend weniger wirksam. Die übliche Dreifach-Therapie (Tripeltherapie) ist nicht in jedem Fall wirksam, die neue Quadrupel-Therapie wird allgemein schlechter vertragen.

Parallel dazu arbeitet man an einer Impfung, leider ist es bisher nicht gelungen einen effektiven Impfstoff herzustellen. Da der Keim nicht im Sondern am Körper lebt, ist er dem Angriff der Antikörper nicht gänzlich ausgesetzt.

Verlauf und Komplikationen

Akute Magenschleimhautentzündung

Eine akute Entzündung der Magenschleimhaut ist zwar unangenehm, sie verschwindet jedoch meist sehr schnell wieder – vorausgesetzt, die Auslöser werden gemieden (z. B. Alkohol, Kaffee, Aspirin). In schweren Fällen kann es jedoch zu lebensbedrohlichen Blutungen kommen.

Chronische Magenschleimhautentzündung

Anders, die chronische Gastritis. Sie besteht über viele Jahre und wird von den Ärzten oft nicht erkannt. Bei Geschwüren droht ein Magendurchbruch. Geschwüre heilen in 20 bis 30 % der Fälle innerhalb von 4 Wochen spontan ab, mit Therapie zu fast 100 %. Typisch für Magengeschwüre und Zwölffingerdarmgeschwüre ist die hohe Rückfallrate: Etwa die Hälfte der Personen erkrankt wiederholt.

Wie bei allen chronischen Schädigungen ist hier die Gefahr für Krebs erhöht (Magenkarzinom).

Verlauf der Spezialformen

Bei der Typ A Gastritis zerstört der Körper selbst säureproduzierende Drüsenzellen. Das löst eine Untersäuerung aus. Weil nicht genug Magensäure produziert wird, werden Keime aus der Nahrung nicht mehr optimal beseitigt. Dies führt zu einer Fehlbesiedlung im Darm und kann Blähungen oder/und Durchfälle und andere Verdauungsstörungen auslösen. Zudem kann es bei chronischer Magenuntersäuerung zu Kalziummangel mit möglicher Osteoporose kommen.

Der Verlust der Drüsenzellen führt auch zu einer Störung der Aufnahme von Vitamin B12. Es entwickelt sich ein Vitaminmangel mit neurologischen Symptomen (Depressionen, Lähmungen, Bewegungsstörungen: „Polyneuropathie“) und Blutarmut (Anämie). Meist ist es erst die Anämie, die auf die Magenerkrankung aufmerksam macht.

Der Magen versucht die Untersäuerung zu korrigieren, indem er mehr von dem Hormon „Gastrin“ produziert. Man bezeichnet dies als Hypergastrinämie. Das Hormon soll eigentlich den Säuregehalt erhöhen, es ist aber auch ein Signal für andere Magenzellen zum Wachstum (G-Zellhyperplasie). Wie viele andere Hormone auch, führt dauerhafter Gastrinüberschuss zu einem erhöhten Risiko für Karzinome (Magenkrebs).

Typ B - Gastritis Das Bakterium Helicobacter pylori führt zunächst zu einer akuten Entzündung, die dann in die chronische Form übergeht. Im Verlauf von vielen Jahren kann daraus Magenkrebs entstehen (muss aber nicht). Nach einer antibiotischen Behandlung sind viele der Patienten dauerhaft geheilt. Leider sind auch bei Helicobacter antibiotikaresistente Stämme bekannt geworden.

Typ C - Gastritis Auch Schleimhautschädigungen durch chemisch-toxische Reize können nach Jahren zu Magengeschwüren und Krebs führen. Hier hat man aber häufig die Faktoren in der Hand: Alkohol kann man einschränken und Medikamente können gewechselt oder abgesetzt werden.

Quellen/Weitere Informationen

Quellen