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Brennnessel

© C. Heyer/PhytoDoc

Die Brennnessel: Ein oft verkanntes Kraut

Die Brennnessel ist bei vielen Gartenbesitzern als lästiges "Unkraut" verschrien. Dass sie eine wichtige Heilpflanze mit breitem Wirkungsspektrum ist, wissen noch viel zu wenige.

Von: PhytoDoc-Redaktion

Allrounder unter den Heilpflanzen

Die Brennnessel (Urtica dioica) mag mit ihren Nesseln abschrecken, sie ist aber eine echte Heilpflanze. Eine, durch die Kommission E gesicherte, positive Wirkung verspricht die Brennnessel bei einer gutartigen Prostatahyperplasie (Prostatavergrößerung), bei Arthrose und rheumatischen Beschwerden. Bei Harnwegsentzündungen und Blasenerkrankungen zählt die entwässernde Wirkung. Traditionell wird der Presssaft auch zur Blutreinigung eingesetzt. Arzneimittel stellt man sowohl aus den Brennnesselblättern als auch die Wurzel der Brennnessel her. Zur innerlichen Anwendung sind Präparate in Form von Pflanzensäften, Tees, Dragees oder Kapseln erhältlich. Bei einer überhöhten Tagesdosierung (über 4–12 g der Blätter oder 4–6 g der Wurzel) kann es zu Durchfall kommen. Zur Linderung von Schmerzen kann unterstützend eine äußerliche Anwendung erfolgen.

Wogegen hilft Brennnessel?

Der Heilpflanzen-Allrounder Brennnessel

Die Wirkung des Brennnesselkrauts gegen Arthritis sowie der Brennnesselwurzel gegen gutartige Prostatahyperplasie (benigne Prostatahyperplasie Stadium I bis II) wurde durch klinische Studien bestätigt.

Achtung:
Die Brennnessel lindert zwar die Beschwerden bei einer gutartigen Prostatahyperplasie, behebt aber nicht die Vergrößerung. Die Grunderkrankung ist daher von einem Arzt in regelmäßigen Abständen zu überwachen.

Bei einer Durchspültherapie mit Brennnesselprodukten muss viel getrunken werden.

Heilwirkung von Brennnessel

Die Blätter wirken leicht harntreibend, schmerzstillend und entzündungshemmend. Sie können daher begleitend zur Behandlung von Arthritis, Arthrose und Rheuma eingesetzt werden. Häufig kann dadurch die Dosis von Nichtsteroidalen Entzündungshemmern (NSAR = Nichtsteroidale Antirheumatika) gesenkt werden. Kontrollierte klinische Studien belegen die Wirksamkeit bei Arthritis. Als antientzündliche Wirkstoffe gelten die phenolischen Inhaltsstoffe.

Die besonders in Wurzeln und Rhizomen enthaltenen Phytosterole eignen sich zur Linderung der Beschwerden bei Gutartiger (Benigner) Prostata-Hyperplasie (BPH). Sie greifen in den Steroidhormonstoffwechsel ein und reduzieren die Größenzunahme der Prostata. Daneben erleichtern sie den Harnfluss und vermindern das Restharnvolumen in der Blase (Harnrest nach dem Wasserlassen). In einer großen Untersuchung an 5492 Patienten mit Benigner Prostatahyperplasie über drei bis vier Monate wurde ein deutlich positiver Effekt erzielt: nach Einschätzung der Urologen war bei 80% der Patienten mit Stadium I oder II und bei 60% bei Stadium III eine Besserung der Beschwerden zu verzeichnen.

Die Brennnessel wird auch als Aquaretikum zur Steigerung der Urinausscheidung bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege gegeben. Dabei kann das Mittel nur wirken, wenn auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet wird.

Einige Inhaltsstoffe hemmen entzündliche Vorgänge im Gewebe, andere sind immunstimulierend: Die Brennnessel-Lektine regten in Laborversuchen das spezifische Immunsystem an. Es ist daher wahrscheinlich, dass sie bei traditionellen Anwendungsgebieten wie Wunden, Fisteln und anderen Entzündungen helfen.

Für die Wirkung gegen Krebs gibt es nur spärliche und lückenhafte Untersuchungen. Die angebliche Blutzucker senkende Wirkung konnte in Studien nicht bestätigt werden.

Medizinische Anwendungsgebiete

Anerkannte Anwendungsgebiete, die durch Studien belegt sind

Für diese Anwendungsgebiete liegen eindeutige klinische Studien vor, um von einer Wirksamkeit auszugehen. Die Wirksamkeit wurde von mindestens einer der maßgeblichen Bewertungskommissionen (Kommission E/ESCOP/HMPC/WHO) verbindlich festgestellt.

  • Arthritis (Blätter)
  • Durchspülungstherapie bei Nieren- und Blasenerkrankungen, Harnwegsentzündungen
  • Nierengrieß, vorbeugend (Blätter)
  • Prostatahyperplasie (BPH, Antischwellungswirkung) (Wurzel)
  • Rheumatische Beschwerden, begleitend (Blätter)

Traditionelle Anwendungsgebiete in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde und Volksmedizin

Es liegen zahlreiche Hinweise aus einer langen Anwendungstradition in der Volksmedizin und in der ärztlichen Erfahrungsheilkunde vor, die eine Wirksamkeit annehmen lassen. Dennoch sind bisher nicht alle Kriterien erfüllt, die für eine volle Beweiskraft notwendig sind. Falls es klinische Studien gibt, haben die Ergebnisse nicht zweifelsfrei überzeugt.

  • Neigung zu Gicht, Podagra (Gichtanfall: Durchspülungstherapie
  • Rheumatismus, Gelenk- und Muskelrheumatismus (Gegenreiz = Counter-Irritation)
  • Stauungszustände, Ödeme, Wasseransammlungen, entwässernd

Anwendungsgebiete mit nicht gesicherter Wirksamkeit

Die Hinweise aus traditioneller Anwendung oder Laborversuchen sind zu wenig überzeugend und gehen über einen experimentellen Status nicht hinaus. Es gibt bisher keine korrekten oder positiven klinischen Studien.

  • Allergie
  • Bluthochdruck
  • Blutreinigung, Blutbildung, geschwächte
  • Blutungen des Verdauungskanals und blutende Hämorrhoiden, blutende Wunden, Bluthusten, Blutharnen oder gesteigerte Periode, blutstillend
  • Entzündungen der Dünndarmschleimhaut
  • Fisteln und Furunkel
  • Lungen- und Asthmaleiden
  • Verdauungsbeschwerden, Anregung der Bauchspeicheldrüse
  • Verschleimungen in Brust und Lunge
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)

Praktische Anwendung: Produkte & Hausmittel

Die Brennnessel wird in zahlreichen Zubereitungsformen angeboten: Frischpflanzenpresssaft, Tee, sowie verschiedene Extrakte in Form von Kapseln und Dragees. Sie wird auch gerne für selbstgemachte Kräuterlimonade verwendet.

Dosierung

Als Tagesdosen zu empfehlen sind 4–12 g (Blatt), 4–6 g (Wurzel) oder die entsprechende Dosis als Extrakt.

Innerliche Anwendung:

Brennnesselkraut

Tee aus dem Kraut: Durchspülungstherapie: Für die Teebereitung: etwa drei bis vier Teelöffel (ca. vier Gramm) Brennnesselkraut mit einer Tasse heißem Wasser (ca. 150 mL) übergießen und nach zehn Minuten abseihen. Der Tee sollte jeweils frisch zubereitet werden.

Frischpflanzenpresssaft aus dem Kraut: Dreimal täglich einen Esslöffel (10 ml) einnehmen. Er kann auch in Form einer Kur für vier bis sechs Wochen eingenommen werden.

Wässrig-alkoholischer Trockenextrakt aus dem Kraut (6,4–8:1): Zweimal täglich 770 mg oder vergleichbare Extrakte in entsprechender Dosierung einnehmen.

Tinktur aus dem Kraut (1:5 in 25% Ethanol): Dreimal täglich 2-6ml einnehmen.

Brennnesselwurzel

Tee aus der Wurzel: Für die Teebereitung: etwa vier bis sechs Gramm der getrockneten Wurzel werden mit einer Tasse heißem Wasser (ca. 150 ml) übergießen und nach zehn Minuten abseihen.

Flüssigextrakt aus der Wurzel (1:1; 20% Alkohol): 1,5-7.5 ml

Flüssigextrakt aus der Wurzel (1:5; 40% Alkohol): 5ml

Äußerliche Anwendung:

Man legt zur Linderung von Schmerzen einmal pro Tag frische Brennnesselblätter für 30 sec. auf die schmerzenden Hautbereiche.

Wirkstoffe

Blätter:

Mineralstoffe (bis zu 5% Kieselsäure)

Amine (darunter Histamin, Acetylcholin, Serotonin)

Flavonolglykoside

Phenolcarbonsäuren (Chlorogensäure, Kaffeesäure, Kaffeoyläpfelsäure)

Scopoletin
β-Sitosterol

Gerbstoffe

Wurzel:

Polysaccharide

Lektin (UDA)

Lignane

Cumarine

Sterole (darunter β-Sitosterol, 7α- und 7β-Hydroxysitosterol und ihre Glykoside)